Vorschau des Artikels

Trans*

© Unsplash, pexelsMan kennt die Szene:

Angespannter Kreissaal, ein Vater sitzt einsam auf dem Stuhl und beißt sich die Finger blutig. Dann die Nachricht: "Es ist ein Mädchen, es ist ein Mädchen!"


Der junge Mann springt auf und lacht fröhlich, die Mutter ist etwas erschöpft, aber glücklich. Ihre kleine Lillie hat die Welt erblickt.

Sieben Jahre später: Die süße Lillie wird eingeschult. Der Schulranzen hat ein cooles Rennautomotiv auf dem Deckel, sie trägt ein blaues Sweatshirt und eine weite Jeans. Die Haare gehen ihr bis kurz unters Kinn und sie lächelt fröhlich mit der Schultüte in der Hand. Ein wildes kleines Mädchen.

Dann, mit elf Jahren: Lillie hat kurze Haare, nur Jungenkleidung und ist gerade im Schwimmbad. Das ist das letzte Jahr, in dem das noch gehen wird: Dann wird sich der Körper des Kindes verändern und Lil - wie alle sie nennen - wird nicht mehr gerne Schwimmen gehen. Lil trägt eine dieser geblümten Badeshorts, wie sie zu der Zeit jeder trug - wenn man ein Junge war. Doch Lils Eltern sind cool. Sie lassen das Kind machen, was es will, wenn es nicht gerade um Smarphones geht.

Zwölf Jahre: Da kommt die Wende, wie alle Pädagogen es vorausgesehen hatten: Lil kommt im pinken Shirt in die Schule. Zwar ist es nur ein sportlich-männlich geschnittener Hoodie, aber immerhin. Was die Lehrer nicht wissen: Das Mädchen wurde geärgert, weil es war, wie es ist. Nun versucht der Vorpubertierende, sich anzupassen.

Dreizehn Jahre: Lil hat Schwierigkeiten, ihren weiblichen Namen auszusprechen. Oder soll man jetzt "seinen" sagen? Die Haare sind jetzt raspelkurz und er läuft nur noch in dicken Pullovern herum, um seinen Körper zu verstecken. Lil schreibt im Unterricht gedankenverloren einen Namen in sein Matheheft: 

Mario.

Mario. Der Name geistert ihm durch den Kopf, wenn Lil von seinen Lehrern aufgerufen wird, setzt er in Gedanken statt des weiblichen Namens "Mario" ein. Hört sich gut an.

Mit Vierzehn: Mario fährt mit dem Fahrrad in die Schule. Das Rad schlingert, denn Mario ist Gedanklich schon im Klassenzimmer. Er geht seine Rede noch einmal im Kopf durch. "Ich möchte, dass ihr mich Mario nennt. Ich habe einen Zusatzausweis, auf dem mein Name drauf steht, und alles mit dem Direktor abgesprochen..."

Siebzehn Jahre: Mario hat einen kleinen Bart (Haha, Mario Barth..), und stellt den auch stolz zur Schau. Mit seinem Vater sieht er sich die Fotos von damals an. Bei einem Foto, als er sich mit Kreiden einen Schnurrbart aufgemalt hatte, muss er lachen.

Wer Mario so sieht, weiß, dass es richtig war.

                 ________________________________

 

© S. Manthe, Deutsches KinderhilfswerkDoch nicht immer läuft das so gut: Marios Eltern hätten es für Quatsch erklären können, oder ihn in Kleider zwängen können. Sie hätten versuchen können, ihn zu etwas zu machen, was er nicht war.

Doch so etwas lässt sich nicht "wegerziehen" oder "heilen". Die einzige Art, einen "transsexuellen", oder "transgender-" Menschen zu heilen, besteht darin, ihm den Wunsch zu erfüllen: Im anderen Geschelcht zu leben.

Mit Transsexualität meint man übrigens nicht, in wen ein Mensch verliebt ist - Es gibt Transmenschen, die auf Männer stehen, und welche, die auf Frauen stehen. Wie bei "normaln" Menschen auch. Es ist lediglich das Geschlecht damit gemeint, denn:

Das "Sex"  von "Transsexuell" ist Englisch, und heißt so viel wie für "körperliches Geschlecht"

Das "Gender" ist für Soziales Geschlecht.  Hier ein Artikel dazu

Also heißt das, dass Transgender meist keine Probleme mit ihrem Körper haben, Transsexuelle hingegen schon. Ein Überbegriff ist übrigens "Trans*", das Sternchen zeigt die Vielfalt an, in die ein Mensch sich in der Hinsicht entwickeln kann.

Ob man Trans* ist, zeigt sich bei machen schon sehr früh - wie bei Mario, der mit sieben Jahren schon recht deutliche Signale schickt. Andere merken es erst mit siebzig Jahren.

Es gibt auch Menschen mit uneindeutigem Geschlecht, zwei Geschlechtern und ohne. Und jeder ist, wie er ist, und ein Mann ist nicht gleich kein ein Mann, nur weil er nicht gerne Fußball guckt. Außerdem ist ein Mann noch immer ein Mann, wenn er Rosa mag. Und wenn ein ein biologischer Mann sich wie eine Frau fühlt, dann ist er noch lange nicht krankhaft Kosmetikbegeistert und Blondgefärbt-Langhaarig oder Cheerlader. Oder vielleicht trägt "er" auch nicht gerne Röcke. All das spielt keine Rolle.

Conchita Wurst © Albin Olsson, CC BY-SA 3.0, wikimedia Wer kennt Conchita Wurst? Sie ist nicht Trans*. Conchita Wurst ist nur auf der Bühne eine Frau, im echten Leben aber nur ein Mann. Nur, weil ein Mann - warum auch immer er das zu dem Zeitpunkt möchte  - Frauenklidung trägt, muss es nicht heißen, dass er sich als Frau fühlt. Das gleiche gilt andersherum natürlich auch. Es kommt immer darauf an, wie man sich sieht: Als geschlechtsuntypisch, oder als im falschen Geschlecht.

Übrigens hat Mario seinen Bart nicht einfach so durch Willenskraft heraufbeschworen: Hormone, in seinem Fall Testosteron (was Männer vor allem haben), die ihm verabreicht wurden, machten seinen Körper männlicher. Auch die Stimme verändert sich bei ihm, was bei Trans-Frauen leider nicht der Fall ist - die müssen, wenn sie etwas an ihr ändern wollen, Stimmübungen machen.

Doch die Hormone bekommt man (zurecht) nicht einfach so. Denn sie können eine Menge anrichten, was man nicht rückgängig machen kann. Zuerst kommt ein halbes bis fünf Jahre Altagstest. Meistens ist es aber "nur" ein Jahr. Mit Alltagstest ist die Zeit gemeint, in der der Transmensch ohne Medizinischer Hilfsmittel in dem gewünschten Geschlecht leben muss. Erst dann könen medizinische Maßnahmen ergriffen werden.

Es gibt noch unendlich viel darüber zu berichten, was nicht alles in einen Artikel passt. Wenn du noch Fragen hast, schreib einfach.


2 gute Bewertungen zum Artikel!
Deine Bewertung?

Dein Kommentar aufschreiben