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How to be a Star

© NikolayFrolochkin, pixabayVor ungefähr dreizehn Jahren, da fing alles an, da war Mom schwanger (Ja, ich nenne meine Mutter Mom. Ich weiß auch nicht warum.) Na, jedenfalls war die da schwanger und Dad (Ja, meinen Vater nenne ich Dad. Überraschung!) fuhr mit ihr ins Krankenhaus.

Im Radio lief der Song „Come as you are“ von Nirvana und die versammelte Mannschaft (Mom, Dad, ich nicht, ich war ja noch im Bauch) sang mit. Ich kann nicht garantieren, das das, dass ich jetzt gerade erzähle stimmt, ich kann mich nämlich nicht daran erinnern. Im Krankenhaus angekommen, wollte ich dann auch schon ganz schnell raus. Na ja, nachdem das ganze Spektakel zu ende war hatte meine Mom mich im Arm. „Duziduzi“ sagte sie (Oder so ähnlich) und kitzelte mich an der Nase. Dad war die ganze Zeit  irgendwo in der Ecke gesanden, kam nun hervor und kitzelte mich auch an der Nase (Duziduzi). Mom ruhte sich noch eine Weile im Krankenhaus aus. Und dann nahmen die beiden mich mit.
 
Zuhause wurde ich herumgezeigt, und jeder erstellte eine Prophezeiung, was ich später mal werden sollte.
„Der wird mal ein gaaanz toller Koch“ (Onkel Kurt, Koch)
„Wenn der mal groß ist, dann wird der sicher Bäume ausreißen können“ (Großer Cousin Quintin)
„Der wird mal Sänger“ (Oma Frederike, früher Ballettänzerin)
„Lyriker wird der, sieh dir die Augen an!“ (Großtante Emma, Psychologin)
„Der wird wie er wird, dass überlass´ ich ihm“ (Mom)

Und wer hatte recht? Oma Frederike und natürlich Mom! Aber eigentlich hatten sie alle recht. Nur Bäume kann ich nicht ausreißen. Na gut, kleine Bäume vielleicht. Oder Gras. Ja, Gras geht.

Doch einen Namen hatte ich immer noch nicht. Dad hatte sich in den Namen „Jeremiah“ verliebt, während Mom noch zwischen den Namen „Jack“, „John“ und „Max“ bewegte.

In einem waren sie sich jedoch sofort einig. Dem Namen „Maria“. Doch das ist ein Mädchenname. Deshalb durfte ich ihn nicht als Vorname nehmen. Also hatte ich schon mal den Zweitnamen „Maria“. Aber weil sich „Jeremiah Maria“ seltsam anhört, nahmen sie eben Jack.
Jack Maria Taylor.

Ja. Ganz genau. Jack Taylor, der Popstar. Jack Taylor, der dreizehnjährige Pimpf, den sie alle an kreischen. Jack Taylor, das Wunderkind.
Das hier ist mein Tagebuch und wer das liest, dem reiße ich den Kopf ab. Denn der hat schon ein Geheimnis erfahren: mein Zweitname ist Maria.   
Und hier gleich noch eins: Wenn du das hier liest, bin ich GELIEFERT! Also tu mir den Gefallen und Klapp das Buch zu, das ist für meine Enkelkinder oder für mich, wenn ich alt bin, aber NICHT für dich.  

Schnelldurchlauf

Was bisher geschah:   
1 Jahr: Ich tat, was man als einjähriger eben so tut: Essen. Krabbeln. Schlafen. Heulen.
2 Jahre: Ich konnte schon hervorragend laufen (bis zum Spielplatz um die Ecke) und hatte eine Vorliebe für Katzenminze entdeckt.
3 Jahre: Ich rutschte gerne auf dem Spielplatz auf der Plastikrutsche und wurde von den größeren Nachbarskindern Enya und Rina geschminkt.
4 Jahre: Ich fand Trommeln toll. Und wir spielten Piraten. Oder Wikinger. Manchmal auch Ritter. Oder Vater, Mutter, Kind.
5 Jahre: Piraten waren immer noch cool. Trommeln auch. Ich spielte gerne Fußball im Kindergarten, wusste anfangs aber nicht einmal die Regeln. Die anderen auch nicht. Im geheimen spielte ich mit den Barbiepuppen meiner Kindergartenkameradinnen.
6 Jahre: Ich kam in die Schule. Aus „Juchuu, Schule!“ wurde „Baaaaä, Schule!“ Ich wollte E- Gitarre spielen.
7 Jahre: Meine Eltern nahmen mich aus der Schule und ließen mich frei lernen. Sie fanden das „Pädagogisch“. Ich ging ein halbes Jahr ins Fußballtraining.
8 Jahre: Ich lernte. Ich spielte Tischtennis. Ich wollte eine Katze.
9 Jahre: Ich lernte. Ich spielte noch ein letztes Jahr Tischtennis, wollte dann aber etwas anderes machen. Ich malte viel. Ich wollte Klavier spielen. Ging in den Klavierunterricht.
10 Jahre: Ich lernte. Ich ging in Klavierunterricht und bekam ein Keyboard. Ich fing an ins Breakdance zu gehen. Ich bekam eine Katze (Felixe)
11 Jahre: Ich lernte. Ich fing an mit dem Keyboard aufzutreten, ich sang dazu. Tom entdeckte mein Talent und trainierte meine Stimme. Ich hatte einen kleinen Kreis Fans.
12 Jahre: Ich wurde fast über Nacht zum Star. Überall Paparazzi und Fans, ich ging auf Tournee und meine Familie kaufte sich ein neues Haus.
13 Jahre: so alt bin ich jetzt. Jeder kennt den Namen „Jack Taylor“ und ich kann nicht mehr ohne Bodyguard aus dem Haus.

Es ging alles total schnell. Erst war ich noch ein kleiner Pimpf der Klavierunterricht nahm, jetzt bin ich ein Popstar. Das alles habe ich Tom zu verdanken (groll)

Tom hat mich entdeckt und nur wegen ihm bin ich jetzt ein Star. Ich weiß nicht ob ich das gut finde. So etwas lässt sich eben nicht so leicht rückgängig machen.  

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Sonntag im Januar


Es schneit! Ungefähr drei Zentimeter hoch liegt der Schnee.
Mom kommt herein. „Es schneit!“ ruft sie fröhlich und scheucht mich aus dem Bett.
Jim steht in der Küche und macht sich sein drittes Nutellabrötchen „Auch?“ ruft er mir kauend zu. „Ne, danke“ ich habe eine Vorliebe für salziges Frühstück. Brot mit Käse und Salami ist da super. Jim ist mein Bodyguard, aber mir kommt er fast vor wie ein großer Bruder. Ein sehr geschwätziger, sicherheitssüchtiger Bruder  
Jetzt sitzen wir alle am Frühstück. Alle, das heißt Mom, Dad, ich und Jim. Mitten in der unterhaltung über Formel-1 und Umweltverschmutzung kommt das:
„Jack?“ Ich sehe von meinem Frühstück auf „Du wolltest doch schon länger mal wieder auf eine Schule gehen, oder?“ fragt Mom, „Ja, aber die erkennen mich doch alle!“ „Nicht, wenn du dich verkleidest“ Dad grinst. „Wie meinst du das?“, Mom lächelt.

„Wir schneiden dir eine andere Frisur, vielleicht farbige Kontaktlinsen,“ „Niemals! Keine Kontaktlinsen!“ „Okay, dann eben nicht, aber du könntest eine Brille aufziehen, deine Haare färben, so etwas“ „Ja, Haare färben, grün wäre gut, oder rot!“.

Scheint eigentlich keine schlechte Idee zu sein. Endlich mal wie ein normaler Teenager leben. „Für wie lange?“, frage ich Mom „Etwa einen Monat, die Schule fängt eigentlich schon Morgen an, aber du kannst ja erst in einer Woche dazustoßen.

„Warum nicht gleich morgen?“ mein nächster Auftritt ist in eineinhalb Monaten, das haut hin!“ „Ja, warum nicht?“Mum sieht Dad fragend an „Müsste gehen“.
„Und was ist mit Jim?“ frage ich dann doch noch nach,
„Der muss mitkommen“ sagt Mom bestimmt. „Aber er kommt nicht mit ins Schulhaus. Jim salutiert grinsend.

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Montag im Januar


Wow, ich erkenne mich selbst im Spiegel nicht wieder. Statt den braunen typisch geschnittenen Haaren (Jack-Taylor-Schnitt) habe ich jetzt eine hoch gegeelte schwarze Igelfrisur. Und ich trage eine Brille. Mom hatte darauf bestanden, das ich ihre alte Theaterbrille ohne Sehschärfe anziehe. Ich muss sagen, sie steht mir ganz gut. Außerdem trage ich ganz normale Sachen, sonst habe ich ja immer Designerzeug an, Tom sucht das normalerweise aus, aber jetzt trage ich ein Sweatshirt, das lustigerweise den Schriftzug „Jack Taylor“ hat, darunter eine wenig schmeichelhafte KarikaturEine Karikatur ist eine Zeichnung, die bestimmte Situationen oder Personen und ihre Merkmale übertrieben darstellt. Wenn ein Politiker zum Beispiel eine besonders große Nase hat, ist sie auf der Karikatur mindestens doppelt so groß..

„Beeil dich, Jackie, ich fahr gleich los!“ ruft Jim. „Komme schon!“ schnell schütte ich noch einen Kaffee in mich hinein. Mann, ist das Kacke früh. Wir gehen zum Hinterausgang hinaus und nehmen den unscheinbaren Fiat an der Ecke. Der fährt genauso gut und schreckt keine Paparazzi auf.

In der Schule schleift Jim mich erst einmal mit ins Sekretariat. „Du heißt jetzt John. Und mit Nachnamen heißt du Sturm, wie dein Vater. Verstanden?“ schärft er mir auf dem Weg ein „John Sturm. Okay.“ John Storm hätte sich besser angehört. Während dem Anmeldekram schlafe ich fast schon wieder ein. „Gibt´s hier irgendwo Kaffee?“ flüstere ich Jim zu „Nein, aber Cola hilft auch.“ Er zeigt auf den Automaten. Ich krame in meinen Taschen. Ein 20er Schein. Damit kann ich nicht bezahlen. „Haste keine Kohle?“ fragt mich ein Junge. „Ne, kannst du wechseln?“ „Wie viel?“ „zwanzig“ „Boah. Nee hab ich nich“ Alle anderen die ich frage haben auch nichts. Da klingelt es schon. Ich sehe auf den Stundenplan. Musik. Yes. Etwas, was ich kann. Den Musikraum hört man schon von weitem. Jemand versucht den Flohwalzer auf dem Klavier und jemand anderes spielt dazu unerträglich laut Schlagzeug. Als ich hereinkomme, kommt der Lehrer auf mich zu. „Hallo, du bist sicher der Neue, nicht wahr?“ „Ja, Ich bin Ja... John. Ich bin John Sturm.“ Der Rest der Bande hat mich nun auch entdeckt und kommt auf mich zu „Was spielt er?“ „Wie heißt du?“ „Warum kommst du nach den Weihnachtsferien und nicht am Anfang des Schuljahres?“
„Magst du Jack Taylor nicht?“ Bei der letzten Frage fahre ich herum. Ein Junge mit Jack-Taylor-Frisur sieht mich herausfordernd an. Ach so, das T- shirt. „Ja, doch ich mag ihn, ich kenne ihn sogar, ich nehm´s nur mit Humor.“ das hätte ich lieber nicht sagen sollen, denn jetzt geht die versammelte Mannschaft auf mich los: „Du kennst Jack Taylor?“ „Kannst du mir ein Autogramm holen?“ „Warst du schon mal bei ihm zuhause?“ „Cool!“

„Wie ist er so?“ „Seit wann kennst du ihn?“ „Ist er nett?“ „Stimmt es das er eigentlich Frank Geifer heißt?“, wieso, um Himmels willen sollte ich FRANK GEIFER heißen?

Ich schüttle mich. „Ich kenne ihn nur ein ganz klein bisschen“ Zum Glück rettet mich der Musiklehrer. „Er kann ja ein Referat darüber machen“ na toll. „Jetzt stehen bitte alle auf und wir singen „I wake up““ er lächelt mir zu „Von Jack Taylor. Wer möchte ans Keyboard? John? Du spielst doch Klavier.“
Ich gehe nach vorne. Der Lehrer reicht mir die Noten. Ich kann es Auswendig, aber ich nehme sie trotzdem. „1..,2..,1,2,3,4“ ruft der Lehrer

Alle fangen an zu singen und ich bin wieder voll auf der Bühne. Das war eines meiner frühsten Songs, ich hatte noch nicht viel Erfahrung, aber durch die Melodie wurde es zum Massenohrwurm. Selbst Mum summt das Lied dauernd.
Als das Lied zu ende ist, sehen mich der Musiklehrer und meine Klassenkameraden erstaunt an.

„Wow, John, du bist ja total gut!“. Oh nein, wenn die es merken.. „Du solltest dir eine Band suchen!“, der Lehrer sieht sich um. „Erik, du sprichst das bitte mit John nach dem Unterricht ab“, ein Junge mit Angedeutetem Irokesenschnitt nickt, dann sollen wir „Über den Wolken“ singen, und ein Mädchen mit Rattenzöpfen spielt dazu.

In der Pause kommt eine Gruppe Jugendlicher gemischten Alters auf mich zu. Erik mit dem Iro spricht mich als erstes an: „Hey, du willst doch sicher Sänger der coolsten Band der Stadt werden, oder?“ Eigentlich habe ich eine Riesenlust darauf, aber es geht ja nur so lang ich in der Schule bin, oder nicht? „ Ich kann nur auf Zeit, aber wenn ihr wollt, gerne“. Sie klatschen sich ab. „Nach der Penne im Musikraum, abgemacht?“ „Abgemacht!“  

Auch der Musiklehrer kommt auf mich zu „Ich hatte eh vor Referate über Musiker aufzugeben, wenn du Jack Taylor kennst, wäre das ja eine wunderbare Möglichkeit für uns, ihn auch etwas besser kennenzulernen. Möchtest du?“
puh, einerseits macht es sicher einen Heidenspaß, ein Referat über sich selbst zu halten, andererseits wäre das ja irgendwie total Angeber mäßig.
„Okay, ich mach´s. Aber ich kann ja auch nicht alles sagen“ wie die Sache mit dem Namen Maria „Wegen Privatsphäre und so“ der Lehrer nickt „Aber mal ganz ehrlich“ sagt er dann „Stars wie er haben eh keine Privatsphäre mehr“.
Oh, wie recht er nur hat.

Ich bekomme eine Idee. Ich könnte mich doch mal umsehen, was die Leute so von mir halten. Also nicht von mir als John Sturm, sondern von mir als Jack Taylor.

„Und, was haltet ihr so von Jack Taylor?“ das Grüppchen von Mädchen sieht von einer Zeitschrift hoch. Dann kichern sie los. Ich sehe auf die Zeitschrift: Ein großes Bild von Jack Taylor auf der Titelseite. „Oh, ach so. Kann ich mal sehen?“ „Klar.“ ein Mädchen gibt mir die Zeitschrift.
 
Jack Taylor – Was du garantiert noch nicht von ihm wusstest - Exklusivausgabe von Live
       
Jeder kennt ihn, fast jeder mag ihn. Jack Taylor. Das Ausgangsschild der modernen Popmusik und der, mit der coolen strubbel-hänge-steh-Frisur, der mit dem Keyboard.
Das er seit neun Jahre alt ist Klavier spielt weiß ja fast jeder, das er aber auch Schlagzeug spielt, mag den meisten neu sein.

Ich hab als ich zwölf war einmal ein bisschen auf dem Drumset eines Bandkollegen herumgeballert, irgendwer filmte mich dabei.

Mit fünf Jahren hatte der Junge sein erstes Keyboard bekommen, blablabla....

Was für ein abgrundtiefer BLÖDSINN!
„Schmeißt das Blatt weg, da steht nur Mist drin“ ich gebe den Mädchen das Heft zurück.
 
Langsam schlendere ich auf eine Gruppe Jungs zu. „Hi“ einer der Jungs sieht her „Ey, das is´ der Neue, der Jack Taylor kennt“. Wie auf ein Kommando strecken sich alle Köpfe nach mir aus. Ein Mädchen das auf einer Bank daneben liest, schaut auch auf. „Hm, ja.“ Ich nicke. „Geil alter, besorgst du mir ein Autogramm??“ der große Junge sieht mich bittend an „Ich hab auch Kohle, alter, bitte!“ „Ist gut, ich bring´s morgen mit. Aber du gibst mir dafür kein Geld!“ „Mir auch?“ ein rothaariger Knirps drängelt sich vor. „Ja, dir auch. Namen?“ „Jacob Dürer mit C“ sagt der Große. „Leo Mai“ ich notiere mir die Namen. Ein paar andere ergreifen die Gelegenheit und bestellen sich auch noch ein Autogramm. Am Ende habe ich dann 11 Autogrammbestellungen.

„Nach der Penne“ mache ich mich auf zum Musikraum. Doch Jim fängt mich ab. „Was willst du noch? Es ist Schulschluss!“. Ich erkläre ihm die Sache mit der Band.
„Mmh. Nicht gut. Du singst doch nicht, oder?“ „Doch. Ebendies hatte ich vor, und jetzt muss ich dann auch! Tschau!“. Jim läuft mir hinterher. „Jack!“ „Was ist denn jetzt noch?“ „Das geht nicht!“ er sieht mich bittend an. „Durch deine Stimme bist du berühmt! Das erkennt man! Das hört man zu jeder Sendezeit im Radio! Wenn die Presse etwas von deinem „Untercover-Einsatz“  herausfindet ist dein Image geliefert!“ „Wieso?“ „Denk dir doch mal die Schlagzeilen aus! Superstar werden Fans zu viel! Die rasten aus!“ „Ja, und was soll ich der Band nun sagen?“ Jim sieht mich nachdenklich an. „Zahnarzttermin.“

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Fortsetzung folgt....


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hab ich vergessen hinzuschreiben: Alles frei erfunden, ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen rein Zufällig.

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