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Kathrin unterrichtet Flüchtlingskinder

© K. StahlKathrin bringt Kindern aus anderen Ländern Deutsch bei, um sie auf den Unterricht an den allgemeinen Schulen vorzubereiten. Gerade jetzt, wo viele Flüchtlingskinder nach Deutschland kommen, hat Kathrin einiges zu tun. Kindersache hat sie für euch interviewt.
  
 
  
    

KiSa: Hallo Kathrin! Du bist also Lehrerin. Was ist das genau für eine Schule, an der du da unterrichtest?
 
Kathrin: Die Schule heißt offiziell „Deutsch als Zweitsprache (DaZ) – Zentrum“ und liegt in Dithmarschen. Das ist eine Region ganz im Norden von Deutschland. Ich unterrichte dort Kinder, die noch kein Deutsch können. Ich bringe ihnen die Sprache bei, damit sie danach auf ‚reguläre‘ Schulen gehen und gemeinsam Unterricht mit deutschsprachigen Kindern machen können.
 
KiSa: Wie alt sind denn die Kinder, die zu euch kommen, und wie viele Klassen habt ihr?
 
Kathrin: Am DaZ-Zentrum sind momentan hauptsächlich Grundschüler, aber generell unterrichten wir Schüler von 6 bis 16 Jahren. Wir haben aktuell insgesamt fünf Klassen. Eine 1. Klasse, eine 2. Klasse, eine 3.-4. Klasse, eine Orientierungsstufe (4.-5. Klasse) und eine Oberstufe (6.-9. Klasse). Jede Klasse hat einen eigenen Klassenlehrer. Oft sind aber zwei Lehrer im Unterricht. Denn gemeinsam kann man sich besser um einzelne Schüler kümmern und mit ihnen zum Beispiel Lesen üben. 
 
KiSa: Wie viele Schüler sind immer in einer Klasse und wie lange bleiben sie bei euch?
 
Kathrin: Das ist unterschiedlich. Eigentlich sind die Klassen für bis zu 12 Schüler gedacht. Zurzeit haben allerdings eher 25 oder mehr Schüler in einem Raum. Die Anzahl ändert sich aber oft wöchentlich, da neue Schüler in Dithmarschen ankommen oder Schüler vom DaZ an die Regelschule wechseln, wenn sie genügend Deutsch gelernt haben. Die Kinder bleiben mindestens 7 Monate bei uns, in der Regel aber eher ein Jahr. 
 
KiSa: Wo kommen die Kinder eigentlich her, die Du unterrichtest?
 
Kathrin: Aus der ganzen Welt! Viele der neuen Schüler kommen aus Syrien, aber wir haben auch viele Kinder aus Algerien, Albanien, dem Kosovo, Serbien, Polen, Rumänien oder Spanien.
 
KiSa: Sprechen die Kinder meistens schon ein bisschen Deutsch? Und wenn nicht, wie verständigst Du dich mit ihnen?
 
Kathrin: Da gibt es natürlich Unterschiede. Aber normalerweise sprechen die Kinder, die zu uns kommen, überhaupt kein Deutsch. Da helfen dann Hände, Füße und ganz viel Zeichensprache ;-)
 
KiSa: Bekommen die Kinder auch Hausarbeiten auf?
 
Kathrin: Die älteren Schüler schon, die Grundschüler noch nicht. Die Schüler haben jeden Tag 6 Stunden Unterricht und viele von ihnen müssen bis zu 1 ½ Stunden mit dem Bus anreisen. Da bleibt fast keine Zeit für Hausaufgaben.
 
KiSa: Schreiben die Kinder bei euch auch Klassenarbeiten? Und gibt es Noten?
 
Kathrin: Nein. Einige der Oberschüler schreiben ab und zu Tests. Aber für Klassenarbeiten sind die Deutschkenntnisse der Schüler innerhalb einer Klasse einfach zu unterschiedlich. Auch Noten gibt es bei uns nicht. Die Kinder bekommen am Ende ihrer Zeit am DaZ aber eine Empfehlung, in welche Klasse sie an der neuen Schule eingestuft werden sollen oder auch für eine bestimmte Schulform.
 
KiSa: Gefällt es dir, Kindern aus aller Welt Deutsch beizubringen?
 
Kathrin: Ja, auf jeden Fall! Allerdings ist es oft schwierig, da wir ja nicht nur Flüchtlingskinder unterrichten, sondern auch Kinder von anderen Zuwanderern. Daher haben die Kinder nicht nur unterschiedliche Deutschkenntnisse sondern auch ganz verschiedene Hintergründe und Lebensgeschichten. Für manche Schüler ist es schwer zu verstehen, warum beispielsweise ein Kind aus einem Kriegsgebiet so ruhig ist und mit niemandem redet. Oder warum ein paar einige Schüler aus Osteuropa auch in ihrer eigenen Sprache nicht lesen oder schreiben können, obwohl sie schon 11 Jahre alt sind. Auch für uns Lehrer ist es nicht immer leicht, allen Kindern gerecht zu werden.
 
KiSa: Haben die Kinder Spaß am Deutsch lernen?
 
Kathrin: Das ist sehr unterschiedlich! Aber das hat man ja in jeder normalen Schule auch so - die einen wollen gerne lernen, die anderen lieber spielen und fragen direkt zu Beginn der neuen Stunde: „Wie viele Minuten noch bis zur Pause?“
 
KiSa: Hast Du bei deiner Arbeit etwas erlebt, was dich besonders beeindruckt hat?
 
Kathrin: Da fällt mir ein besonders positives Beispiel von einem unserer Schüler ein. Er kam vor 9 Monaten ohne ein Wort Deutsch zu uns und wird Anfang Oktober auf ein deutsches Gymnasium wechseln. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
 
KiSa: Vielen Dank für das spannende Interview! Und viel Spaß noch beim Unterrichten.
 
Kathrin: Dankeschön :)

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