Eure Geschichten

Cup­ca­kes von Alas­ka, Teil 2

Erdbeercupcakes

Es gibt Streit

Am nächsten Tag war dann der erste Schultag nach den Sommerferien. An diesem Tag wurde aber glücklicherweise meistens noch kein Unterricht gemacht, sondern nur Stundenpläne und so verteilt.
Ich war also zwar nicht besonders begeistert davon, wieder zur Schule zu müssen, aber total schlimm fand ich es auch nicht. Außerdem würde ich meine Klassenkameraden wiedersehen. Ich freute mich vor allem auf Tine, Martha und natürlich Jule. Wie ich schon erzählt hatte, hatte ich keine wirklich guten Freundinnen, denn auch mit den drei Mädels redete ich nur über belanglose Dinge. Doch obwohl wir kaum über Privates sprachen und uns nur selten außerhalb der Schule trafen, verstanden wir uns gut. Zu einer wirklichen Freundschaft zwischen uns fehlten aber noch ein paar Dinge, fand ich. Außerdem freute ich mich natürlich, Alaska wiederzutreffen. Auch wenn sie über mir wohnte, hatte ich sie gestern gar nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich hatte sie ihren Eltern beim Einrichten der Wohnung helfen müssen.

Gerade band ich mir meine dunkelblonden Haare zu einem Pferdeschwanz. Diese Frisur war das Markenzeichen von Jule, Tine und Martha. Wir zeigten dadurch, dass wir zusammengehörten. Bei Jule, die ich am liebsten mochte, und mir passte das besonders gut, denn wir hatten dieselbe Haarfarbe.
Dann ging ich in die Küche, um mit meiner Familie zu frühstücken. Das Frühstück lief jeden Morgen gleich ab und auch heute passierte dabei nichts besonderes. Danach schulterten Bruno und ich unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg zur Schule. Als wir unsere Wohnung verließen, blieb ich kurz stehen, denn ich wollte auf Alaska warten, um mit ihr zusammen zur Schule zu gehen. Ich verwarf diesen Plan aber schnell wieder, weil wir uns nicht verabredet hatten und Alaska vielleicht schon vor mir losgegangen war. Dann hätte das Warten sowieso keinen Sinn gemacht.

Der Schulweg war nicht lang, es dauerte nur fünf Minuten, bis Bruno und ich das Schulgebäude betraten. Erst dort trennten sich unsere Wege, denn natürlich hatten wir in verschiedenen Räumen Unterricht. Ich sah mich auf dem Weg zu meinem Klassenraum um. Waren Jule, Tine und Martha schon da? Ich sah sie aber nicht, wahrscheinlich waren sie schon im Raum oder noch nicht da.
Da fiel mir ein, dass unsere Lehrerin uns vor den Ferien versprochen hatte, dass wir uns im neuen Schuljahr einen eigenen Sitzplan aussuchen würden, also uns an einen beliebigen Platz setzten durften. Sie hatte aber auch betont, dass sie uns, wenn wir zu viel mit unserem Nachbarn quatschten, an einen anderen Platz setzen würde. Das würde höchstwahrscheinlich auf mich und meine Clique zutreffen. Trotzdem wollte ich wenigstens für die ersten Schultage einen guten Sitzplatz haben, und wenn ich mich nicht beeilte, wären nur noch schlechte Plätze übrig! Aber vielleicht hatte Jule auch schon einen Platz für mich freigehalten. Es war ja klar, dass wir beide nebeneinander sitzen würden.

Als ich den Raum betrat, war es natürlich ziemlich laut, denn alle freuten sich, ihre Klassenkameraden wiederzusehen. Ich sah, dass Tine und Martha schon nebeneinander an einem Zweiertisch saßen. Das war völlig normal so, genau wie Jule und ich wollten sie gern nebeneinander sitzen und verstanden sich super. Aber Jule war auch schon da. Und ich bekam einen riesigen Schreck, als ich sah, dass neben ihr schon jemand saß. Es war Lisa, mit der wir vier eigentlich nicht so viel zu tun hatten. Sie hatte hellbraunes lockiges Haar, dass sie normalerweise offen trug. Aber heute war das anders. Sie hatte die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

Ich stürmte wütend auf Jule und diese blöde Kuh zu.
„Was hat die denn hier zu suchen? Wir beide wollten doch nebeneinander sitzen!“, giftete ich Jule an.
„Lisa gehört jetzt zu uns, dass siehst du doch. Außerdem hatten wir überhaupt nicht vereinbart, neben wen wir uns setzen.“, Jule lächelte, als sie das sagte, doch ihre Stimme klang kalt.
„Seit wann gehört die denn bitte zu uns?“, meine Stimme brodelte förmlich.
Jule stöhnte nun genervt: „Lisa hatte mich in den Ferien mal angerufen, und dann haben wir uns getroffen. Sie ist einfach total cool, darum bin ich dann auch mit ihr, Martha und Tine ins Kino gegangen. Und danach hat sie dann einfach zu uns gehört.“
Ich schrie fast, als ich Jule fragte: „Und warum war ich bei diesem Kinobesuch nicht dabei?“

Wir waren in den Ferien einmal zu viert im Freibad gewesen. Aber eigentlich trafen wir uns selten an einem anderen Ort als der Schule und wenn, dann anscheinend ohne mich dazu einzuladen.
„Wir wussten halt nicht, ob du Zeit hast“, Jule zuckte mit gespieltem Bedauern die Schultern.
„Na klar! Ihr hättet mir ja auch überhaupt nicht anrufen können!“, meinte ich ironisch. Dann fuhr ich wütend fort: „Du lügst doch! Ihr wollt mich einfach nicht mehr dabeihaben. Na schön! Zu so einer dämlichen Clique will ich auch nicht mehr dazugehören!“
Ich sah genau, wie Jule und Lisa einen genervten Blick wechselten, während ich davonstapfte. Ach! Eben hatte Lisa noch total schüchtern getan und kein Wort gesagt! Ein paar meiner Mitschüler sahen verwirrt zu uns, aber die meisten waren so begeistert davon, ihre Freunde zu sehen, dass sie unseren Streit gar nicht bemerkten. Ich ließ meinen Rucksack auf einen Stuhl an einem freien Tisch knallen und holte einen Block und meine Federtasche heraus. Na gut, dann war ich eben kein Teil der Clique mehr! Den Pferdeschwanz trug ich aber trotzdem noch, nur zur Sicherheit.

Die neue Schülerin

Unsere Lehrerin betrat den Raum erst kurz vor dem Klingeln zum Unterricht. Und neben ihr lief- Alaska! Die hatte ich bei der ganzen Aufregung völlig vergessen.
Gestern noch hatte ich darüber nachgedacht, ob Alaska meine Freundin werden könnte und jetzt war sie tatsächlich die einzige Person, mit der ich befreundet sein konnte! Auch wenn ich meine anderen Klassenkameraden mochte, waren sie mir noch nicht mal sympathisch genug, um Teil meiner (ehemaligen) Clique zu sein. Mit ihnen anfreunden wollte ich mich erst recht nicht. Mit einem Mal fiel mir ein, dass ich selbst nicht besser als Jule war, wahrscheinlich sogar schlimmer! Ich hatte, ähnlich wie Jule, gewollt, dass Alaska meine Freundin würde. Aber im Gegensatz zu Jule, die mich „nur“ mit einem anderen Mädchen in der Clique ersetzte, hatte ich kaum an sie gedacht, als ich Alaska kennenlernte und gleich eine richtige Freundin gewollt (und damit auch Jule ersetzt!). Jule war also zwar daran schuld, dass sie mich mit Lisa ersetzte, aber ich hatte ähnliche Gedanken. Und wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Nur eine war wirklich gemeiner als ich gewesen: Lisa. Sie hatte mir einfach meinen Platz in der Clique gestohlen.

Es klingelte. Meine Klassenkameraden liefen eilig zu ihren Plätzen oder suchten sich welche. Dabei sahen sie neugierig nach vorn zu unserer Lehrerin und Alaska. Meiner neuen Nachbarin schien das gar nicht zu gefallen, denn sie war etwas rot im Gesicht und zupfte nervös an ihrer weißen Bluse. Als alle einen Platz gefunden und sich hingesetzt hatten, begann die Lehrerin zu sprechen.
„Das ist eure neue Mitschülerin Alaska.“
Dann erzählte sie noch kurz, dass Alaska gerade erst in unsere Stadt gezogen sei und so.
„Such dir doch einen Platz und setz' dich“, forderte unsere Lehrerin Alaska auf. Diese blickte sich verschreckt um, denn es gab zwar ein paar freie Plätze, aber sie hatte offenbar Angst, dass niemand neben ihr sitzen wollte. Lächelnd klopfte ich auf den freien Stuhl neben mir. Alaska nickte erfreut und die Lehrerin sagte: „Ah, du willst also neben Janna sitzen.“

In der darauffolgenden Schulstunde passierte nichts Spannendes. Wir bekamen unseren Stundenplan, und dann besprach unsere Lehrerin noch andere organisatorische Punkte mit uns. Leider hatte sie ziemlich viele von diesen organisatorischen Punkten, weshalb es schon zur Pause klingelte, bevor sie fertig war.
„Dann machen wir jetzt auch eine Pause und ihr könnt frühstücken“, sagte sie zu uns.
Wir stürmten alle hinaus, aber als ich sah, dass Alaska stehen geblieben war, ging ich zu ihr.
„Kommst du?“, fragte ich sie, „Wir müssen in den Pausen immer auf den Hof gehen.“
„Oh, an meiner alten Schule sind wir immer drinnen geblieben“, antwortete sie, wie immer leise. Dann gingen wir gemeinsam raus.

Noch mehr Cupcakes

Ich wurde ziemlich ärgerlich, aber auch traurig, als ich meine ehemalige Clique auf einer Bank sitzen und lachen sah. Ihre Pferdeschwänze wippten dabei. Jetzt hatten alle außer der Clique eine unterschiedliche Haarfarbe: Martha war blond, Tine hatte dunkelbraunes Haar und von den anderen Haarfarben hatte ich schon erzählt. Ich drehte den Kopf schnell in eine andere Richtung, um sie nicht ansehen zu müssen.
Alaska und ich setzten uns auch auf eine Bank. Sie war genau wie die der Clique aus hellbraunem Holz. Na gut, eigentlich sahen alle Bänke auf dem Schulhof so aus. Ich hatte nur ein Brötchen mit auf den Hof genommen, aber Alaska hatte eine ganze Brotbox dabei, die ziemlich groß war. Als sie diese öffnete, konnte ich zwei Apfelstücke und eine Scheibe Brot mit Wurst sehen. Außerdem befanden sich noch zwei ziemlich kleine Cupcakes darin! Sie waren dunkelrosa und mit einer hellrosafarbenen Creme bedeckt, in der in der Mitte ein Stück Erdbeere steckte.
Alaska hatte meinen gierigen Blick wohl bemerkt und erklärte: „Das sind Mini-Erdbeercupcakes. Willst du einen?“
Ich nickte begeistert, und sie nahm einen Cupcake in die Hand und hielt in mir hin. Als ich ihn nahm, berührten sich unsere Hände.
„Äh... hi“, sagte plötzlich jemand. Wir drehten uns erschrocken um. Hinter der Bank stand Tine und lächelte nervös. Sie sagte: „Janna, das mit Lisa und so tut mir leid. Kann ich mich zu euch setzen?“ Alaska sah etwas verwirrt aus, sie fragte sich vermutlich, was Tine leidtat.
„Erklär' ich dir... irgendwann mal“, meinte ich zu ihr und wandte mich dann an Tine: „Na gut, setz dich.“
Sie ging um die Bank herum und setzte sich neben mich. Dann wollte sie wissen: „Na, was habt ihr in den Ferien so gemacht?“
„Ich war in 'nem Freizeitpark mit total coolen Achterbahnen“, erzählte ich knapp und fügte gereizt hinzu: „Aber im Kino war ich nicht.“
Tine antwortete zerknirscht: „Sorry nochmal, Janna.“ Dann erzählte sie etwas ausschweifende als ich von ihrem Urlaub im Harz. Schließlich sprach sie Alaska an: „Und was hast du gemacht?“
„Ach, nichts besonderes“, nuschelte diese.
„Na gut. Kann ich einen Cupcake?“, Tine zeigte auf Alaskas Brotbox, in der noch ein kleiner Cupcake stand. Ich bemerkte, dass ich meinen Cupcake immer noch in der Hand hielt. Ich hatte Tine immer noch nicht richtig verziehen, darum motzte ich sie an: „Du siehst doch, dass sie nur zwei hat. Einen von diesen Beiden hab' ich schon, und den anderen will Alaska bestimmt selber essen!“
Alaska war freundlicher: „Man könnte es ja so machen, dass wir einen Cupcake teilen, und den teilen sich dann zwei. Die dritte kriegt dann den ganzen Cupcake.“
Ich wollte gern die Dritte sein, aber noch weniger wollte ich, dass Alaska und Tine sich einen Cupcake teilten, darum bat ich: „Alaska, können wir uns einen teilen?“
Sie nickte, und Tine schnappte sich ihren Cupcake.
Allerdings sollte man einen Cupcake höchstens mit einem Messer in der Mitte durchschneiden, um ihn zu teilen und lieber nicht versuchen ihn mit bloßen Händen durchzureißen. Dann kann es nämlich passieren, dass ziemlich viel von der Creme vom Cupcake und auf eine neue Hose fällt. Das passierte mir nämlich, als ich den Cupcake zweiteilen wollte. Aber irgendwie war ich gar nicht verärgert, sondern musste kichern. Und als Tine ein Taschentuch hervorzug und damit meine Hose säuberte, beschloss ich, dass ich ihr wirklich verzeihen sollte, denn sie gab sich so große Mühe.
Alaska und ich aßen übrigens doch noch etwas von dem Cupcake, denn immerhin hatte ich es geschafft, ihn in zwei etwa gleiche große Stückchen zu reißen.

Ich lief alleine von der Schule nach Hause, weil Alaska noch irgendetwas mit ihren Eltern im Sekretariat erledigen musste, Tine in einer anderen Richtung wohnte und ich Bruno nicht finden konnte. Er hatte bestimmt schon früher Schluss als ich gehabt.
„Hey“, sagte auf einmal jemand hinter mir, und dass war eindeutig nicht Tines Stimme.
Ich drehte mich um und tatsächlich- Lisa stand hinter mir und glotzte mich mit ihren babyblauen Augen an.
„Es tut mir leid, dass du nicht mehr in der Clique bist. Du kannst ruhig wieder zu uns kommen!“, quäkte sie,aber ich ließ sie einfach stehen.
Anders als Tine meinte sie das ganz sicher nicht ernst. So war sie bestimmt- nahm anderen Mädchen ihre Fast-Freundinnen weg und tat dann, als täte ihr das voll Leid.
Aber ich durchschaute sie.

 

Das ist das zweite Kapitel. Es gibt in diesem Kapitel noch ein paar Dinge, die sich unlogisch anhören, aber die klären sich in den nächsten Kapiteln auf. LG Smiley-Life 

Was bisher geschah..

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Eure Kommentare

Ich auch
Finde ich auch. 
Echt super!! 
Danke Schön, dass es dir jetzt schon gefällt
Profilbild von Gast
Ich liebe deine Geschichte! richtig toll
Mir ist gerade aufgefallen, dass ich gar nicht geschrieben habe, dass Tine sich Alaska vorgestellt hat. Sie hat Alaska aber natürlich gesagt, wie sie heißt. LG Smiley-Life