Eure Geschichten

Cup­ca­kes von Alas­ka, Teil 3

Blaubeercupcakes

Die neuen Nachbarn

Zuhause ließ ich mich dann in mein Bett fallen, drückte mir das Kissen ins Gesicht und weinte. Den ganzen Tag über hatte ich dieses Gefühl unterdrückt und gar nicht daran gedacht, aber jetzt brach es aus mir hervor. Ich war raus aus der Clique! Obwohl ich mir immer selbst sagte, dass wir keine richtigen Freundinnen waren, fand ich es schrecklich, von Martha und Jule nur wegen Lisa abgelehnt zu werden. Tine war die Einzige aus der Clique, die mich noch mochte... Warum eigentlich?
Warum war Tine heute zu mir gekommen? Martha und sie hatten sich sehr gern gemocht, aber auch mit Jule hatte sie sich prima verstanden. Und diese Clique verließ sie, nur weil ich ihr leidtat? Ich konnte mir das gar nicht vorstellen, denn ich glaube, ich hätte so etwas nicht getan. Aber vielleicht war Tine einfach netter als ich. Ich konnte sie morgen einfach mal fragen, warum sie zu mir gekommen war. Vorausgesetzt, sie hatte sich gestern nicht einfach nur entschuldigen wollen. Vielleicht war am nächsten Tag wieder bei Jule, Martha und Lisa.
Bei der Grübelei über Tine hatte ich aufgehört zu weinen, aber jetzt flossen die Tränen wieder. Beruhig dich, sagte ich mir. Akzeptier es einfach. Tine und Alaska mögen dich doch noch.

Ich schaffte es tatsächlich, wieder mit dem Weinen aufzuhören. Und das war auch gut so, denn nach einer Weile kam meine Mutter ins Zimmer und ich wollte ihr nicht erzählen, was in der Schule passiert war.
„Du hast unsere neuen Nachbarn schon kennengelernt, aber wir noch nicht. Darum wollen wir sie jetzt auch begrüßen und uns für die Muffins bedanken“, erklärte sie mir.
„Das waren Cupcakes“, seufzte ich, auch wenn ich Alaskas Gebäck neulich auch beim falschen Namen genannt hatte. Aber so konnte ich besser mit meinem Wissen angeben, denn ich erklärte Mama auch noch, was die Unterschiede zwischen Muffins und Cupcakes waren.

Dann gingen wir gemeinsam aus meinem Zimmer. Im Flur warteten schon Papa und Bruno, wir verließen gemeinsam unsere Wohnung und stiegen die Treppen hinauf ins höhere Stockwerk, um zu Alaska und ihrer Familie zu kommen.
Als Mama dort auf die Klingel drückte, fiel mir ein, dass Alaska vorhin noch mit ihren Eltern ins Sekretariat der Schule gegangen war. Waren sie überhaupt schon zurück?
Aber ich hatte mir umsonst Sorgen gemacht, denn schon öffnete sich die Haustür und eine große, schlanke Frau stand vor uns. Das musste wohl Alaskas Mutter sein, und offenbar hatte Alaska ihre Haarfarbe von ihr geerbt.
Die Frau lächelte uns freundlich an und begrüßte uns: „Hallo!“
Mama lächelte ebenfalls und grüßte zurück. Dann bedankte sie sich für die Cupcakes und stellte uns kurz vor, sagte ihr also unseren Nachnamen.
Da blickte die Frau mich an: „Bist du Janna? Alaska hat schon ein bisschen von dir und einem anderen Mädchen namens Tine erzählt.“
Ich nickte und freute mich, dass Alaska ihren Eltern von mir berichtet hatte. Dann rief Alaskas Mutter nach ihrem Mann und Alaska, damit diese uns auch kennenlernten. Die beiden kamen sofort angelaufen. Alaska und ich lächelten uns zu, während unsere Eltern sich noch einmal vorstellten und Bruno gelangweilt herumstand. Danach verabschiedeten wir uns.

Schlechte Laune

Am nächsten Morgen hatte ich wenig Lust, zur Schule zu gehen und zickte meine Familie daher beim Frühstück ziemlich an. Als Bruno mich zum Beispiel fragte, ob ich ihm die Butter geben könnte, fauchte ich in nur an: „Nimm sie dir doch selbst!“
Meine Laune besserte sich jedoch, als ich Alaska am Treppengeländer vor unserer Haustür lehnen sah. Sie trug heute ein blaues T-Shirt mit der schwarzen Silhouette eines Schmetterlings und einen ebenfalls schwarzen, knielangen Rock. Wie üblich hatte sie ihre roten Turnschuhe an. Sie errötete leicht, als sie mich fragte: „Wollen wir gemeinsam zur Schule gehen?“
Bruno verdrehte die Augen und erwiderte: „Das wär' gut, dann muss ich nämlich nicht mit ihr gehen. Aber ich würd's dir nicht empfehlen, sie ist heute total zickig.“
Dann ging er an Alaska vorbei und die Treppe hinunter. Ich sagte zu ihr: „Hör nicht auf ihn. Jetzt tut er gerade, als ob er der Coolste wäre, aber er benimmt sich oft wie ein Baby.“
Dabei dachte ich an den Tag, an dem der Umzugswagen hier gestanden hatte und Bruno total aufgeregt aus dem Fenster geschaut hatte. Darauf, dass Bruno gesagt hatte, ich sei heute total zickig, ging ich aber lieber nicht so genau ein, denn ich war ja wirklich schlecht gelaunt. Obwohl Alaska das ändern könnte.
„Also, wir können natürlich zusammen gehen. Zur Schule, meine ich“, antwortete ich noch auf ihre Frage, und sie schien sich zu freuen.
Auf dem Weg zur Schule redeten wir nicht viel, aber trotzdem war ich froh, Alaska als Begleitung zu haben. Denn auch wenn Tine heute vielleicht wieder bei der Clique sein wollte, hatte ich noch Alaska.

In der Schule brodelte dann allerdings wieder die Wut in mir, und gleichzeitig musste ich Tränen unterdrücken. Natürlich saßen Jule und Lisa wieder nebeneinander und ich konnte sehen, dass sie zusammen kicherten. Auch Tine und Martha befanden sich an ihrem gemeinsamen Tisch, aber sie redeten nicht miteinander. Ich wusste nicht, ob es dran lag, dass Tine jetzt wirklich bei mir und Alaska sein wollte oder einfach daran, dass Martha wie üblich schweigsam war. Als ich und Alaska an den beiden vorbeiliefen, lächelte Tine uns jedenfalls zu.
An unserem Platz angekommen, wurden wir erstmal von ein paar Mitschülern mit Fragen bestürmt. Na gut, eigentlich wurde eher Alaska angequatscht. Sie wirkte deshalb ziemlich ängstlich, denn selbst gegenüber Tine und mir war sie noch schüchtern. So viele andere Kinder waren erst recht nichts für sie. Wenn sie den Anderen antwortete, sprach sie ziemlich leise und war kaum zu verstehen, daher half ich ihr beim Beantworten einiger Fragen.
„Wo wohnst du denn jetzt?“, wollte zum Beispiel Lennart wissen.
„Sie wohnt in der Wohnung über mir, ist das nicht cool?“, erklärte ich dann.
„Lass doch Alaska antworten und dräng dich nicht immer in den Mittelpunkt“, sagte auf einmal jemand genervt zu mir. Es war Martha, die zwar nicht so viel redete, aber trotzdem nicht zurückhaltend war und deshalb ganz schön gemein werden konnte. Früher hatte ich nur erlebt, wie sie das bei anderen getan hatte, doch nun trafen ihre gehässigen Kommentare anscheinend auch auf mich zu. Meine Klassenkameraden hatten offenbar schon mitbekommen, dass ich nicht mehr mit meiner Clique rumhing und raunten daher, als erwarteten sie jetzt einen interessanten Streit. Ich wollte schon zu einer fiesen Antwort ansetzen, doch da klingelte es und alle gingen zu ihren Plätzen. Weil unser Deutschlehrer allerdings eine ganze Minute zu spät kam, unsere Klasse aber artig auf ihn wartete, hatte ich noch genug Zeit, mich im Stillen über Martha zu ärgern. Ich hatte Alaska doch nur geholfen! In der Pause setzte sich Tine wieder zu Alaska und mir. Alaska hatte heute keine Cupcakes dabei, aber wir unterhielten uns und hatten Spaß zusammen.

Tine erklärt sich

Als ich wieder zuhause war, schnappte ich mir mein Handy und rief Tine an. Ich wollte wissen, warum sie die Clique verlassen hatte, aber in der Schule hatte ich sie nicht fragen wollen. Dann hätte ich Alaska nämlich erklären müssen, was passiert war, also dass mich die Mädels, die ich mochte, nicht mehr bei sich haben wollten, und irgendwie hatte ich das noch nicht gewollt. Tine hob schon nach kurzer Zeit ab. Wir begrüßten uns kurz, bevor ich meine Frage stellte: „Sag mal, Tine, warum bist du zu mir gekommen und nicht bei der Clique geblieben?“
Tine antwortete: „Ich fand es total gemein, wie die anderen dich ausgeschlossen haben. Du bist schließlich unsere Freundin!“
Fand sie, dass wir Freundinnen gewesen waren? Wir hatten schließlich kaum über wirklich wichtige Dinge gesprochen. Aber wahrscheinlich war Freundschaft für Tine etwas anderes als für mich, und sie war einfach nicht so kritisch dabei, jemanden als Freund zu sehen. Vielleicht hatten Jule und Martha mich früher auch als Freundin gesehen, aber irgendwie gemerkt, dass ich sie nicht für richtige Freundinnen hielt und mich deshalb abgelehnt. Vielleicht war ich selbst schuld daran, dass sie mich nicht mehr mochten.
„Jule dachte anfangs einfach, du wärst eifersüchtig, wenn sie mit Lisa etwas unternimmt, darum hat sie dir nichts erzählt. Aber mit der Zeit fand sie Lisa dann wirklich besser als dich. Ich habe mir eingeredet, dass das nur so ist, weil sie dich schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte, und wenn sie dich wiedersieht, vergisst sie Lisa. Aber eigentlich wusste ich, dass es nicht so war. Als Jule uns dann gestern in der Pause erzählt hat, dass du total ausgerastet bist, als du von Lisa erfahren hast, hat sie sich total darüber lustig gemacht. Sie hat auch gesagt, sie ist froh, dass du uns schon von selbst verlassen hast und sie nicht noch mehr mit dir reden musste, um dich rauszuschmeißen. Das fand ich total gemein von ihr, und dann hab ich ihr meine Meinung gegeigt und bin zu dir und Alaska gegangen.“, erzählte Tine.
„Aber was ist denn mit Martha? Du hast dich immer so gut mit ihr verstanden, und jetzt gibst du sie auf?“, fragte ich.
Tine seufzte und erklärte: „Martha hat zusammen mit Jule total über dich abgelästert. Auch wenn ich sie so gern mochte, ich möchte nicht mit jemandem befreundet sein, der seine Freunde so hintergeht.“
„Das muss hart für dich sein, aber es ist total auch total nett von ihr“, lobte ich Tine.
Wir verabschiedeten uns dann voneinander und ich legte auf. Da fragte ich mich, was Lisa eigentlich während der Pause gestern gemacht hatte. Tine hatte nur davon erzählt, dass Martha und Jule sich über mich lustig gemacht hatten. Aber bestimmt hatte sie nur vergessen zu erzählen, dass Lisa auch mitgemacht hatte. Das war wahrscheinlich, denn gestern in der Pause hatte ich sie auch kichern sehen. Andererseits hatte da auch Tine noch gelacht, und sie hatte mich schließlich verteidigt.

Die Einladung

Am nächsten Tag hatte Alaska wieder Cupcakes dabei, diesmal zum Glück drei. Sie waren aus hellem Teig, auf dem sich oben weiße Creme auftürmte, in der wiederum eine Blaubeere steckte.
„Das sind wohl Blaubeercupcakes?“, fragte ich, und sie nickte.
„Aber das ist nicht das einzigste“, meinte Alaska und zog dann zwei weiße Umschläge aus ihrer Mappe hervor. Auf einem stand Tines, auf dem anderen mein Name. Tine und ich schnappten uns daher jeweils den Umschlag, auf dem unser Name stand. Ich öffnete meinen und zog ein kleines rosafarbenes Blatt Papier heraus, auf dem in Schönschrift stand:

Einladung zu Alaskas Geburtstag
Am Samstag, dem 25.9. habe ich Geburtstag und feiere. Du bist herzlich eingeladen!
Wir feiern bei mir zuhause von 15:00- 20:00 Uhr, mehr wird noch nicht verraten.
Bitte sag mir rechtzeitig Bescheid, ob du kommen kannst.
Deine Alaska

Ich blickte kurz auf Tines Blatt hinüber und sah, dass sie natürlich auch eingeladen war. Außerdem stand auf ihrer Einladung noch Alaskas Adresse, weil Tine diese wohl noch nicht kannte.
„Cool, danke!“, freute ich mich, „Kommt noch jemand aus deiner alten Schule zu deiner Feier?“
Alaska blickte zu Boden, schüttelte den Kopf und wirkte auf einmal ziemlich betrübt. Auch Tine schien das zu bemerken, denn sie bedankte sich rasch und redete dann von einer neuen Eisdiele, die es erst seit kurzem gab, vermutlich, um Alaska abzulenken.

Ich lief mit Alaska zusammen nach Hause, als sie plötzlich schüchtern sagte: „Du wolltest mir noch erzählen, warum Tine sich vorgestern bei dir entschuldigt hat.“
Natürlich hatte ich zu Alaska gesagt, dass ich ihr das erzählen würde, aber ich hatte doch „irgendwann mal“ hinzugefügt! Trotzdem wollte ich sie nicht länger warten lassen, darum erklärte ich: „Ich war mit Tine, Jule und Martha bis vor kurzem in einer Clique. Ach so, Jule und Martha sind zwei andere Mädchen aus unserer Klasse, falls du sie nicht schon kennst. Also, wir waren ein Clique. Aber in den Sommerferien haben sie sich dann mit Lisa, einem anderen Mädchen getroffen, dass meinen Platz eingenommen hat. Das habe ich aber erst vorgestern erfahren, und jetzt bin ich raus da. Nur Tine tat das leid, darum ist sie dann auch zu uns gekommen.“
Ich seufzte. Alaska sah mich mitleidig an und verriet mir dann: „Ich... also, in meiner alten Klasse wurde ich auch nicht so gemocht.“
Nun lächelte ich ihr aufmunternd zu. Gerade hatte Alaska mir etwas Privates über sich erzählt, und ich hatte ihr von der Clique berichtet. Das war zwar nicht unbedingt privat, aber nicht so belanglos wie ein neuer Song, über den ich mit Jule, Martha und Tine gequatscht hatte. Aber auch Tine hatte mir gestern wichtigere Dinge erzählt. Ob ich jetzt mit den beiden befreundet war?

 

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Eure Kommentare

Toooooooolllllllllllllllllll! Ich habe auch riesig Lust weiter zu lesen 📖. Du kannst echt so toll Geschichten schreiben! Ich würde dir eine 1***** geben. Du hast ein echtes schreib- Talent.👍👍👍🙂👏🍀
Es ist so realitätsnahe. Einfach spitze.
echt cool!
Ich hab soooo Lust weiter zu lesen  
Meinst du damit, dass es dir nicht so gut gefällt? Keine Sorge, es geht auf jeden Fall bald weiter
Profilbild von Gast
nichts besonderes, aber gib mir mehr davon