Eure Geschichten

Cup­ca­kes von Alas­ka, Teil 6

Kokoscupcakes

Erinnerungen

„Ahhh!“, kreischte ich, als ich die riesige Wasserrutsche des Freibads hinuntersauste. Als ich ins Wasser am Ende der Rutsche platschte, applaudierten mir Jule, Martha und Tine kichernd.
„Krass!“, lobte mich Jule.
Im Freibad gab es zwei Wasserrutschen: Eine sehr breite und eine sehr große mit vielen Kurven. Bisher waren wir vier nur die breite Wasserrutsche hinuntergerutscht, angeblich, weil wir dort zu viert nebeneinander rutschen konnten. Aber ich war mir sicher, dass es den anderen genauso ging wie mir: Wir fanden die riesige Rutsche einfach angsteinflößend, denn sie hatte so viele Kurven und war total hoch. Heute allerdings hatte ich mich bereiterklärt, dass ich auch einmal die große Rutsche benutzen würde. Das kam so:
Wir vier wollten gerade zu der breiten Rutsche gehen, als Martha von dem Hund, den sie zu ihrem Geburtstag vor ein paar Tagen bekommen hatte, erzählte.
„Jack ist einfach so süß! Er hat ganz weiches Fell und superknuffige Knopfaugen, mit denen er immer ganz lieb guckt. Ich kann ihm dann gar nicht böse sein, wenn er irgendwas anstellt und mich dann so anguckt...“
Sie quatschte die ganze Zeit davon, als wir zur Rutsche liefen. Irgendwann war ich total genervt deswegen und wollte einfach nur noch, dass sie aufhörte. Sie stand die ganze Zeit im Mittelpunkt, total ätzend! Also unterbrach ich sie: „Jaaa, voll niedlich. Genauso niedlich wie diese Babyrutsche hier, was?“, ich deutete auf die breite Rutsche, „Jetzt mal ehrlich, die ist doch nur was für Angsthasen. Warum probieren wir nicht mal die Riesige aus?“
Tine und Martha blickten etwas erschrocken, als ich das vorschlug. Nur Jule blieb cool und antwortete: „Willst du sie nicht mal ausprobieren, bevor wir alle rutschen, Janna? Vielleicht ist sie gar nicht so cool, wie sie aussieht, und dann würden wir umsonst rutschen.“
Ich war mir sicher, dass sie genauso viel Angst vor der Rutsche hatte wie Tine und Martha, es sich jedoch nicht anmerken ließ. Leider fürchtete ich mich davor genauso davor wie die anderen Drei, aber das konnte ich natürlich nicht zugeben.
Also antwortete ich lässig: „Klar kann ich das machen.“
Und dann ging ich allein zu der großen Rutsche, während Jule, Martha und Tine sich an deren Ende setzten, um mir zuzusehen.
Mir war ziemlich mulmig zumute, als ich oben bei der Wasserrutsche stand und mich hinsetzte, um loszurutschen. Doch ich versuchte einfach nur daran zu denken, dass es bestimmt Spaß machen würde, stieß mich ab und sauste hinab.
Das erste Stück der Rutsche war ziemlich cool. Es ging steil hinab und war gleichzeitig erschreckend und spaßig. Der Rest war leider nicht mehr so toll: Als ich durch die Kurven glitt, stieß ich mich ständig am Rand der Rutsche. Nur zum Schluss war es noch einmal ziemlich steil, was bei mir für Nervenkitzel sorgte und mich sogar „Ahhh!“ schreien ließ.
Tja, und nun war ich unten und saß schon wieder bei meiner Clique. Die drei bewunderten mich, und ich muss zugeben, dass mir das sehr gefiel.
„Also, sollen wir auch rutschen?“, fragte Tine schließlich mit ängstlichem Unterton.
Ich hätte sie gern auf die Rutsche geschickt, damit sie auch ein bisschen Angst hatten. Aber dann hätte ich bestimmt auch noch einmal rutschen müssen und das wollte ich nicht. Denn auch wenn es Spaß gemacht hatte, fürchtete ich mich immer noch ein bisschen.
„Nö, es war gar nicht so cool“, antwortete ich darum Tine.
„Echt? Zum Schluss hast du aber ganz schön gekreischt.“, meinte Martha spitz.
Zum Glück hatte ich für diese Frage eine gute Antwort parat: „Ja, weil es da Spaß gemacht hat. Aber in den Kurven wird man die ganze Zeit gegen die Ränder der Rutsche geschleuderte, und dass ist nicht gerade lustig.“
„Ach, okay“, meinte Jule nun und klang fast etwas erleichtert.
Und so saßen wir einfach weiterhin auf dem Boden und standen dann auf, um gemeinsam zur breiten Rutsche zu gehen.

Ich dachte mal wieder an meine Zeit mit der Clique. Das Treffen im Freibad war das letzte Mal gewesen, dass sie mit mir etwas unternommen hatten. Ich fragte mich natürlich, ob Jule und Martha nun mit Lisa baden gingen. Aber an etwas anderes dachte ich noch viel mehr: Ich hatte Martha unterbrochen, als sie von ihrem Hund Jack erzählt hatte, wahrscheinlich, weil ich wieder im Mittelpunkt stehen wollte. Erst dadurch hatte ich mir den ganzen Quatsch mit der riesigen Rutsche eingehandelt. Und eigentlich hatte mein ganzes Suchen nach Aufmerksamkeit noch für etwas viel Schlimmeres gesorgt: Ich gehörte nicht mehr zur Clique. Ich war mir jetzt ziemlich sicher, dass Jule und Martha genug von meinen ständigen Unterbrechungen hatten, wenn ich im Mittelpunkt stehen wollte. Deshalb hatten sie mich durch Lisa ersetzt. Nur Tine hatte Mitleid mit mir gehabt und mich trotzdem gemocht.
Andererseits hatte ich mich dadurch, dass ich nicht mehr zur Clique gehörte, mit Alaska angefreundet. Ich hatte mir zwar schon gewünscht, dass wir Freundinnen werden würden, als ich sie kennengelernt hatte. Aber wenn ich jetzt so darüber nachdachte, glaubte ich eher nicht, dass ich mit ihr und der Clique hätte abhängen sein können. Alaska war einfach kein Mädchen, dass zu Jule und Martha gepasst hätte. Aber vielleicht war ich das auch nicht.

Partnerlook

Heute war Montag, und ich verließ gerade die Wohnung, um zur Schule zu gehen. Alaska wartete schon vor meiner Tür auf mich. Ich ging jetzt immer etwas früher los als Bruno, damit ich zusammen mit Alaska zur Schule gehen konnte. Hoffentlich störte das Bruno nicht, er sagte jedenfalls nichts dazu, dass ich jetzt immer schon früher als er losging.
Als ich zu Alaska sah, bemerkte ich, dass sie das Kolibri-Shirt trug, dass sie zum Geburtstag bekommen hatte.
„Warte mal kurz“, sagte ich zu ihr, „ich gehe schnell nochmal rein und ziehe mir auch das Kolibri-Shirt an, dann können wir im Partnerlook zur Schule gehen!“
Alaska grinste erfreut, während ich rasch wieder in die Wohnung ging und mich umzog. Als ich wieder herauskam, sahen wir lächelnd auf das Shirt des jeweils anderen.
„Cool“, fand Alaska, und ich stimmte ihr zu.
Auf dem Schulweg fragte Alaska plötzlich unvermittelt: „Hast du Tine das erzählt?“
Ich wusste sofort, dass sie das Mobbing an ihrer alten Schule meinte.
„Ja, so ein bisschen. Ich dachte, dass hättest du ihr auch erzählt. Hast du aber nicht, oder?“, antwortete ich.
„Nein, hab ich eben nicht. Sie hat mich gestern angerufen und danach gefragt“, seufzte Alaska.
„Und was hast du gesagt?“
„Dass ich nicht so gern darüber sprechen will. Sie hat dann nur gemeint, oh, okay, na dann tschüss. Und dann hat sie aufgelegt. Meinst du, sie ist sauer?“
„Mh, ein bisschen vielleicht. Aber warum hast du es ihr eigentlich nicht gesagt?“
Alaska sah zu Boden. „Ich wollte es halt nur dir erzählen.“
Ich nickte und versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass ich mich insgeheim darüber freute. Wenn Alaska es nur mir erzählt hatte, bedeutete dass nämlich, dass sie mich lieber mochte als Tine. Ich versuchte aber, diese Gedanken zu verdrängen, schließlich waren sie ziemlich gemein. Und wenn ich mich darüber freute, dass Alaska mich lieber mochte... war das nicht wieder ein Beweis dafür, dass ich immer im Mittelpunkt stehen wollte?
„Was guckst du denn so traurig?“, fragte Alaska plötzlich verwirrt.
Tja, dann hatte ich meine Freude darüber, was sie gesagt hatte, wohl gut verbergen können.
Ich antwortete: „Waaas, ich gucke traurig? Das sieht nur so aus, ich bin nicht traurig, mach dir keine Sorgen." Sie nickte, schien aber nicht ganz überzeugt zu sein.

Der Streit

Und dann waren wir auch schon angekommen und betraten die Schule.
Wie üblich setzten wir uns nebeneinander. Als wir zu unserem Tisch liefen, wurden Alaska ein paar fiese Sprüche zugezischt, doch sie blieb tapfer.
„Hey“, begrüßt uns plötzlich jemand.
Es war Tine, die vor unserem Tisch stand.
„Oh, hi, Tine“, ich lächelte sie an.
Tine wirkte etwas bedrückt, als wäre sie traurig oder wütend. Aber sie sagte nichts, sondern hob nur leicht die Mundwinkel und ging dann zu ihrem Platz zurück.
Dachte Tine vielleicht auch, dass Alaska mich lieber mochte?

In der Pause setzten wir uns zu dritt auf eine Bank und ich bemerkte, dass Jule, Martha und Lisa in unserer Nähe herumlungerten. Ich sah aber auch, dass Alaska mal wieder Cupcakes dabei hatte. Diesmal waren sie mit weißen Stücken bestreut- das waren bestimmt Kokos-Streusel.
„Das sind Kokoscupcakes“, erklärte Alaska.
Ja! Ich hatte richtig geraten. Zwei der drei Cupcakes waren aus Schoko-Teig, einer aus hellem. Alaska reichte Tine den hellen, ich bekam einen aus Schoko-Teig.
Tine sagte etwas gepresst: „Oh, ihr beide kriegt also die Cupcakes aus dem gleichen Teig?“
„Äh, ja“, antwortete Alaska.
„Und das gleiche T-Shirt tragt ihr auch“, fügte Tine hinzu.
„Ja, war Zufall“, erwiderte ich, was natürlich ein bisschen gelogen war.
Tine zog die Augenbrauen zusammen und meinte: „Tja, ihr beiden mögt es wohl sehr gern, gleiche Dinge zu haben...“
Ich setzte zu einer Antwort an, als Tine auf einmal aufsprang und sich vor die Bank stellte, sodass sie Alaska und mir uns Gesicht sehen konnte. Dann schrie sie plötzlich: „Ach, macht mir doch nichts vor! Ich merke doch, dass ihr mich gar nicht dabei haben wollt!“
Ein paar Schüler sahen nun zu uns und ich bemerkte erschrocken, dass die Clique auf uns zukam.
Tine schien sehr wütend zu sein, als sie weitersprach: „Gebt es doch zu, ihr mögt mich nicht! Das merke ich ganz deutlich!“
„Tine...“, versuchte ich sie zu beruhigen, doch sie redete einfach weiter.
„Sei einfach still! Wenn ihr mich nicht mögt... gut, dann mag ich euch auch nicht!“
Nun wurde ich auch etwas sauer: „Boah, du hörst dich an wie ein Kindergartenkind!“
Sie wurde nun noch lauter und fauchte mich und Alaska an: „Und ihr? Ihr benehmt euch wie zwei total fiese Mädchen! Und wisst ihr was? Ihr seid auch welche!“
„Tine, wir...“, doch auch von Alaska ließ Tine sich nicht beruhigen.
Sie warf uns eine Beleidigung an den Kopf, dann wandte sie sich um und lief- zur Clique. Jule klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter. Na toll, nun hatten Alaska und ich Tine verloren, denn sie gehörte jetzt bestimmt wieder zur Clique. Und wir waren auch noch selbst daran schuld, schließlich hatten wir sie in letzter Zeit wirklich immer ein bisschen ausgeschlossen...
Als Tine mit der Clique davon ging, drehte sie sich noch einmal um und schrie: „Ihr beide benehmt euch, als ob ihr aufeinander steht!“
Nun wurde Alaska laut: „So ein Quatsch! Ich liebe sie doch nicht!“
Aus irgendeinem Grund versetzte mir das einen kleinen Stich.

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Eure Kommentare

Profilbild von Gast
whoa ich bin so gespannt wie es weiter geht gibt es eigentlich noch einen 7. teil?