Eure Geschichten

How to be a Star (2)

Ich nehme zwar ab jetzt immer eine Literflasche Cola mit und trinke morgens ein oder zwei Kaffees, doch ich habe das Gefühl, es hilft einfach nicht. In der Schule muss ich mich gehörig ran halten, denn Französisch und Mathe habe ich beim Freilernen immer ein wenig... sagen wir umrundet. Außerdem sieht mich dieses Mädchen mit den Rattenzöpfen immer sehr seltsam an.

Gestern in der Pause kam sie zu mir. „Und, du kennst also Jack Taylor.“ „Mmhmm“ sage ich zwischen zwei Bissen. „Und wie ist er so?“ „Weiß nich...“ „So wie du, nicht war?“ die Frage war eher eine Feststellung. „Äh. Kann sein.“  „Und zufällig spielst du auch Klavier wie er, kannst auch gut Singen wie er und hast auch zufällig das gleiche sichelförmige Muttermal am rechten Arm?“ „Woher weißt du, das ich... das wir die gleichen Leberflecken haben?“ „Wenn Jack Taylor an das Mikrofon fasst, dann sieht man das sehr gut. Ich hab es zufällig im Fernsehen bei einer Großaufnahme gesehen.“.

Das cleverste, was mir dazu einfällt, ist ein intelligentes „Aaaaaahhh, Mist!“ „Und glaub mir, John, oder soll ich Jack sagen?! Ich glaube nicht an Zufälle.“ dann dreht sie sich auf dem Absatz um und verschwindet.

Jetzt ist Freitag, ich sitze auf dem Beifahrersitz neben Jim und unterhalte mich mit ihm. „Warst du vor kurzem im Kino? Da lief doch dieser Film über die Gangsterbande“ fragt er mich. „Ja, hab ich gesehen. Ich liebe diese Frisur, damit kann man überall hin, ohne Fans oder Paparazzi.“ „Wie hat dir die Hauptfigur gefallen? Ich fand, in Gefahrensituationen war sie etwas Fad.“ Jim lacht „Ja, aber der Stuntman hat es ausgeglichen. Erinnerst du dich an die Szene mit dem Motorrad? Das ging ab. Ich fand es aber schon bisschen zu viel, als es dann am Ende Feuer gefangen hat “  „Ja, aber der Bodyguard von dem Millionär war total langsam. Einfach nur eine Brille anhaben und grimmig gucken, das geht nicht!“ sagt Jim kopfschüttelnd. „Ja, du weißt es ja am besten“ ich sehe ihn belustigt an. Er guckt mich durch seine Sonnenbrille mit einem versteinerter ich-bin-ein-ganz-gefährlicher-Leibwächter-Blick an, und prustet kurz darauf los.

Als wir in die Schule einbiegen, ist dort ein Durcheinander. Fast die ganze Schule, ein paar Passanten, einige Fotografen und Reporter stehen da und glotzen Jims alten Fiat an. „Was ist denn mit denen los? Hat sich hier irgendwo der Amerikanische Präsident verlaufen?“ scherze ich. Doch Jim findet das gar nicht witzig. „Nein. Aber du“ „Was..ich?“ Oh verdammt! Das Mädchen mit den Rattenzöpfen hat mich verrpfiffen!

Jim sieht sich gehetzt um, macht eine quietschende 180° Drehung und braust in einem Affenzahn in die entgegengesetzte Richtung. Ich sehe durch den Seitenspiegel. „Das Motorrad verfolgt uns!“ Jim tritt das Gaspedal durch und der kleine Wagen braust auf. „Hast du den irgendwie getunt?“ schreie ich gegen den Lärm an. „Nichts geht über einen guten V12 Motor!“ Jim legt sich in die Kurve. „Zieh deine Kapuze an, dann gibt es für die Star-Spekulation immerhin keine konkreten Beweise, das du in dem Aufzug in der Schule warst.“ er schlittert über eine rote Ampel. „Das sich die Pressefritzen aber auch überall einmischen müssen.“ Ich zeige unserem Verfolger den Mittelfinger. „Lass das“ Jim stößt meine Hand wieder nach unten. „Der filmt!“

Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte, heißt es immer; an der Schranke vor dem Bahnübergang steht lässig einer der Paparazzi und schießt die Skandalbilder seines Lebens: Jack Taylor MIT verkehrsregelnbrechendem Bodyguard, MIT wütendem Gesichtsausdruck, MIT Tarnklamotten UND schwarz gefärbten Haaren. Wenn der das an die Klatschmagazine verkauft, wird er sich eine Villa mit Pool kaufen können. Und ich mir eine Standpauke bei Tom. Und glaub mir, die willst du nicht erleben. Es beginnt zu regnen, was uns wenigstens einen kleinen Vorteil verschafft; man kann mich nicht ordentlich fotografieren. Als die Schranke endlich hochfährt, hat uns schon die halbe Welt eingeholt. Sie stehen vor dem Auto, hinter dem Auto, ÜBERALL! „Was machen wir jetzt?“ ich komme mir plötzlich nicht mehr wie der große Weltstar vor. Eher wie der kleine Jack, der mit 13 Jahren noch nicht die gesamte 7er Reihe kann. Ich weiß, ich habe mich eben ein bisschen vor Mathe gedrückt. Durch die Verregneten Fensterscheiben leuchtet ein wahres Blitzlichtgewitter. Irgendjemand kommt auf die Naheliegende Idee, die Scheibe mit dem Ärmel abzuwischen. Doch jetzt reißt Jim der Geduldsfaden. Er hupt zweimal zur Warnung, dann fährt er los. Die Paparazzi müssen sich erst von dem Schreck erholen, und Jim fährt gehetzt durch die verregneten Gassen und parkt den Fiat neben tausenden anderen Fiats am Parkplatz. „Und jetzt?“ Jim schweigt. „Hmm?“ „Sei still, ich überlege!“ er sieht sich um. „Ins Museum.“ „Aber..“ „Keine Widerrede!“ Er zieht mich einfach mit.

Das Museum ist gut. Die Leute sind still, sie sind hier, weil sie die Kunstwerke ansehen wollen, mich erkennt niemand. „Aber warum ins Kunstmuseum?“ frage ich mit gedämpfter Stimme. Jim zeigt stumm auf ein Schild am Eingang: Fotografieren Verboten!  „Außerdem wollte ich hier schon länger mal rein“ er geht interessiert zu einem Bild auf dem Seerosen gezeigt sind. „Sieh dir das an!“ schwärmt er, als ob da draußen nicht eine Meute Paparazzi warten würden „das ist echte Kunst!“ er zeigt auf ein anderes Bild - auch Seerosen - „Und hier, diese Farben, wusstest du, dass das in dem Garten der Künstlers war? Er hatte  einen Gärtner, nur für den Seerosenteich und pflanzte sehr exotische und ungewöhnliche Blumen, deren Farben er kombinierte “ er zieht mich weiter „Hier, ein ganz berühmtes Bild.“ es zeigt einen Weg in einem Garten, der mit sehr, sehr vielen, sehr, sehr bunten Blumen bestückt ist. „Sieh nur, das Bild ist so Symmetrisch, und trotzdem nicht Langweilig! Ist dir schon die Art aufgefallen, wie der Künstler das malte? Unglaublich viele kleine Striche. Und diese Farben... Er war wirklich ein großer Künstler.“ Und ich habe echt den geschwätzigsten, ulkigsten Leibwächter auf Erden.

„Und nun, wie kommen wir hier wieder raus?“ überrascht sieht mich Jim an „Hier raus? Du willst da ernsthaft wieder raus?“ „Na ja – früher oder später müssen wir hier raus, und du kennst die Paparazzi ja – die lassen nicht locker.“ „Okay“ er tippt etwas in sein Handy. „Limousine mit getönten Scheiben kommt in zwanzig Minuten!“ Limousine. Manchmal macht es echt Spaß, reich und berühmt zu sein. „Ist die auch schusssicher?“ frage ich und lache „Ja, sicher doch, Mister President!“  er rückt seine Secret-Service-Sonnenbrille zurecht.

Genau zwanzig Minuten später kommt die Limousine. Der Fahrer sieht auf einen Zettel „Jim Tischler, Jack...“ der Mann stutzt kurz „...Jack Taylor. Bitte einsteigen“  ich pfeffere mich auf den Rücksitz und der Kerl fährt an. Jim sitzt auf dem Beifahrersitz und sieht sich die ersten Bilder an, die im Netz sind. „Ha, sieh dir das an, du siehst aus als ob du einen Frosch verschluckt hättest!“ ich sehe mir den Schnappschuss an„Ja, du bist auch nicht viel besser; du machst ein Gesicht, als ob wir auf der Rennbahn, und nicht auf einer Einbahnstraße gewesen wären!“ .Verstohlen linst der Fahrer auf das Bild. „Entschuldigen sie mich, aber ist es nicht verboten, andere Leute zu fotografieren, wenn diese es nicht wollen?“ „Ne, rechtlich spricht da nichts dagegen, nicht bei Prominenten.“ Jim nickt zustimmend. „Aber das geht doch nicht!“ der Fahrer ist nun richtiggehend empört „So kann man doch keine Leute behandeln! Egal wie berühmt, ihr seid doch alle auch nur Menschen!“

Daraus könnte man doch einen Song machen: Wir sind alle auch nur Menschen, hatten auch mal Windeln an, wir waren alle mal ein Kleinkind, das einen Schnuller im Mund bekam....., ja wir sind alle auch nur Menschen, von Grund aus sind wir alle gleich, wir haben Arme, Beine, Augen, ob arm, oder ob reich...  

„Jackie?“ ich schrecke hoch. „Hm?“ „Wir sind da“ Jim hält die Tür auf, damit ich es sehen kann. „Keine Paparazzi“ „Juchu! Sie sind weg!“ „Die sind vor dem Tor. Auf rein ins Haus, du hast Besuch“ Hä? „Von wem?“ „Tom“ Jim verdreht die Augen.

Fortsetzung folgt....

Deine Meinung

  • Ist super
    10
  • Ist lustig
    10
  • Ist okay
    10
  • Lässt mich staunen
    10
  • Macht mich traurig
    11
  • Macht mich wütend
    9

Eure Kommentare

Haha. Ja, ich sollte auch mal wieder eine Fortsetzung schreiben.

sehr interessant und hilfreich für angehende junge stars :-)