Eure Geschichten

Se­cret-Der ma­gi­sche Fuchs

Secrets Rettung

Der Schnee fiel langsam und leise auf die Landschaft. Auch auf den Hügel, auf dem der Fuchs schlief. Es war tiefste Nacht und die Sterne schauten wie immer auf den Fuchs, der da auf dem Hügel lag. Er war einsam. Sein Vater verschwand spurlos und seine Mutter –sie kam bei einem entsetzlichen Schneesturm vor fünf Tagen um. Und dieser Fuchs war noch ein hilfloses Fuchskind. Auf einmal wachte er auf. Es war doch so kalt. Er beschloss, seinen Bau zu suchen. „Wieso bin ich eigentlich mit Mama rausgegangen?“, fragte er sich. „Und wie hat Mutti mich genannt?“ Er konnte sich nicht erinnern. Doch jetzt fiel es ihm ein. „Secret! Mama nannte mich Secret! Sie hat gesagt, ich wär ein Geheimnis!“ Das alles rief er in die Nacht hinein. Plötzlich stand er vor seinem Bau. Der Geruch seiner Mutter hing noch in der Luft. Ein Gefühl von Wehmut überkam ihn. Wie sollte er den Winter überstehen? Seine Mama, Felina, sorgte immer für sein Futter. Jetzt musste er sich selbst sein Futter suchen. Erschöpft stolperte er in den warmen Bau und schlief ein.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als Neymia aus ihrem Bau kam, um für sich Futter zu suchen. Ihre einzigen Kinder, die Neymia hätte, zwei wunderschöne Füchsinnen, starben, als sie grad mal eine Woche alt waren. Ihr Gefährte verließ sie dann. Ihre wachsamen Augen durchsuchten den Wald. Sie kannte den Wald, seine Schönheit, aber auch seine Tücke. Plötzlich hörte sie ein Winseln, das aus einem Bau zu kommen schien. Sie blieb stehen. Da! Da war das Winseln schon wieder! Neymia folgte dem Geräusch und kroch in einen Bau. Was sie dort sah, ging ihr tief in die Seele. Dort lag, zitternd und fiepend, ein kleines Fuchskind! Dann erinnerte sie sich. Das war ja der Sohn von Felina, die vor sechs Tagen umkam. Der arme war ja allein! Wie hieß er bloß nochmal? Jetzt fiel es ihr ein. Er hieß Secret! Neymia leckte ihm über das steife Fell, das mit Eis bedeckt war. Secret schaute hoch. „Mama?“, fragte er. „Nein“, antwortete Neymia, „aber ich kann deine zweite Mama werden. Willst du das?“ „Ja“, antwortete Secret. Darauf nahm Neymia ihn am Nacken und trug ihn in ihren Bau. Secret fühlte sich wohl bei seiner neuen Mutter. „Zweite Mama“, hatte Neymia gesagt. Er tollte viel herum. Wenn er müde wurde, legte er sich einfach neben Neymia, die ihn dann zärtlich leckte.

Neymia wusste aber eins, was Secret später noch erfahren sollte: Er würde in Zukunft alle Füchse der Welt zu einer besseren Heimat als hier führen. Sie, Neymia, war in den Plan eingeweiht, denn sie war mit Maginus, dem magischen Fuchs, befreundet. Eines Nachts erschien ihr Maginus im Traum:

Hallo Neymia, ich bin´s, Maginus.
Maginus?  Hast du mir was zu berichten?
Ja. Es ist wegen Secret.
Ich weiß seine Aufgabe, Maginus.
Du solltest ihn dabei unterstützen, Neymia. Keiner außer er und du wissen es!
Ja, Maginus. Bin ich denn eine gute Mutter für Secret?
Doch Maginus antwortete nicht mehr. Ja, war sie denn eine gute Mutter für ihn? Mit dieser Frage schlief sie ein.

Es verging eine Zeit. Secret wurde zusehends größer und stärker. Einmal, als er ein Rebhuhn fand, erbeutete er dies. Neymia freute sich über seine Fortschritte. Nach dem langen Winter kam endlich der so lang ersehnte Frühling. Die Bäume bekamen rasch ihre smaragdgrüne Farbe wieder und täglich gab es Veränderungen in der Natur zu sehen. Secret freute sich an der wiedererwachenden Natur. Er und Neymia fanden jetzt wesentlich mehr Futter als im Winter.

Der schöne Ausflug

Am nächsten Tag weckte Neymia Secret, der tief und fest schlief.  „Secret! Wach auf!“ „Was ist denn?“ Neymia antwortete: „Wir müssen früh los! Wir wollen einen kleinen Ausflug unternehmen!“ Sofort war er hellwach. Ein Ausflug stand ganz nach seinem Sinne! Sie suchten sich noch schnell eine Wühlmaus für jeden und ein Rebhuhn zusammen als Frühstück und dann ging es auch schon los. „So, da wären wir“, sagte Neymia, als sie an einem Felsen ankamen. Begeistert rief Secret aus: „Das ist ja der Felsen, auf dem ich schlief, als ich ganz einsam war! Danach fand ich unseren Bau!“ Neymia wusste es natürlich vom Maginus. Der arme hatte ja viel durchgemacht! Secret rannte vor, bis an das Ende des Felsens. Plötzlich stutzte er. Da stand ja ein Tier! Es sah aus wie von einer anderen Art. Dieses Tier, das da unten stand, hatte einen langen Rumpf mit vier langen, staksigen Beinen. Und der Kopf! Er war länglich, die Nase, die sich da befinden musste, auch sehr groß. „Mami! Was ist das?“, rief Secret. Neymia lief zu ihm. „Das ist ein  Pferd“, sagte sie. Secret nickte. Er fand, dass der Name wunderbar passte. „Hübsch“, bemerkte er und Neymia nickte. Secret konnte den Blick einfach nicht von dem schönen Tier wenden, dass da unten auf dem flachen Boden stand. „Mama“, fragte er, „Wieso weißt du so viel?“ Langsam ging die Sonne unter und sie tauchte alles in ein zauberhaftes rotgoldenes Licht. Das Pferd stand noch immer auf dem Boden und genoss, wie Secret und Neymia, den wunderschönen Augenblick. Die Dämmerung brach langsam herein. „Komm, Secret“, sagte  Neymia und kletterte vom Felsen. Secret sah, dass das Pferd sich auch auf den Weg machte.
Zusammen kamen sie an dem Bau an, in dem Secret lebte und gefunden wurde. Der Geruch seiner Mutter war weg. Doch Secret ging nochmal in die gemütliche Höhle. „Mami, Mami!“, rief er und kam schnell heraus, mit einem glänzenden Stück im Maul. Das war ein kleiner Ring mit einem kostbaren Rubin eingefasst. Neymia sah sofort, dass er von Maginus war. „ Aber Mutti“, hauchte Secret. Er verstand nicht, woher dieser kostbare Ring kam. „Das ist echt ein Wunder“, sagte Neymia und lächelte versonnen. Schließlich verließen sie auch diesen Bau und kehrten nach einer ausgiebigen Mahlzeit in ihren Bau zurück. Secret wurde müde und sie legten sich zum Schlafen hin. Secret schlief sofort ein. So einen schönen und aufregenden Ausflug hatte er noch nie gemacht. Neymia sah noch einen funkelnden Stern und wusste die Antwort auf die Frage: Bin ich denn eine gute Mutter für Secret? Der Stern blitzte auf und glitzerte. „Du bist Secret, ein Geheimnis. Mein Geheimnis“, flüsterte sie in sein Ohr, das noch kurz aufzuckte. Dann schlief auch Neymia ein.

Ein aufregendes  Ereignis

„Secret?“, rief Neymia und trat aus ihrem Bau. Sie hatte Geburtstag. „Hier!“, rief Secret und brachte ein großes Stück Fleisch, wahrscheinlich von einem Rebhuhn oder von zwei, in den Bau. „Alles Gute zum Geburtstag“, wünschte er und sagte: „Das ist dein Geschenk“ Neymia freute sich und leckte ihm zärtlich über sein Fell, dass goldig-rot glänzte. Zusammen frühstückten sie und dann machten sie einen ausgiebigen Spaziergang. Plötzlich blieb Neymia stehen. „Was ist denn, Mama?“, fragte Secret, der fast auf sie aufgelaufen wäre. Neymia blickte  ungläubig auf einen Punkt, der sich bewegte. „Ein Luchs“, flüsterte sie nur. Secret verstand nicht, warum Neymia so einen  Respekt vor so einem kleinen Punkt, der sich in der Ferne bewegte, hatte. „Was ist denn so schlimm oder angsterregend daran? Was ist ein Luchs überhaupt?“, fragte Secret Neymia. Neymia antwortete: „Unsere Feinde“ Secret kannte das Wort. Es war kein schönes Wort. „Und was machen wir jetzt?“, fragte er. Neymia sagte: „Du, du läufst weg und ich stell mich dem Luchs.“ Secret verneinte dies entschieden: „Nein, Mutti. Ich bleibe bei dir.“ Neymia aber bestand darauf, dass Secret wegliefe. Schweren Herzens gehorchte Secret. Doch er ließ Neymia und besonders den feindlichen Luchs nicht aus den Augen. Hinter einem dichten Gestrüpp verborgen, beobachtete Secret seine zweite Mutter und den Luchs, der langsam auf Neymia zuschritt. Neymia sah, dass der Luchs plötzlich abdrehte und auf etwas anderes zuging, das jetzt wohl seine Aufmerksamkeit erregte. Sie atmete erleichtert auf. Das ging ja nochmal gut! Secret merkte, dass Neymia restlos erleichtert war. Er ging zu ihr und sie leckte ihm über sein Fell. Secret merkte, wie Neymia zu zittern begann. „Secret“, wisperte sie und sagte: „Du könntest  mich verlieren. Dieser Luchs war ein Männchen. Er hätte mich besiegt.“ „Nein, das glaube ich nicht. Du bist die stärkste Füchsin, die ich kenne!“, rief Secret aus. „Pscht“, machte Neymia, „Der Luchs könnte dich hören“
Doch nichts geschah.

Die beiden Füchse gingen in ihren gemütlichen Bau und fingen noch ein beträchtliches Abendessen. Sie feierten noch ein wenig zusammen und Neymia überlegte, ob sie Secret über die Dinge zu berichten. Maginus bestätigte es, Neymia spürte es. „Secret“, begann sie. Secret sah erwartungsvoll von seinem Fraß auf. „Ja?“, fragte er. „Secret, weißt du, ich bin mit dem magischen Fuchs Maginus befreundet. Und er offenbarte mir eines Tages, dass ein Fuchs namens Secret die Füchse dieser Heimat in eine bessere Heimat führen würde, in der es keine Feinde gibt. Allerdings werden die nächsten Zeiten schlimmer.“ Neymia schauerte bei dem Gedanken. „Und du bist dieser Fuchs, der diese große Aufgabe hat. Aber ganz allein bist du auch nicht.“ Secret hörte eine Stimme. Secret, ich bin´s, Maginus. „Mama!“, rief Secret entgeistert. „Mama. Maginus sprach grad mit mir!“ Neymia wusste es und fragte: „Hast du noch Fragen?“ Secret hatte keine Fragen, denn er wusste, dass Maginus ihm bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe helfen würde. Dann leckte Neymia ihn erneut und Secret sagte: „Aber ich habe Angst.“ „Das brauchst du nicht“, sagte Neymia und sie schliefen ein.

Die ersten tage in einer schule

Der nächste Tag wurde hektisch. Neymia weckte Secret früher als sonst. „Was soll das?“, fragte Secret, der verschlafen blinzelte. „Du musst los! Zur Fuchsschule!“ Secret verstand nicht, Neymia duldete jetzt keine Fragen, denn er musste sich beeilen, um nicht zu spät zu kommen. Neymia beschrieb ihm den Weg zur Schule und schickte ihn los. Verwirrt machte Secret sich auf den Weg. An der Schule, die  ein hohler, großer Baum war, begrüßte ihn eine etwas ältere Füchsin. „Du bist also neu hier“, sagte sie freundlich und wies Secret seinem Platz zu. Er merkte, wie alle anderen Fuchskinder ihn anstarrten und er fühlte sich unbehaglich. Die Füchsin stellte sich als Missi Scerbat vor. Secret fand sie sofort sehr sympathisch. In der ersten Stunde lernte Secret die verschiedenen Bäume des Waldes kennen und wie man sie unterscheidet. Die anderen Fuchskinder lernte Secret in einer Pause kennen. Da waren noch fünf andere Kinder in seiner Gruppe: Feele, Saymia, Nowaskolia, Seemt und Heerp. Secret mochte alle, außer Seemt. Er fand ständig einen Grund, mit den anderen Fuchskindern einen Streit anzufangen. Deshalb war er in den  Pausen auch meistens allein. In der nächsten Unterrichtsstunde fand Secret heraus, wo auf der riesigen Waldkarte sich das Reich, wo sie lebten, befand. Es hieß „Milto“. Die anderen Reiche, so sagte  Missi Scerbat, würden sie irgendwann später kennenlernen.
Secret war der letzte in diesem Jahr, also würden sie alle in einer Klasse bleiben. Sie waren die ältesten in dieser Schule, also müsste Missi Scerbat ihm mehr lehren als den anderen. Aber nächstes Jahr würden sie alle zu einer anderen Lehrerin geschickt werden. Das fand Secret ein wenig traurig.

Auf dem Heimweg plauderte er mit der Füchsin Feele. Sie hatte hübsche dunkle Augen und einen gewandten Körper. Sie waren Nachbarn, somit konnten sie zusammen zur Schule gehen und auch wieder zusammen zurück. Als Secret in seinem Bau ankam, fragte Neymia: „Na, wie war es in der Schule?“ Secret erwiderte: „ Ganz gut. Die meisten sind sehr nett.“ Er erzählte auch von dem seltsamen Seemt und von der netten Nachbarin. Neymia fand, dass sie bald die Nachbarn mal besuchen sollten. Secret stimmte begeistert zu und sie machten sich sofort auf den Weg. Als sie ankamen, lächelte Secret Feele zu. „Hallo!“, wurden sie von ihrer netten Mutter  begrüßt. Neymia und sie unterhielten sich und in der Zwischenzeit durchstreiften Secret und Feele den Wald. „Weißt du, es ist doof, wenn in der Nachbarschaft keine Kinder sind“, sagte Feele und fügte hinzu: „Aber jetzt bist du ja da“. Secret nickte und sagte: “Wusstest du…“ Aber er brach ab. Feele schaute ihn von der Seite an.
„Ist was?“, fragte sie. Secret schüttelte den Kopf. „Es ist alles okay. Ich hab nur was nicht so wichtiges im Kopf.“ Feele nickte nur verstehend und bemerkte: „Oh, wir müssen nach Hause, glaube ich.“ Secret nickte zustimmend, als er sah, wie tief die Sonne schon stand. Neymia erklärte ihm ja einmal, dass, wenn die Sonne hoch stand, es Mittagszeit war. Und wenn die Sonne tief stand und wie ein Feuerball aussah, dass es Abend war. Und wenn er aufwachte und die Sonne sah, dann war es Morgen. Neymia wunderte sich, dass Secret so schnell begriff, was sie ihm erklärte. Zusammen gingen Feele und Secret zu dem Bau von Feele und ihrer Mutter. Danach verabschiedeten sich beide Familien und auf dem Heimweg fragte Secret: „Wie kommt es, dass Feele auch nur eine Mutter und keinen Vater hat?“ Neymia überlegte einen Augenblick und sagte: „Ich weiß es nicht, Secret.“ Secret schwieg für eine Weile und dachte bei sich: Vielleicht werden wir es eines Tages ja erfahren.
Die nächsten Tage in der Schule verliefen ganz normal. An einem Tag sagte Missi Scerbat: „Wochenende!“ Alle Fuchskinder stürmten aus dem Klassenraum. „Was heißt denn `Wochenende´?“, fragte Secret Feele. Sie lachte und erklärte ihm, dass man dann für zwei Tage nicht zur Schule muss. Diese Tage nannten sich Samstog und Sonntog. Secret fand dies prima. So verging Secrets erste Woche an der Baumfuchsgrundschule.

Ein großes Geheimnis

Tage später, als Secret sich schon in der Schule eingelebt hatte, ließ er es sich nicht nehmen, hin und wieder mal Feele zu besuchen, deren Geheimnis mit ihrem Vater nicht bekannt war. Er wunderte sich. Sie war doch seine Freundin! Aber im Gegenzug dazu wusste sie ja auch nicht, was für eine Aufgabe er hatte. Oder doch? Neymia sagte ja, dass er nicht der einzige Fuchs mit dieser großen und verantwortungsvollen Aufgabe war. Vielleicht war Maginus ihr Vater! Aber das konnte sich Secret auch nicht vorstellen. Dazu sah sie zu normal aus. Eines Tages gingen Feele  und Secret wieder einmal zusammen zur Schule. Es war ein warmer sonniger Morgen und Feele freute sich: „Heute ist der letzte Tag vor den großen Ferien!“ Secret fragte: „Was sind denn die großen Ferien?“ Feele erklärte ihm auch, dass sie dann für sechs Wochen keine Schule hätten und nach diesen Wochen sollte ein neues Schuljahr beginnen, wo sie dann zu einer anderen Lehrerin mussten. Als die beiden in der Schule ankamen, stellten sie überrascht fest, dass die Schule festlich geschmückt war. „Heute, immer an dem letzten Tag des Schuljahres, findet ein Sommerfest statt, das wir alle lieben“, flüsterte Feele Secret zu. Secret bewunderte die liebevoll aus Ahornblättern gebastelten Stecker, die Missi Scerbat überall verteilt hatte. Die Schule, die ja nur aus einem Raum bestand, sah wirklich hübsch aus. Die kleinsten Schüler dieser Schule  freuten sich und bestaunten alles. Feele wisperte Secret zu: „Stell dir vor, ich werde heute ein Fuchsgedicht vortragen!“ „Muss ich auch was machen?“, fragte Secret flüsternd zurück. „Warum flüstern wir eigentlich?“, bemerkte Feele und beide lachten. Feele sagte: „Erzähl einfach etwas Besonderes oder schönes, was du erlebt hast.“ Secret überlegte kurz. Dann hatte er schon eine Idee, was er sagen sollte. Dann wurde es ganz still im Raum, alle Gespräche verstummten, denn Missi Scerbat, die von allen geliebte Lehrerin, betrat eine kleine Erhöhung, die als `Podest` bezeichnet wurde. Sie begann: „So, meine lieben Schüler, dieses Jahr haben wir hinter uns. Ich hoffe für euch, dass ihr sehr viel gelernt habt und auch über den Wald ein wenig Bescheid wisst, das betrifft vielleicht nicht die Kleinen, aber die Großen haben alle sehr gute Zeugnisse erhalten, und dieses freut mich sehr. Also, ihr solltet euch die Großen als Vorbild nehmen! Also, dann erklär ich mal den Tagesablauf für alle: Wir werden jetzt erstmal ein wenig feiern und anschließend folgt die Zeugnisausgabe, und die Großen werden auch noch ein kleines Programm vorbereitet haben und…“ „Nein!“, rief Seemt. Er blickte mürrisch. „Das ist doch alles für kleine Fuchskinder“, behauptete er. Missi Scerbat ließ sich nicht beirren, während die anderen Fuchskinder Seemt erschrocken ansahen. Missi Scerbat fuhr fort: „Also, die Großen werden dann ihr kleines Programm vortragen und schließlich gibt es ein Abendessen und es gibt noch etwas neues, was ich mir überlegt habe, nachdem Feele mir das vorschlug. Und das ist: Die Großen dürfen heute alle in der Schule übernachten! Wenn die jüngeren Füchse die Erlaubnis ihrer Eltern einholen, dürfen sie auch hier schlafen.“ Alle jubelten auf und Secret lächelte Feele an, als wäre sie das achte Weltwunder. So begann das schöne Sommerfest.

Als alle sich über eine köstliche Mahlzeit hermachten, fragte Secret Feele: „Fee, was ist eigentlich mit deinem Vater? Hast du einen?“ Feele  zuckte zusammen. „Ist dir nicht gut?“, fragte Secret besorgt. Feele sah ihn prüfend und genau an. Mit zitternder Stimme begann sie: „Secret, hast du schon je von dem magischen Fuchs Maginus gehört?“ Secret überlegte eine Weile. Sollte er es ihr wirklich sagen? Vielleicht gehörte sie ja zu denen, die wie er die Welt später retten! Woher wusste sie sonst von diesem magischen Fuchs? Schließlich sagte er: „Ja, ich kenne ihn. Mama…“ „Schon gut“, unterbrach Feele ihn, „Dann gehörst du auch zu den Füchsen, die die Welt retten werden“ Secret und Feele lächelten und freuten sich unbeschreiblich. Feele erläuterte ihm, dass diese Füchse alle keinen Vater haben und nur eine Stiefmutter. Secret verstand dieses Wort zwar nicht, aber es musste irgendwie die zweite Mutter sein. So feierten sie ausgelassen weiter.

Danach bestieg Missi Scerbat wieder das Podest und neben ihr lagen viele beschriebene Buchenblätter, die Zeugnisse, auf dem Boden. Es wurde nach und nach still im Raum und Missi Scerbat hielt wieder eine kurze Ansprache: „So, wie ich ja sagte, wird jetzt die Zeugnisausgabe stattfinden. Ihr habt alle sehr gut gelernt in diesem Schuljahr, und die meisten Zeugnisse sehen auch sehr gut aus. Aber ich sagte, die meisten. Es gibt auch ein paar Füchschen, die leider mit einem nicht so strahlenden Gesicht heimgehen können wie die anderen. Aber nun wollen wir ja nicht lange reden, sondern gleich beginnen. Ich bitte dabei um Ruhe!“ Sie fing an, Schüler auszurufen. „Ich bitte Melis aus der jüngsten Klasse nach vorn“, hieß es bei der ersten Schülerin, die ausgezeichnet wurde. Dann wechselte Missi Scerbat noch ein paar Worte mit ihr, das hieß, sie redete hauptsächlich und Melis nickte nur und kam dann mit einem strahlenden Gesicht wieder runter. So ähnlich ging es immer weiter, bis auf einen Fuchs aus der drittältesten Klasse, die Klasse, die nach dem Fortgehen von den Großen die ältesten werden. Er wurde ein bisschen gescholten, doch er ging auch nicht strahlend runter. Secret bekam Angst. Feele merkte es und legte ihm beruhigend die Pfote auf seinen Rücken. Endlich kamen die Großen dran! Secret trippelte aufgeregt von einer Pfote zur anderen und stolperte fast. Zuerst rief Missi Scerbat Saymia nach vorne. Sie bezeichnete sie als die gescheiteste Schülerin, die sie jemals gehabt hatte. Dann durfte Saymia den anderen persönlich noch was mitgeben. Sie stellte sich aufrecht hin und sagte: „ Ja, wenn ihr mich hier so seht, dann denkt ihr nur, dass ich eine schüchterne Intelligenzbestie bin. Doch das ist nicht das einzige, was in mir steckt. Und so ist es bei euch und ich sage: Holt das auch noch raus, was in euch steckt!“
Applaus begleitete sie, als sie die Stufen runterging. Danach kam Heerp dran. Auch er war sehr fleißig und ehrgeizig und im Erkennen der Bäume konnte ihm keiner was vormachen. Auch er sagte einige schöne Dinge, er sagte: „Lernt den Wald besser kennen und lernt, den Wald zu lieben!“ Auch er ging lächelnd herunter. Auch Nowaskolia, die hübscheste Füchsin der ganzen Schule, wurde aufgerufen. Sie bekam eine Auszeichnung als „hübschester und heller“ Kopf. Auch sie durfte ein wenig sagen und meinte: „Achtet nicht nur auf euer Äußeres, sondern auch auf die inneren Werte! Strengt euch auch in der Schule an.“ Dann wurde Seemt aufgerufen, der Stänkerbold der Schule. Er bekam auch eine kleine Standpauke, aber er durfte nichts sagen, weil Missi Scerbat bestimmt befürchtete, er mache wieder Unsinn. Seemt zuckte einfach gleichgültig die Schultern und ging von dem Podest. Endlich rief Missi Scerbat: „Feele!“ Feele wechselte mit Secret einen Blick und ging nach vorn. Man sah, wie sehr sie zitterte. Secret beobachtete beide, Missi Scerbat und Feele. Sie wurde als hilfsbereiteste, netteste und schlaue Füchsin bezeichnet. Dann bekam sie ihr Zeugnis und strahlte heller als die Sonne, als sie die Treppe runterkam. Dann kam die Stunde des Ernsts für Secret.
Als er aufgerufen wurde, flüsterte Feele ihm noch ein „Viel Glück!“, zu und schon war er auf dem Podest. Er merkte, wie glücklich Missi Scerbat ihn ansah. Sie sagte: „ Secret, ich hatte dich ja nicht lange in meinem Unterricht, aber diese kurzen Wochen mit dir waren wunderbar. Du bist ein sehr fleißiger, ehrgeiziger und vor allem der schnellste Schüler, der mir unter die Augen gekommen ist.“ Secret fühlte sich wie im Traum, als Missi Scerbat ihm sein Zeugnis gab. „Wunderbar“, sagte sie. Secret kam ebenfalls strahlend runter und freute sich gemeinsam mit Feele. Schließlich verkündete Missi Scerbat: „So, jetzt werden die erfolgreichen Großen ein kleines Programm vortragen!“
Feele war als erste dran mit ihrem Fuchsgedicht. Klar scholl es in dem hohlen Baum:

Ich bin ein Fuchs, ein schlaues Tier,

doch lange kann ich nicht lange bleiben hier,

denn ich muss fort, woanders lernen,

und hoffentlich nicht im Fernen.

Doch in meinen Erinnerungen bleiben sie,

Wie kann ich sie vergessen, wie?

Das geht doch nie und nimmer.

So sage ich „Auf Wiedersehn!“

Der Applaus erfüllte den ganzen Raum. Secret klatschte am lautesten in die Pfoten. Feele atmete tief durch, als sie bei ihm ankam. „So, ich glaube, jetzt bist du dran!“ Secret zögerte immer noch. Schließlich entschied er sich dafür, etwas zu singen. Er betrat das Podest und als er endlich oben stand, merkte er, wie jeder im Raum ihn anstarrte. Am liebsten wäre er wieder umgekehrt. Es verging eine gefühlte Ewigkeit und Missi Scerbat fragte: „Secret, was ist? Wir sind alle sehr gespannt!“ Secret setzte den ersten Ton an, aber es kam nicht mehr als ein heiseres Krächzen heraus. Er verzweifelte beinahe.

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Eure Kommentare

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ICH finde es nicht sooo Gut
sooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo cool
Ich mag deine Geschichte Es wäre cool, wenn du sie fortsetzt! LG Smiley-Life
Wenn ihr möchtet kann ich eine Fortsetzung machen...
Es war meine erste Geschichte die ich jemals geschrieben habe (mit 10) ich hoffe,sie gefällt euch