Natur und Mensch

Ge­bär­den­spra­che – Hörst du noch oder guckst du schon?

Wie wird man eigentlich Dolmetscherin für Gebärdensprache?

Anne: Normalerweise durch ein Studium. Es gibt auch eine staatliche Prüfung, bei der man kein Abitur braucht. Dafür muss man sich aber lange und vor allem selbstständig vorbereiten. Das kann sehr teuer sein. Deswegen würde ich jedem, der die Möglichkeit hat, ein Studium empfehlen.

 

Wenn jemand noch nicht Gebärdensprache spricht, wie lernt man sie dann?

Anne: Man kann Gebärdensprachkurse machen. Zum Beispiel an Volkshochschulen oder an Gebärdensprachschulen. Wie lange man dafür braucht, ist ganz unterschiedlich. Das ist wie, wenn man Englisch oder Französisch lernen möchte. Wenn man fleißig übt, kann man sich nach ein paar Monaten schon ein bisschen unterhalten.

 

Wo arbeitest du überall als Gebärdensprachdolmetscherin?

Anne: Ich dolmetsche gerne Weiterbildungen. Aber zum Beispiel arbeite ich auch bei Arztterminen, auf Konferenzen oder Ämtern.

 

Was machst du, wenn du mal ein Wort nicht weißt?

Anne: Zuerst buchstabiere ich das Wort, dann weiß mein Gegenüber schon einmal, worum es geht. Oft bekomme ich dann die richtige Gebärde gezeigt. Manchmal gibt es auch noch keine Gebärde. Aber wenn das Wort öfter benutzt wird, dann entwickelt sich auch irgendwann eine Gebärde unter den Gebärdensprachnutzern.

 

Kann man eigentlich auch Musik übersetzen? Was ist da besonders?

Anne: Ja, Musik kann auch gedolmetscht werden. Das ist nicht so einfach, weil man nicht nur den Text, sondern auch Emotionen, Stimmung, Melodie und Rhythmus ausdrücken muss. Weil das so schwer ist, gibt es noch Diskussionen darüber, worauf man beim Dolmetschen von Musik achten muss.

 

Ist die Gebärdensprache in allen Ländern gleich oder gibt es Unterschiede?

Anne: Nein, jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache. Es gibt sogar Dialekte. Das heißt, dass zum Beispiel manche Gebärden in Bayern ganz anders aussehen als in Berlin.

Gut zu wissen: Gebärdensprache 

Die Gebärdensprache ist eine visuelle Sprache - man hört sie also nicht, sondern sieht sie. Man gebärdet, indem man Worte mit den Händen bildet. Letztendlich wird aber fast der ganze Körper miteinbezogen. Auch der Gesichtsausdruck und die Bewegung des Mundes, die man während des Gebärdens macht, sind sehr wichtig. Entscheidend ist auch, wo eine Gebärde ausgeführt wird – in Höhe des Kopfes, vor dem Hals, den Armen oder am Körper.

Neben den Gebärden gibt es noch ein Fingeralphabet. Dieses wird gebraucht, wenn zum Beispiel eine bestimmte Gebärde nicht bekannt ist oder jemand etwas buchstabieren möchte. Bei allen Besonderheiten ist die Gebärdensprache eine ganz normale Sprache und wird allein in Deutschland von etwa 200.000 Menschen genutzt.

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Eure Kommentare

Profilbild von Gast
Für Kinder ein sehr schöner Beitrag 👍 Ich habe vor 2 Jahren (also mit 11) angefangen die Deutsche Gebärdensprache zu lernen und schon einige Lieder übersetzt und ich kann auch tatsächlich sagen, dass das nicht so einfach ist.  Jedenfalls sehr schön geschrieben.  LG,  Laura😊👍    
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Wie sagt man hallo
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Hallo!Du hebst deine Hand auf Kopfhöhe und winkst leicht. Um die Gebärde zu unterstützen kannst du auch noch das Wort mit deinen Lippen formen. Viele Grüße, dein ks-Team.

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Ganz interessant. LG Marii