Natur und Mensch

Gi­raf­fen­spra­che – Wie geht ge­walt­freie Kom­mu­ni­ka­ti­on? 

Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg 

Marshall Bertram Rosenberg war ein US-amerikanischer Psychologe. Er hatte die Idee zur Gewaltfreien Kommunikation. Kommunikation bedeutet, dass sich zwei Menschen oder auch mehr miteinander austauschen. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie miteinander reden, sich einfach nur anlächeln oder ein Handy dafür benutzen. Sie kommunizieren.  

Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine der bekanntesten Wege zur Konfliktlösung weltweit. Sie soll den Menschen dabei helfen, respektvoll miteinander zu sprechen und Auseinandersetzungen friedlich zu lösen. Das kann in der Schule oder in der Clique, in der Familie oder im Job und in vielen anderen Situationen hilfreich sein.  

Wie das gehen kann?  

  • Indem du dein Gegenüber wertschätzt. 
  • Indem du aufmerksam zuhörst. 
  • Indem du deinem Gegenüber vertraust und keine Vorurteile hast. 

Gewalt in der Sprache 

Menschen können sich auch mit Worten verletzen. Das hast du vielleicht schon einmal selbst erlebt. Ziel der Gewaltfreien Kommunikation ist, dass Menschen frei von Vorurteilen und Vorwürfen miteinander sprechen. Die Gesprächspartnerinnen und –partner sollen sich in die Lage des oder der jeweils anderen hineinfühlen können. Viele Situationen im Alltag von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen lassen sich so viel leichter lösen. 

Wusstest du das? 

Jedes Kind hat das Recht auf ein Leben ohne Gewalt. So steht es in Artikel 19 der UN-Kinderrechtskonvention. Gewalt umfasst nicht nur körperliche Gewalt, also zum Beispiel schlagen. Auch mit Worten kann Gewalt ausgeübt werden. Denn zu Gewalt gehört auch anschreien, bedrohen und beleidigen. 

Giraffensprache 

Die Gewaltfreie Kommunikation wird auch „Giraffensprache“ genannt. Rosenberg wählte die Giraffe als Symboltier für seine Idee von Gewaltfreier Kommunikation. Denn die Giraffe ist das Landtier mit dem größten Herzen und hat den besten Überblick. Die Giraffe ist also aufgrund ihrer Größe in der Lage, Situationen mit etwas Abstand zu betrachten.  

Die Giraffensprache ist in vier Schritte unterteilt: 

  1. Beobachten, nicht urteilen: Was ist geschehen? 
  2. Gefühle erspüren: Wie geht es mir? 
  3. Bedürfnisse erkennen und festlegen: Was brauche ich? 
  4. Bitte formulieren: Wie kann das, was ich mir wünsche, erfüllt werden?  

Wolfssprache  

Der Wolf ist im Vergleich zur Giraffe viel kleiner. Er kann Situationen nicht so gut überblicken wie sie. Häufig weiß der Wolf sich nicht anders zu helfen als zu bellen, zu knurren, seine Krallen und Zähne zu zeigen oder sogar andere anzuspringen. Er verhält sich also gewaltvoll. Die Wolfssprache ist im Gegensatz zur Giraffensprache eine gewaltvolle Form von Kommunikation. 

der US-amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg bei einem Workshop über gewaltfreie Kommunikation 1990, er sitzt auf einem Stuhl und hat über der rechten Hand eine Giraffen-Handpuppe, über der linken eine Wolfs-Handpuppe
Marshall B. Rosenberg bei einem Workshop über Gewaltfreie Kommunikation 1990.

Giraffensprache in der Schule 

Die Giraffensprache eignet sich besonders gut für die Kommunikation in der Schule. Sie ist gut zu erklären und einfach zu verstehen, da sie aus nur vier Schritten besteht. Dass es in der Schule zu Konflikten kommen kann, ist normal und gehört zum Schulalltag. Konflikte lassen sich nicht immer verhindern. Doch es ist wichtig, sie sinnvoll zu lösen. Die Giraffensprache hilft dabei:  

  • gewaltfrei miteinander zu sprechen,  
  • Streit vorzubeugen,  
  • eigene Bedürfnisse zu vermitteln, 
  • sich besser in die Lage von Mitschülerinnen und Mitschülern hineinzufühlen. 

Beispiel: Situation zwischen Kindern 

Im Streit mit deinen Mitschülerinnen und Mitschülern fällt schnell mal ein blödes Wort. Das hast du bestimmt schon erlebt. Stell dir vor, eine Mitschülerin oder ein Mitschüler beleidigt dich. Aber statt auch beleidigend zu werden, antwortest du in der Giraffensprache: „Du hast mich gerade beleidigt. Das macht mich traurig und wütend. Deshalb bitte ich dich, das nicht mehr zu tun.“ 

Übt doch mal gemeinsam die Giraffensprache:

  1. Beobachten: Macht alle mit den Händen eine Kamera vor euren Augen und erzählt euch gegenseitig, was ihr seht und hört. 
  2. Gefühle erspüren: Legt eine Hand auf euer Herz und sagt, was ihr fühlt. 
  3. Bedürfnis erkennen und festlegen: Legt eine Hand auf euren Bauch und sagt, was ihr braucht, also welches Bedürfnis ihr habt. 
  4. Bitte formulieren: Im letzten Schritt legt ihr beide Hände zusammen und sprecht eure Bitte aus.  

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Eure Kommentare

Was sind Vorurteile?

Hallo!

Vielen Dank für deine Frage! Vorurteile sind vorschnelle Urteile, also Meinungen über bestimmte Dinge, einzelne Personen oder auch ganze Menschengruppen, die du eigentlich gar nicht oder kaum kennst.

Stell dir vor, in deine Klasse soll eine neue Mitschülerin oder ein neuer Mitschüler kommen. Ein anderes Kind sagt, dass es ihn oder sie schon kennen würde vom Sport und er oder sie sei nicht nett. Schon haben wahrscheinlich viele von euch eine vorgefertigte Meinung, obwohl ihr ihn oder sie noch gar nicht kennt. Das nennt man dann Vorurteil.

Viele Grüße
dein kindersache-Team