Sport

In­ter­view mit Jas­min Sehan Teil 2

Kannst du vom Fußball leben oder machst du noch eine Ausbildung oder ein Studium nebenbei?
 
Jasmin: Nein, Frauen können nicht so wie die Männer vom Fußball leben. Alle Spielerinnen machen entweder nebenbei die Schule fertig, machen eine Ausbildung, studieren oder gehen arbeiten. Ich selber mache derzeit eine Ausbildung beim VfL Wolfsburg als Kauffrau für Büromanagement und würde eventuell später gerne noch ein Lehramtstudium anschließen.
Ich bin durch die Ausbildung sehr flexibel und werde sehr gut unterstützt. Für die Trainingseinheiten werde ich beruflich freigestellt, was es mir erleichtert das berufliche Leben mit dem Fußball gut zu kombinieren.

 
Wie ist deine Stimmung vor wirklich wichtigen Spielen? Überwiegt die Aufregung, Vorfreude oder der Siegeswille?
 
Jasmin: Jedes Spiel ist ein wichtiges Spiel. Ich kann aber gar nicht wirklich sagen welches Gefühl überwiegt. Es ist ganz normal, dass man vor jedem Spiel aufgeregt ist. Wenn es nicht so wäre, wäre man in dieser Sportart falsch. Gerade jetzt nach der Winterpause habe ich mein erstes Spiel nach 3 Monaten Verletzungspause gemacht. Da war die Aufregung doch schon größer als sonst. Normalerweise versuche ich immer ganz konzentriert und mit der richtigen Spannung in das Spiel zu gehen. Wenn man die richtige Mischung zwischen der Aufregung, der Vorfreude und des Siegeswillen entwickelt, glaube ich, kommt der Erfolg von ganz alleine.

 
Du bist Mecklenburgs Talent 2012, Deutschlands beste U-17 Nationalspielerin 2014 und Europameisterin 2013. Was bedeuten diese Titel für dich?
 
Jasmin: Jeder einzelne Titel bedeutet mir sehr viel. Ein unvergessliches Erlebnis wird aber die Europameisterschaft in England 2013 bleiben. Es war unglaublich, so etwas erleben zu dürfen und ich habe jeden einzelnen Augenblick genossen. Die Erfahrung hat mich sehr geprägt und ich bin stolz darauf, das alles erlebt zu haben.
Doch auch die jeweils einzelnen Auszeichnungen werden unvergesslich bleiben. Die erhaltenen Pokale, Urkunden oder Zertifikate haben in meinem Schrank einen Ehrenplatz erhalten. Zudem machen mich nicht nur die Erfolge stolz, sondern auch jedes einzelne Turnier an dem ich teilgenommen habe, ob nun erfolgreich oder nicht. Man lernt immer wieder dazu und kann seine Erfahrungen sammeln, die in diesem Alter für die persönliche Entwicklung sehr wichtig sind. So konnte man sich fußballerisch, aber auch menschlich weiterentwickeln und verbessern.
Trotzdem muss ich jetzt mal dazu sagen, dass ich dies alles nicht erreicht hätte, wenn ich nicht meine Familie hinter mir gehabt hätte. Sie waren immer für mich da und haben mich bei allen Situationen unterstützt. Besonders mein Bruder hat einen großen Anteil daran. Er hat mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, wenn ich für einen Augenblick leicht abgehoben bin. Das hat mich vom Charakter her zu dem gemacht was ich heute bin. Er steht voll und ganz zu mir und zeigt keinerlei Neid mir gegenüber, was ich sehr an ihm schätze!
Auch meine Eltern unterstützen mich so gut es geht. Sie kommen zu jedem Spiel von mir, egal ob wir ein Heimspiel oder ein Auswärtsspiel haben. Sie sind jederzeit da und nehmen die ganzen Strapazen auf sich. Meine Familie ist und bleibt das Wichtigste in meinem Leben.
 
 
Welche Eigenschaften zeichnen dich als Spielerin besonders aus und woran musst du noch arbeiten?
 
Jasmin: Meine größte Eigenschaft, die ich als Spielerin besitze ist der Kampf und die Robustheit. Ich bin ein Kämpfertyp und gehe mit 100% in jeden Zweikampf. Ich gebe im Spiel nie auf und kämpfe bis zur letzten Minuten. Dadurch kann ich oft meine Mitspielerinnen mitziehen und etwas in der Mannschaft bewegen.
Zudem habe ich eine gute Spielübersicht und kann gute Pässe in die Schnittstellen und in die Tiefe spielen, woraus sich oft eine gefährliche Situation ergibt.
Eine weitere Eigenschaft oder eine Stärke ist meine Schnelligkeit.
Ich glaube, jeder Sportler hat seine Schwächen und muss täglich an sich arbeiten. Auch ich arbeite täglich an mir, um mich immer weiter zu entwickeln und zu verbessern, egal ob es die Technik, die Koordination oder die Kondition betrifft.

 
Warum denkst du, wird Fußball immer noch als Männersport betrachtet?
 
Jasmin: Das ist schwer zu beantworten. Der Männerfußball steht einfach mehr in der Öffentlichkeit und wird weltweit mehr unterstützt. An die Bekanntheit des Männerfußballs kommt der Frauenfußball nicht heran, egal wie viele Titel oder Erfolge die Frauen noch feiern werden. Ich bin ganz ehrlich, ich schaue mir am Wochenende auch lieber die Bundesliga der Männer an, als ein Spiel der Frauen.
Die Atmosphäre, welche durch zahlreiche Fans im Stadion entsteht, wirkt sich auch auf den Zuschauer vor dem Fernseher aus und macht einfach Spaß.
Es gibt zwar immer mehr Fußballfans, die sich für den Frauenfußball interessieren, trotzdem wird dieser noch von einigen belächelt, was ich sehr schade finde.
Man kann und muss einfach sagen, dass sich der Frauenfußball über die Jahre schon deutlich weiterentwickelt hat und auch mehr Öffentlichkeit bekommt als vorher, aber leider noch nicht von allen so anerkannt wird.
 
 
Wo liegen deiner Meinung nach die Unterschiede zwischen Männer-und Frauenfußball?
 
Jasmin: Entscheidende Unterschiede zwischen dem Männer- und Frauenfußball sind meiner Meinung nach die Schnelligkeit und die Körperlichkeit. Die Männer haben von Natur aus einen stabileren Körperbau und sind meist einfach schneller als wir Frauen.
Was ich dem Frauenfußball jedoch positiv aussprechen möchte ist, dass die Frauen bei dem Thema „Fouls und Schwalben“ eine ehrlichere Spielweise haben als die Männer. Auch kämpferisch, haben die Frauen den Männern vieles voraus, denn die Fußballerinnen kämpfen bis zur letzten Minute, während bei vielen Männermannschaften die Lust vergeht, sobald man ihnen das Fußballspielen schwer macht.

Vielen Dank für das Interview!

Du möchtest noch mehr über Jasmin Sehan erfahren? Hier ist Teil 1 des Interviews.

Fakten zum Beruf

Beruf: Profi-Fußballerin/ Profi-Fußballer

Voraussetzung: außergewöhnlich gut in Fußball

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