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3 Kinder sitzen auf dem Boden und malen ein Kreidebild "Wir haben Rechte!". Ein Kind im Rollstuhl fotografiert das Kreidebild.

Im­pul­se aus der Pra­xis

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Ausschnitt des Logos des Deutschen Kinderhilfswerks.
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Kurztext

Dieser Beitrag wurde von Maike Simla verfasst. Maike Simla leitet das Projekt "Kinderrechteschule" und ist in der Abteilung Kinderrechte und Bildung des Deutschen Kinderhilfswerkes e.V. tätig.

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Seit 2013 unterstützt das Deutsche Kinderhilfswerk ausgewählte Grundschulen in Deutschland in der Vermittlung und Umsetzung von Kinderrechten und Beteiligung im Unterricht sowie im Schulalltag. Auf dieser Seite geben wir Kurzeinblicke in Beispiele aus ihrer Praxis, die motivieren und anregen sollen, die Kinderrechte auch in der eigenen Praxis umzusetzen. Die Seite wird stetig erweitert.

So leben die Lehr- und Fachkräfte die Kinderrechte an ihren Schulen:

Grundschule an der Marie, Berlin

„Indem Lehr- und pädagogische Fachkräfte Kinder kontinuierlich teilhaben lassen und Beteiligung durch Unterstützung und Beratung sichern, werden Kinderrechte in unserer Schule gelebt. [...] Schule ist für uns Lernort und die Kinderrechte sind eng mit dem eigenen Lernen verknüpft. Wenn also Schüler*innen mit eigenen Beiträgen und Projekten etwas beitragen können, ist man ganz nahe an diesem Thema dran."

Geschwister-Scholl-Grundschule, Leipzig

„Seit 2019 sind wir dabei unseren Leitsatz „Wir leben Demokratie“ für alle Beteiligten an unserer Schule weiter zu präzisieren: Dies bedeutet vor allem, dass Schüler*innen, Eltern sowie alle Mitglieder unseres multiprofessionellen Teams sich dazu verpflichten unsere Schule immer weiter demokratisch zu entwickeln und Kinderrechte in unserem Schulleben nachhaltig zu verankern."

Grundschule am Humboldtring, Potsdam

„Wir, Lehrkräfte, Sozialarbeiterinnen und pädagogischen Fachkräfte, sind kleine und manchmal große Inseln für unsere Kinder. Wir bieten ihnen Halt und stützen Sie in ihrer Wahrnehmung und Umsetzung der Kinderrechte. Stück für Stück ist hier das Motto."

Friedrich-Wöhler-Schule, Kassel

„Da allen Pädagog*innen die Kinderrechtskonvention bekannt ist und sich die Inhalte über die Jahre etabliert haben, fällt es den meisten Pädagog*innen nicht schwer, flexibel und spontan Aspekte aufzunehmen, die zum Themenkomplex Kinderrechte passen."

Grundschule Fallersleben, Wolfsburg

„Für unser Kollegium bedeutet die Kinderrechte zu leben folgendes: Alle Erwachsenen an unserer Schule haben das Recht auf Beteiligung der Kinder bei allen Entscheidungsprozessen immer im Blick und beziehen die Bedürfnisse und Meinungen der Kinder immer mit in alle Planungen ein."

Schule am Wall, Kassel

„Die Kinderrechte sind bei uns fest verankert. Klassenrat und Kinderkonferenz werden von den Schüler*innen organisiert und durchgeführt. Jeden Monat gibt es ein Kinderrecht, welches im Fokus steht und einmal im Jahr gibt es eine Konferenz zum Thema Kinderrechte. Das Personal nimmt regelmäßig an Weiter – und Fortbildungen zum Thema teil."

Impulse für den Unterricht

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5 Kinder sitzen mit einer Lehrkraft im Stuhlkreis und unterhalten sich angeregt. Auf einer Tafel steht "Kinder haben Rechte!".
© Deutsches Kinderhilfswerk e.V.

Das Thema Kinderrechte kann auf vielfältige Weise in den Unterricht integriert und dort vermittelt werden. Wichtig ist hier eine strukturelle Verankerung, sodass die Vermittlung kontinuierlich und nicht einmalig stattfindet. Wir haben für Sie abseits der üblichen Unterrichtsreihen einige Impulse aus der Praxis gesammelt:

Kinderrechte als fester Bestandteil des Curriculums

Das Thema Kinderrechte ist an der Laagbergschule in Wolfsburg ein fester Bestandteil im Jahresplan des Sachunterrichts. Jährlich bearbeiten die Lerngruppen mindestens zwei Kinderrechte intensiv. Durch die Verzahnung des Lehrerkollegiums mit den pädagogischen Fachkräften, die auch in den Vormittag integriert sind, können Projekte aus dem Vormittag nachmittags vertieft werden.

Ein Schuhkarton voll Kinderrechte zum Einsatz im Unterricht

An der Friedrich-Wöhler-Schule starten die Klassen in die Auseinandersetzung mit den Kinderrechten oft mit einem Schuhkarton voller kleiner Gegenstände, die zu den Kinderrechten und der Frage „Was brauchen Kinder, damit es Ihnen gut geht?“ führen. In der Kiste befinden sich ein (abgelaufener) Personalausweis, eine leere Wasserflasche, eine leere Brötchentüte, ein Schulbuch, ein Playmobilkind mit Schultüte, kleine Spielsachen, eine Pflasterbox... Durch die Auseinandersetzung mit den Gegenständen kommen die Kinder über viele Rechte der Kinder ins Gespräch. Am Ende der Stunde wird den Kindern dann zum ersten Mal die Kinderrechtskonvention gezeigt.

Kinderrechte-Ratespiel

Kinderrechte können auch spielend vermittelt werden. Einige der Kinderrechteschulen setzen hierzu z.B. ein Ratespiel für Kinder ein, das auf 12 Karten jeweils ein Kinderrecht mit alltagsnahen Beispielen veranschaulicht. Die Kinderrechte können dann anhand der beiliegenden Spielanleitung mit Pantomime, Erklärungen oder Zeichnungen von einem Kind dargestellt und von den anderen Mitspieler*innen erraten werden.

Das Spiel kann als Teil einer Unterrichtseinheit genutzt werden, aber auch davon unabhängig eigenständig von den Kindern gespielt werden.

Ein solches Spiel kann im Infoshop des Deutschen Kinderhilfswerkes bestellt (aktuell leider vergriffen) oder mithilfe dieser Vorlage selbst ausgedruckt und gebastelt werden.

Tipp: Sie können natürlich auch mit Ihrer Klasse Ihr ganz eigenes Ratespiel entwickeln und basteln.

Theaterprojekt im Ethikunterricht

Dieser Inhalt erscheint in Kürze.

 

Impulse zu Projekten und Projektwochen

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Zu sehen ist eine Filmklappe, eine Note, und ein bemalter Stuhl.
© Deutsches Kinderhilfswerk e.V.

Für die Vermittlung und das Kennenlernen von Kinderrechten eignen sich Projekte und Projektwochen besonders gut. Diese sind sowohl im Vormittagsbereich als auch im Nachmittagsbereich gut umsetzbar und können miteinander verzahnt werden. Viele Kinderrechteschulen nutzen (jährlich wiederkehrende) Projekte oder -wochen, in denen die Kinderrechte konkret und kreativ bearbeitet werden. Hier haben wir einige Impulse gesammelt:

Bau dir deine Kinderrechte!

Die August-Bebel-Grundschule in Leipzig hat einzelne Kinderrechte aus Alltagssituationen mit Bausteinen nachgestellt. Mit dieser Methode sind die Kinder über ihre Rechte ins Gespräch gekommen.

Die Kinder haben gemeinsam überlegt, welches Kinderrecht sie darstellen wollen. Dann haben sie sich damit befasst, was das Kinderrecht eigentlich alles beinhaltet, wo es im Alltag zu finden ist und wie sie es darstellen könnten. Nachdem gemeinsam gebaut wurde, wurden die einzelnen Kunstwerke vorgestellt.

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Ein Foto von Legofiguren, die das Recht auf Bildung darstellen.
Das Recht auf Bildung als Lego-Kunstwerk. © August-Bebel-Grundschule Leipzig

Tipp: Aus den Kunstwerken kann eine Ausstellung für die Schule gemacht werden. Oder es können Fotos gemacht und diese in ausgedruckter Form als Memory weiterverwendet werden.

Recht auf Spiel, Freizeit und Erholung - Spielplatztester*innen

Die 1. Klasse der August-Bebel-Schule hatte im November 2021 einen Projekttag zu den Kinderrechten. Als Spielplatztester*innen besuchten die Kinder Spielplätze in der Umgebung und schauten, was ihnen gut gefällt und was noch verbessert werden kann. Im Anschluss malten die Kinder ihre Traumspielplätze.

Tipp: Aus den Ergebnissen von solchen Spielplatztests können Forderungen von den Kindern abgeleitet werden, die in der lokalen Zeitung oder in Beteiligungsgremien vorgestellt werden können.

Der Kinderrechte-Song: „Ich darf das!“

Aus einer Gemeinschaftsaktion der Kinderrechteschulen ist ein Kinderrechte-Song entstanden. Hier haben 2019 Schüler*innen der Projektschulen eigene Strophen gereimt und darin ihre Rechte beschrieben. Zwei professionelle Musiker haben daraus den Kinderrechte-Song gemacht, der inzwischen allen interessierten Kindern und Erwachsenen zum Anhören und Nachsingen zu Verfügung steht. Es gibt auch eine Karaoke-Version, die mit eigenen Strophentexten gesungen werden kann. Der Song kann also durch eigene Strophen erweitert oder z.B. für ein Kinderrechtefest oder die nächste Einschulungsfeier einstudiert werden. Zum Song kann auch eine Choreographie einstudiert werden.

„Die gemeinsame Kinderrechte-Song-Aktion war ein besonderes Highlight. Das Schreiben der Texte, die Aufnahmen und letztendlich das Ergebnis schufen Laagbergschul-Identität und stärkte die Kinder in ihrem Selbstbewusstsein ihre Rechte einzufordern." - Schulteam der Laagberg-Grundschule

Hier finden Sie das dazugehörige Praxismaterial: Praxismethoden 5: Kreativ mit einem Kinderrechte-Song arbeiten | kindersache

Unter folgendem Link finden sich noch weitere Infos zu dem Kinderrechte-Song- Erstellungsprozess und die einzelnen Strophen der Schulen: Kinderrechte-Song "Ich darf das"

Und hier ist das Ergebnis:
"Ich darf das!" - der Kinderrechtesong. © Deutsches Kinderhilfswerk e.V.

Ein Platz für deine Rechte!

Im Rahmen einer Gemeinschaftsaktion der Kinderrechteschulen sind 2018 die Kinderrechte-Stühle entstanden. Unter dem Motto “Ein Platz für deine Rechte” haben Schüler*innen der Modellschulen jeweils zu einem Kinderrecht einen Stuhl kreativ gestaltet. Die Schülerinnen und Schüler wurden im Vorfeld über die Kinderrechte informiert und es wurde gemeinsam überlegt, welche Kinderrechte auf den Möbelstücken wie gestaltet werden sollten. Die fertigen Stühle wurden dann ausgestellt und haben einen festen Platz in der Schule erhalten.

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Foto von einem Zelt, in dem bemalte Stühle stehen. Die Stühle sind kreativ zu Kinderrechten gestaltet.
Aktion "Ein Platz für unsere Rechte". © Elisa Bönisch, Deutsches Kinderhilfswerk e.V.

Jährliche Kinderrechtetage

Einige unserer Schulen richten jährlich Projekttage zu den Kinderrechten aus. In der Woche des Weltkindertages finden z.B. an der Lieberfeld-Grundschule regelmäßig die Tage der Kinderrechte statt. In jedem Jahrgang setzen sich die einzelnen Klassen schwerpunktmäßig mit einem Recht auseinander, sodass sich am Ende der Grundschulzeit jedes Kind mit einer Vielzahl von Kinderrechten auseinandergesetzt hat:

  • Jahrgang 1: Das Recht auf einen eigenen Namen (z.B. die Herstellung eines Personalausweises aus Pappe mit eigenem Lichtbild)
  • Jahrgang 2: Das Recht auf Gesundheit (z.B. Zubereitung von gesundem Essen wie Obstsalat)
  • Jahrgang 3: Das Recht auf Bildung (z.B. über die Geschichte von Malala)
  • Jahrgang 4: Das Recht auf Mitbestimmung und Beteiligung (z.B. über die Thematisierung „Fridays for future“)

Auch an die freie Grundschule des Erste Kreativitätsschule Sachsen-Anhalt e.V. findet jedes Jahr ein Kinderrechtetag statt. Die ersten Klassen beschäftigen sich mit dem Recht auf Spiel und die zweiten Klassen mit dem Recht auf Mitbestimmung. Für die 3. und 4. Klassen werden die Themen jedes Jahr klassenspezifisch ausgewählt, je nachdem, was für die Kinder aktuell am relevantesten ist. In Zusammenarbeit mit dem Kinderbüro Halle (Saale) nehmen die 4. Klassen auch an außerschulischen Veranstaltungen zum Tag der Kinderrechte teil und unterstützen das Kinderbüro bei der Durchführung.

Ein Schüler der Grundschule am Humboldtring beschreibt seine Erfahrungen mit einem Kinderrechte-Projekttag:

„Am Freitag, den 20.09.2019, hatten wir (Klasse 5a) einen Projekttag, der unter dem Titel "Kinderrechte" stand. Wir haben vieles zum Thema Kinderrechte gelernt. An diesem Tag wurde uns das aber nicht im normalen Unterricht vermittelt, sondern spielerisch in einem Projekttreffen. Es wurden verschiedene Stationen aufgebaut die wir absolvieren mussten. Es gab da einen Koffer, indem viele Spiele zu den Kinderrechten drin waren, zum Beispiel: ein Quiz, Tabu und ein Brettspiel.

Bei dem Quiz wurden uns Fragen gestellt, wir hatten 3 Antwortmöglichkeiten. Bei dem Brettspiel mussten wir Begriffe beschreiben ohne den Begriff zu nennen oder die Begriffe pantomimisch darstellen. An einer Station haben wir Märchen vorgelesen und mussten erläutern welches Kinderrecht verletzt wurde.

Der Tag war sehr interessant und ich habe vieles gelernt. Es hat Spaß gemacht, in dieser Form zu lernen. Es war eine schöne Abwechslung zum normalen Unterricht". Lukas, 5a, Grundschule am Humboldtring

Rate-Film zu den Kinderrechten

Im Rahmen eines Kinderrechteprojekttages hat sich die zweite Klasse der freien Grundschule des Erste Kreativitätsschule Sachsen-Anhalt e.V. intensiv mit ihren Kinderrechten beschäftigt und ein Video zum Erraten von drei Kinderrechten erstellt. Das Video kann auf der Webseite der Schule angeschaut werden: Kinderrechtetag 2022 (www.krea-halle.de)

Gemeinsam für das Recht auf eine intakte Umwelt

An einigen unserer Schulen setzen sich die Schüler*innen auf unterschiedliche Weise für ihre Umwelt ein.

Kinder des 4. Jahrgangs der Lieberfeld-Grundschule Dortmund haben z.B. gemeinsam mit ihrem Schulsozialarbeiter ein freiwilliges Kinderrechteprojekt zur Teilnahme am globalen Klimastreik durchgeführt und sich damit für ihr Recht auf eine intakte Umwelt eingesetzt. Dazu haben sie sich zweimal getroffen: Beim ersten Treffen haben die Kinder sich Inhalte zum Klimawandel angeeignet und besprochen. In der darauffolgenden Woche wurden gemeinsam Plakate für die anstehende Demonstration gemalt. Im September 2021 ging es dann gemeinsam zum weltweiten Klimastreik. Begleitet wurde die Demonstration von den Eltern der Kinder. Die Aktion wurde im Anschluss auf einer Fotowand in der Schule präsentiert. Auch 2022 haben wieder Kinder am globalen Klimastreik teilgenommen.

Neben der Teilnahme am globalen Klimastreik hat die Kinderrechte-AG der Lieberfeld-Grundschule außerdem ein Filmprojekt zum Recht auf eine intakte Umwelt umgesetzt: Our Planet, Our Future

In der Arbeitsgemeinschaft Umwelt der Weidenhofgrundschule Potsdam arbeiten ganzjährig Kinder an ganz praktischen Projekten ( Bau von Insektenhotels und Überwinterungshilfen für Tiere). Außerdem hat sich die Schule darum bemüht, dass das Areal des Integrationsgartens in ihrem Wohngebiet von den Schüler*innen genutzt werden kann. Hier haben die Kinder das ganze Schuljahr die Gelegenheit, Wissen um die Schutzbedürftigkeit der Natur und kreative Nutzungsmöglichkeiten zu erlernen. In einer Küche und einem freistehenden Ofen können die Kinder selbst angebautes Obst und Gemüse zubereiten.

Ausstellung zu den Kinderrechten

Im Schuljahr 2012/2013 forderten mehrere Schüler*innen der Löcknitz-Grundschule während einer Diskussion die Kinderrechte bekannter zu machen - in der Schule, im Elternhaus, im Freundeskreis - und ihre Einhaltung bei den verantwortlichen Personen in der Politik stärker einzufordern.

Durch die Initiative der Kinder entstand der Plan einer Mitmach-Ausstellung zum Thema: „Kinderrechte“, in der jede Klassenstufe vertreten sein sollte und in der sich jedes Kind der Schule mit seinen individuellen Wünschen und Problemen wiederfinden sollte. Angesteckt von der Energie der federführenden Kinder und mit minimaler Unterstützung der Fachlehrerin begann kurze Zeit später ein Projekt, auf das die Schule noch immer stolz ist.

Alle Informationen hierzu präsentiert die Schule hier: "Hand aufs Herz für Kinderrechte" (loecknitz-grundschule.de)

Ehrenamtsprojekte für mehr Teilhabe in der Nachbarschaft

An der Grundschule an der Marie in Berlin gibt es seit einigen Jahren das Projekt "Helfende Hände im Kiez", fest verankert als Wahlpflichtkurs. Hier suchen sich Kinder selbstständig soziale Einrichtungen in der Nähe, in denen sie sich für ein Halbjahr ehrenamtlich engagieren. Der Grundschule an der Marie ist es als Kinderrechte-Schule wichtig, dass die Kinder animiert werden, unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten, was auch bedeutet, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.

Einblicke in das Projekt und welche Kinderrechte sich darin wiederfinden, geben die beteiligten Kinder und Lehrkräfte in folgendem Video selbst:

Videoprojekt mit der Grundschule an der Marie, Berlin. © Deutsches Kinderhilfswerk e.V. 

 

Impulse zu Beteiligung von Schüler*innen

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Sechs Kinder sitzen auf Stühlen in einem Halbkreis. 4 Kinder melden sich. Hinter ihnen an einer Tafel steht: 1. Stunde Klassenrat.
© Deutsches Kinderhilfswerk e.V.

Kinder haben das Recht auf Beteiligung. Es ist wichtig, dass Partizipationsmöglichkeiten strukturell und konzeptionell abgesichert sind. Denn Kinder wollen ihren Lebensort Schule mitgestalten und nutzen die Möglichkeit, sofern klar ist, an wen sie sich wenden können. Erst wenn es fest in der Schulstruktur eingeschriebene Mitbestimmungsformate gibt, klare Ansprechpartner*innen und Zuständigkeiten sowie eingeübte Partizipationsabläufe, sind die Kinderrechte nicht von Willkür und Engagement einzelner Personen abhängig.

Wir stellen Ihnen hier einige Impulse aus der Praxis der Kinderrechteschulen zur Verfügung, wie Sie dieses Recht auch an Ihrer Schule umsetzen und verankern können:

Klassenrat und Kinderkonferenz

Alle unsere Projektschulen haben den Klassenrat bereits eingeführt oder führen ihn gerade ein. Neben dem Klassenrat haben auch fast alle Schulen ein schulübergreifendes Plenum, das z.B. Schüler*innenparlament, Kinderrat, Rat der Räte oder Schüler*innenrat heißt.

Einblick in den Ablauf des Klassenrats gibt die Grundschule am Jakobsberg:

„Seit Beginn des Schuljahres 2013/14 findet an unserer Schule einmal wöchentlich in allen Klassen der Klassenrat statt. Schon ab dem ersten Schuljahr sollen Kinder die Möglichkeit haben, auf einfache Weise Demokratieverständnis zu erwerben und demokratische Handlungsweisen zu erproben. Dazu versammelt sich die gesamte Klasse einmal pro Woche, möglichst immer am gleichen Wochentag zur gleichen Zeit, im Sitzkreis. Der Klassenrat findet nach gemeinsam festgelegten Ritualen und Regeln statt. Die Gesprächsleitung liegt dabei in der Hand der Kinder, zwei Schüler*innen übernehmen den Vorsitz. Im Vorfeld werden über einen Briefkasten oder Ordner Themen gesammelt, die nun zur Sprache kommen sollen. Das Gremium berät über aktuelle Wünsche, Anregungen, Ideen oder Vorhaben, die das Leben in der Klasse bzw. in der Schulgemeinschaft verbessern sollen. Auch Kritik, Probleme und Konflikte können hier thematisiert werden. Gemeinsam werden Lösungen gesucht und gefunden.

Einblick in den Ablauf des Kinderrats gibt die August-Bebel Grundschule:

In der Regel trifft sich einmal im Monat der Kinderrat, in dem je zwei Kinder aus jeder Klasse vertreten sind. Diese beiden Kinder werden immer zum neuen Schulhalbjahr demokratisch durch die jeweiligen Klassen gewählt. In Begleitung von Hort-Erzieher*innen, einer Lehrerin und einem Schulsozialarbeiter, besprechen die Kinder ihre Ideen und Veränderungswünsche für die Schule. Diese können dann ein- bis zweimal im Schuljahr in den Rat der Räte weitergetragen werden, in dem auch Schulleitung, Hortleitung und Elternrat vertreten sind.

In der Friedrich-Wöhler Grundschule wird die Kinderkonferenz von den Kindern in einer AG eigenständig vorbereitet, organisiert, umgesetzt und ausgewertet. Die Erwachsene fungieren dabei als Begleiter*innen und Unterstützer*innen. Diese regelmäßige Kinderkonferenz ist für alle Kinder der Schule und ist im Stundenplan eingebaut.

In der Geschwister Scholl Grundschule beteiligen sich die Kinder über den Klassenrat und den Schulkinderrat hinaus außerdem an der Kommunikation mit dem Essensanbieter und Konferenzen der Lehrkräfte.

Kinderbudget

Dieser Inhalt erscheint in Kürze.

Zusammenarbeit mit kommunalen Beteiligungsformaten

Der Kinderrat der August-Bebel Grundschule nimmt jedes Jahr an der Bürgermeister*innensprechstunde teil. Hier können Anliegen der Kinder vorgebracht werden und es gibt somit einen direkten Kontakt zu den Verantwortlichen der Stadt. So verdankt die Schule unter anderem dem Einsatz des Kinderrates die Sanierung der Toiletten, die die Kinder zusätzlich durch selbst bemalte Fliesen mitgestaltet haben. Weiterhin nahm der Kinderrat bereits am Kinderkongress der Stadt Leipzig teil. Die Kinder konnten sich in verschiedenen Workshops zu Themen wie z.B. dem der Gleichberechtigung in der Schule, dem Medienkonsum oder der Gestaltung der Lernräume mit Schüler*innen aus anderen Leipziger Schulen austauschen und arbeiten.

Auch die Schüler*innen der freien Grundschule des Erste Kreativschule Halle e.V. arbeiten eng mit dem Kinderrat der Stadt Halle zusammen und nehmen an kinderrechtsbezogenen Aktionen des Kinderbüros teil, z.B. jährlich am Tag der Kinderrechte.

 

Impulse zur Verankerung von Kinderrechten in Schulalltag und Strukturen

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Zeichnung eines Terminkalenders. Dort ist für 9 Uhr eine Kinderrechtefortbildung eingetragen.
© Deutsches Kinderhilfswerk e.V.

Damit die Umsetzung der Kinderrechte zur Selbstverständlichkeit wird und nicht vom Engagement einzelner Personen abhängig ist, ist eine strukturelle Verankerung von kinderrechtlichen Aktivitäten und Beteiligungsmöglichkeiten unerlässlich. Hier finden Sie einige Impulse, wie Sie die strukturelle Verankerung an Ihrer Schule angehen können:

Gründung von Kinderrechte-AGs

Die Gründung von festen AGs bietet sich an, um kontinuierlich eine Beteiligung von Kindern am Prozess zu mehr Kinderrechten in der Schule sicherzustellen. An der Friedrich-Wöhler-Schule in Kassel gibt es aktuell eine Kinderkonferenz-AG (KiKo AG) und im nächsten Schuljahr wird es eine Kinderrechte AG geben.

Die KiKo AG der Friedrich-Wöhler-Schule setzt sich mit Themen auseinander, die alle Kinder betreffen (z.B. saubere Toiletten, Regeln beim Essen in der Mensa, ...), erarbeitet für diese Themen Lösungsvorschläge und dann werden die Punkte in der Kinderkonferenz (alle 6-8 Wochen) weiter diskutiert. Die AG trifft sich einmal pro Woche und die Kinder können sich frei einwählen.

Die geplante Kinder haben Rechte" AG wird sich einmal wöchentlich nachmittags treffen. Als erstes wird sich die Gruppe einen Namen geben und sich dann intensiv mit einzelnen Kinderrechten auseinander setzen - immer mit Blick auf aktuelle Themen (z.B. über das gemeinsames Anschauen der Logo Nachrichten) und den Alltag in der Schule. Auch die Entwicklungen im Stadtteil (Schulwege, Wohnen, Spielen...) werden in die Aktivitäten der AG einbezogen. Die AG wird dann selbstständig Projekte anstoßen. Wie beide AGs gekoppelt werden können, wird sich demnächst im Prozess zeigen.

Kinderrecht des Monats

Dieser Inhalt folgt in Kürze.

Peer-to-Peer Projekte am Anfang des Schuljahres

An der Lieberfeld-Grundschule in Dortmund werden in jedem Jahr den Schulanfänger*innen die 10 wichtigsten Rechte von Kindern der dritten und vierten Klassen bekannt gemacht. Dazu gehen nach den Herbstferien Kinder der 3. oder 4. Klasse in die neuen 1. Klassen und stellen die Kinderrechte aus ihrer Perspektive vor. Sie erzählen auch von Mitbestimmungsmöglichkeiten an der Schule, z.B. vom Schüler*innenparlament und was Kinder an der Schule bereits mitentschieden haben bzw. was aktuelle Anliegen im Parlament sind.

Jährliche Konferenz zum Thema Kinderrechte

Dieser Inhalt folgt in Kürze.

Aufnahme der Kinderrechte ins Schulprogramm und Leitbild

Dieser Inhalt folgt in Kürze.

 

Impulse zum kinderrechtlichen Einbezug von Familien

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Ein Kind steht mit seinen zwei Mamas vor einer Pinnwand. Es zeigt auf die Pinnwand, auf der Kinderrechte steht und auf der ein paar weitere Informationen angeheftet sind.
© Deutsches Kinderhilfswerk e.V.

Eine ganzheitliche Kinderrechtebildung bezieht auch die Familien der Kinder mit ein. Wir stellen Ihnen hier einige Impulse aus der Praxis der Kinderrechteschulen zur Verfügung, wie Sie Eltern/Erziehungsberechtigte in Ihre Kinderrechteaktivitäten miteinbeziehen können:

Familienbefragung

Im Foyer der freien Grundschule des Erste Kreativitätsschule Sachsen-Anhalt e.V. („KREA“) fand im Herbst 2018 eine kreative Befragung von Eltern und Kindern statt. Unter dem Motto "Meine Gedanken zu den Kinderrechten" befanden sich verschiedene Sprechblasen mit Fragen an den Wänden. Es standen kleine Klebenotizzettel und Stifte zur Verfügung und alle waren eingeladen, ihre Gedanken festzuhalten. Neben der Befragung wurden im Foyer außerdem Elterninfos in verschiedenen Sprachen angebracht.

Die Aushänge und die Umfrage dienten dem Schulteam dazu, die Eltern für das Thema Kinderrechte zu sensibilisieren. Die Schule hatte sich gerade selbst auf den Weg gemacht, Kinderrechteschule zu werden. Das Foyer der Grundschule ist ein natürlicher Treffpunkt von allen (Eltern, Fachkräften, Kindern). Hier finden häufig informelle Gespräche statt und die Umfrage war so ein guter Anlass, um ins Gespräch zu den Kinderrechten zu kommen. Die Gedanken, die auf diese Weise gesammelt wurden, wurden vom Schüler*innenrat (KREA-Rat) aufgegriffen und blieben noch das gesamte Halbjahr sichtbar.

Vorleseaktion zu Kinderrechten mit Familien

Jedes Jahr gibt es an der freien Grundschule des Erste Kreativitätsschule Sachsen-Anhalt e.V.  („KREA“) einen Vorlesetag, der von der Elternschaft organisiert wird. Der Schulelternrat übernimmt die Verantwortung und koordiniert die Organisation und Durchführung. In Zusammenarbeit mit dem Team und durch Befragung des KREA-Rates wird jährlich ein Themenschwerpunkt festgelegt. Die Eltern der jeweiligen Klassen suchen dann gemeinsam ein Buch aus, dekorieren den Klassenraum entsprechend, lesen vor und überlegen sich noch kleine Aktivitäten rund ums Buch. Das KREA-Team steht bei der inhaltlichen Vorbereitung unterstützend zur Seite. 
In jeder Klasse finden dann zwei Lesungen und ein praktisches Angebot für die Kinder statt. Die Schüler*innen bekommen am Vorlesetag eine Übersicht der Angebote und dürfen frei wählen, welche Lesungen sie besuchen wollen. 

2020 stand der Vorlesetag unter dem Motto "Kinderrechte". Unter anderem wurde aus folgenden Büchern gelesen:

  • "Jetzt bestimme ich, ich, ich" von Juli Zeh zu den Rechten auf Mitbestimmung und Information (Klassenstufe 1)
  • "Das NEINhorn" von Marc Uwe Kling zum Recht auf Mitbestimmung (Klassenstufe 2)
  • "Das doppelte Lottchen" zum Recht auf beide Elternteile (Klassenstufe 3)
  • "Letzten Donnerstag habe ich die Welt gerettet" von Antje Herden zum Recht auf angemessene Lebensbedingungen und elterliche Fürsorge (Klassenstufe 4)
  • "Mein Freund Salim" von Uticha Marmon zum Recht auf Hilfe auf der Flucht (Klassenstufe 4)

Tipp: Eine Liste mit Buchempfehlungen rund um das Thema Kinderrechte gibt es bei der Fachstelle Kinderwelten: Kinderbuchempfehlungen zum Thema Kinderrechte

Elterncafe

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Haben Sie auch ein tolles Projekt oder Erfahrungswerte, die Sie gern an andere Schulen weitergeben möchten? Berichten Sie uns gern davon. Schicken Sie einfach eine Mail an Maike Simla, simla@dkhw.de.

Vorgeschlagene Zitierweise

Simla, Maike (2023): Impulse aus der Praxis. In: Deutsches Kinderhilfswerk (Hrsg): Kinderrechte leben - in Schule und Hort! Online-Dossier. Unter: LINK (Zugriff am: TT.MM.JJJJ).

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