Deutsches Kinderhilfswerk

Neue Stu­die über Chan­cen­ge­rech­tig­keit von Kin­dern in deut­schen Städ­ten

Deutsche Großstädte sind in verschiedene Stadtteile aufgeteilt. Meistens leben ärmere Kinder und reichere Kinder mit ihren Familien in unterschiedlichen Teilen der Stadt, sie sind also räumlich voneinander getrennt. Diese Trennung ist in den letzten Jahrzehnten immer deutlicher geworden und hat mehrere Gründe: In einigen Stadtteilen ist die Miete der Wohnungen nicht so teuer wie in anderen. Manchmal sind auch nur in bestimmten Stadtteilen Wohnungen verfügbar. Dann gibt es Stadtteile, in denen es viele Einfamilienhäuser gibt. Dort leben in der Regel Menschen mit einem höheren Einkommen. Man kann also in reichere und ärmere Stadtteile unterscheiden.   

Die neue Studie „Eine Stadt – Getrennte Welten?“ hat deshalb untersucht, ob reichere Kinder und ärmere Kinder auch durch ihren Wohnort Vorteile oder Nachteile haben. Dafür nahmen die Forscherinnen und Forscher sieben deutsche Großstädte unter die Lupe: Berlin, Hamburg, Dortmund, Erfurt, Leipzig, Saarbrücken und Nürnberg. Sie schauten sich zum Beispiel an, wie viele Ganztagsschulen, Spielplätze, Sportplätze oder Kinderarztpraxen es jeweils in den ärmeren und den reicheren Teilen der Städte gibt. Es wurde aber auch untersucht, wie viele Naturräume (zum Beispiel Parks) Kinder aus den unterschiedlichen Stadtteilen in ihrer Nähe haben. 

Hier sind die Ergebnisse: 

Mehr Umweltbelastung in ärmeren Stadtteilen 

In den ärmeren Stadtteilen wurde oftmals eine größere Belastung durch Lärm als in den reicheren Stadtteilen beobachtet. Das liegt daran, dass die ärmeren Stadtteile – vor allem in den westdeutschen Städten – oft in Industriegebieten liegen. Die Forscherinnen und Forscher vermuten deshalb auch, dass in den ärmeren Stadtteilen mehr Schadstoffe in der Luft sind.  Bei der Menge an Spielstraßen und Straßen mit weniger Verkehr gab es in den verschiedenen Stadtteilen kaum Unterschiede. 

Weniger Spiel- und Freizeitflächen in ärmeren Stadtteilen 

Spielplätze, Sportplätze, Wälder oder Parks sind wichtige Orte für Kinder und Jugendliche. Dort können sie sich austoben, entspannen oder ihren Hobbys nachgehen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass es in den reicheren Stadtteilen mehr solcher Orte gibt als in den ärmeren Stadtteilen. Das gilt für alle sieben Städte. 

Kaum Unterschiede bei Zugang zu Schulen und kulturellen Einrichtungen 

Beim Zugang zu Ganztagsschulen und weiterführenden Schulen mit gymnasialer Oberstufe gibt es keine Benachteiligung der Kinder aus den ärmeren Stadtteilen. Dasselbe gilt für Schwimmbäder und kulturelle Einrichtungen wie zum Beispiel Kindertheater und Opernhäuser. Diese Einrichtungen sind nämlich meistens im Zentrum der Städte zu finden und nicht in bestimmten Teilen der Stadt. Daher sind in einigen der untersuchten Städte die Kinder aus reicheren Stadtteilen sogar weiter von solchen Einrichtungen entfernt, da sie meist nicht im Stadtzentrum leben.  

Kinderarztpraxen sind in den untersuchten Städten recht gleichmäßig verteilt, bei psychotherapeutischen Praxen für Kinder und Jugendliche sind die ärmeren Stadtteile jedoch benachteiligt. 

Das Fazit 

Ärmere Kinder und reichere Kinder sind in deutschen Großstädten immer stärker räumlich klar voneinander getrennt. Das hat die Studie herausgefunden: 

  • Ärmere Kinder sind durch ihren Wohnort öfter Lärm und möglicherweise auch Schadstoffen in der Luft ausgesetzt.

  • Außerdem haben sie im Durchschnitt weniger Spiel- und Freizeitflächen in ihrer Umgebung.

  • Schulen, an denen man das Abitur machen kann, sowie kulturelle Einrichtungen und Kinderarztpraxen sind hingegen für alle Kinder ähnlich gut erreichbar.

Orte, an denen man spielen und sich erholen kann sowie möglichst wenig Umweltbelastungen sind wichtig für das Aufwachsen jedes Kindes. Kinder aus ärmeren Stadtteilen sind hierbei jedoch oft benachteiligt. Das widerspricht Artikel 2 der UN-Kinderrechtskonvention. Dieser besagt nämlich, dass alle Kinder gleich sind, die gleichen Rechte haben und dass kein Kind dabei benachteiligt werden darf, auch nicht wegen des Einkommens seiner Eltern. 

Die Studie wurde vom Deutschen Kinderhilfswerk in Auftrag gegeben und von der Heinrich-Böll-Stiftung und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung durchgeführt. 

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