Hüben­drü­ben - Als dei­ne El­tern noch klein und Deutsch­land noch zwei wa­ren

Passend zu unserem Thema des Monats hat die Redaktion einen Buchtipp für euch, sowie ein spannendes Interview mit der Autorin und dem Illustrator!

Darum geht’s:  

Max und Maja sind Cousin und Cousine in den 1980er Jahren. Max wohnt im Westen von Deutschland, also in der BRD. Maja hingegen ist in Ostdeutschland, also der DDR, zuhause. Die beiden haben sehr viel gemeinsam: Sie gehen beide zur Schule, müssen Hausaufgaben machen und gehen danach mit ihren Freunden spielen. Beide haben ein kleines Geschwisterkind. Beide essen gerne Süßigkeiten und spielen nach Herzenslust Klingelstreiche. Und beide wollen, wenn sie erwachsen sind, ins Weltall fliegen. Die beiden Teile Deutschlands, in denen sie wohnen, unterscheiden sich jedoch sehr stark voneinander: Unterschiedliche Lebensmittel, unterschiedliche Alltagssprache, unterschiedliche Traditionen und sogar unterschiedliche Freiheiten gibt es in der DDR und der BRD. 

Unsere Meinung:  

Hübendrüben ist ein wunderschönes Sachbuch über das Leben auf beiden Seiten der Mauer während der Teilung Deutschlands. Es zeigt sehr eindrucksvoll, aber auch mit viel Humor die unterschiedlichen Verhältnisse in der BRD und der DDR, aber auch, wie es zur Teilung kam und wie Deutschland am Ende wieder zu einem Land vereinigt werden konnte. All das wird vor dem Hintergrund des Lebens von Max und Maja gezeigt und man kann sich als Leser*in sehr gut in sie hineinversetzen. Das macht das Buch interessanter und weniger trocken als viele andere Bücher, in denen es um Geschichte geht. Durch die schönen und witzigen Illustrationen von Horst Klein erwacht das Buch auch nochmal mehr zum Leben. Das Buch ist nicht nur lehrreich, sondern macht auch sehr viel Spaß beim Lesen, weshalb wir von der Redaktion es euch nur ans Herz legen können! 

Wie sind Franziska Gehm und Horst Klein eigentlich auf die Idee für das Buch gekommen? Und wie unterschiedlich sind Ost- und Westdeutschland heute noch, also 30 Jahre später? 

Wir haben die beiden mal interviewt:

 

ks-Redaktion: Wie seid ihr auf die Idee für das Buch gekommen?

Franziska Gehm: Als Thüringerin, die in Bayern lebt, habe ich meine Kinder bei jeder Fahrt in die alte Heimat auf die ehemalige innerdeutsche Grenze aufmerksam gemacht. Davon waren sie natürlich bald genervt, aber dass ich in einem Land aufgewachsen bin, das es nicht mehr gibt, fanden sie spannend und hatten viele Fragen – da dachte ich, die kann man doch bestens in einem schönen Buch beantworten. Der Klett Kinderbuchverlag war schnell begeistert vom Thema, zumal wir von Anfang an ein Team von Hüben (Illustrator) und Drüben (Autorin) bildeten.

ks-Redaktion: Wie war der Prozess von der Idee bis zum Buch und was waren dabei besondere Herausforderungen?

Horst Klein: Nachdem wir die Idee auf der Leipziger Buchmesse der Verlegerin vorgestellt hatten, ging es schon auf der Bahnfahrt nach Hause mit ersten Ideenscribbles los. Die schickte ich Franziska auch gleich in ihren anderen Zug nach Hause. Daheim stellten wir bald fest, dass es zwei größere Probleme gab: Muss man ein Kinderbuch mit dem Zweiten Weltkrieg beginnen, nur weil man von zwei Deutschlands erzählen möchte? Kann man Max und Maja, die anfangs noch Cousin und Cousine waren, auseinanderreißen, und Maja wächst beim Russen und Max beim Amerikaner auf? Es dauerte eine Weile, bis wir da eine Lösung hatten. Als das Grundgerüst stand sind wir wieder zum Verlag und haben gemeinsam besprochen, welche Themen wir im Buch unterbringen müssen und können. Da wurde heftig gesiebt, aber meine Klapp-Pappmauer, die schließlich zwei wertvolle Seiten kostet, blieb drin.

Wieder daheim lieferte dann Franziska die Texte, und ich versuchte diese mit Bildern auf eine Heftdoppelseite zu packen. Man muss dazu erwähnen, dass das Buch quasi vollkommen analog illustriert ist, ich fing also links oben an und hörte zwei Tage später rechts unten auf einer Doppelseite auf. Da musste natürlich der Platz reichen, und so gab es während der gesamten heißen Phase täglich Telefonate zwischen Autorin, Verlegerin und mir, um noch an Texten zu feilen oder spontane illustrative Ideen unterzubringen. Insgesamt hat das Buch – von der ersten Idee damals in Leipzig bis zum Erscheinen 2018 – etwa drei Jahre gebraucht.

ks-Redaktion: Findet ihr, dass es auch nach der Wiedervereinigung noch Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gibt? Wenn ja, welche?

Franziska Gehm: Direkt nach der Wiedervereinigung gab es große und offensichtliche Unterschiede, schon allein die Äußerlichkeiten (auch in unserem Buch zu bewundern!), aber auch verschiedene Einstellungen und Lebenserfahrungen. Heute kann man „Ossi“ und „Wessi“ kaum noch erkennen. Bei gemeinsamen Lesungen wird Horst z.B. oft für den Ossi gehalten, ich für den Wessi – also genau verkehrt herum. Ein Unterschied, der mir noch heute auffällt, aber womöglich auch nur, weil ich in München lebe: Im Osten gibt es nicht so viel „altes“ Geld, sprich reiche Elternhäuser oder große Erbschaften. Die Leute im Osten wursteln sich oft recht kreativ und erfolgreich durchs Leben und bleiben auch bei Erfolg angenehm geerdet.

Horst Klein: Jedes Mal wenn ich in Leipzig bin fällt mir spätestens an der Supermarktkasse auf, dass es im Osten freundlicher und herzlicher (okay, ruppig-herzlicher) zugeht als bei mir im »Westen«. Das mag vielleicht an der Gegend liegen, in der ich wohne. Aber trotzdem meine ich im »Osten« stets eine offenere und freundlichere, unvoreingenommenere Art als bei uns festzustellen. Was ja im krassen Widerspruch zum politischen Spektrum dort steht.

Diese Kleinigkeiten bemerkt aber sicher nur noch meine Generation, die sich noch bewußt an die BRD und DDR erinnern. Die heutigen Kinder und jungen Erwachsenen werden bestimmt keine Unterschiede mehr bemerken, es sei denn sie bestellen mal in Ost und West ein Jägerschnitzel …

 

 

Titel
Hübendrüben - Als deine Eltern noch klein und Deutschland noch zwei waren
Autor
Franziska Gehm und Horst Klein (Illustrator)
Seiten
40
Verlag
Klett Kinderbuch Verlag
Preis
14,00 €
ISBN
978-3-95470-184-1

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Hört sich sehr interessant an! Was ist denn das Besondere beim Jägerschnitzel? Gibt es einen Unterschied dabei in Ost- und Westdeutschland?

Hallo! Beim traditionellen Jägerschnitzel der DDR wird eine etwas dickere Scheibe Jagdwurst paniert. Dazu gab es typischerweise Nudeln mit Tomatensoße. Das entstand daraus, dass es viele Haushalte in der DDR gab, denen es an den klassischen Zutaten für ein Jägerschnitzel mangelte (z.B. dem Fleisch). Jagdwurst oder Brühwurst gab es viel zu kaufen. Das klassische Jägerschnitzel ist bekannt als panniertes Kalbs- oder Schweineschnitzel, zu dem eine Pilzsahnesoße mit Pommes oder Reis serviert wird. Viele Grüße, dein ks-Team.