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Montag Morgen. Kleiner Blick aufs Handy um sicherzugehen, dass Thomasin nicht erneut zu spät kommen würde. Es war spät, aber nicht zu spät. Sie konnte mit einem schnellen Schritt und trotzdem ohne Hektik noch rechtzeitig ankommen. Es war nicht zu weit von ihrem Haus zur Schule, ein paar Straßen, eine größere Ampelkreuzung und ein kleiner Abschnitt durch den Park. Wenn man es wollte, konnte man es in zehn Minuten schaffen. Ansonsten brauchte man fünfzehn oder ein Mensch mit kurzen Beinen zwanzig. Thomasin beeilte sich durch das große Schultor zu kommen, das gerade zufiel. Sie war eine der letzten Schüler und Schülerinnen, die gerade eintrafen. Mathematik. Sie mochte Mathe. Zahlen, Formeln, Variablen, eine der Dinge, die ihr am Herzen lagen. Wenn sie die Augen schloss, konnte sie Zahlenwirbel sehen, die Aufgaben lösen ohne einen Finger rühren zu müssen. Es war ihr gutes Fach. Ihr einzig Gutes. Während die anderen müde versuchten dem Unterricht zu folgen, war dies die einzige Stunde, in der sie sich wohl fühlte.
Thomasin mochte die Menschen ihrer Schule nicht besonders und mied jeglichen Kontakt zu ihnen. Das führte dazu, dass niemand etwas von ihr wissen wollte. Den restlichen Unterricht versank sie in einem ihrer Bücher, denn dass sie keine Menschen mochte, schloss nicht ein, dass sie Einsamkeit liebte. Das Buch füllte die Leere in ihrem Kopf, lesen war ein Anker und eine Rettung für sie - wie eine Insel. Die restlichen Fächer waren erfüllt von Langeweile. Sie konnte sich einfach nicht für Biologie und Sport begeistern, auch wenn sie sich halbwegs Mühe gab. Nach der vierten Stunde fiel der Unterricht wegen der drückenden Hitze aus und Thomasin machte sich mit etwas Leichtigkeit auf den Rückweg, keine Sekunde länger wollte sie unnötig auch nur in der Nähe von irgendwelchen Menschen verbringen, die ihr nichts bedeuteten.
Zuhause schmiss sie sich auf ihr Bett, schrieb mit Leuten aus dem Internet, die so waren wie sie. Keine dieser Personen, von denen sie sonst umgeben war, verstand sie. Am meisten unverstanden fühlte sie sich von ihren Eltern. „Komm ausnahmsweise mal aus deinem Zimmer raus. Geh doch mit jemandem aus deiner Klasse ins Schwimmbad. Los, sonst nehme ich dir dein Smartphone weg!" Wiederwillig streckte Thomasin ihrer Mutter das Handy hin, hatte sowieso keinen Akku mehr, zum Aufstehen war sie zu faul gewesen. Außerdem hatte sie noch das Buch von heute morgen. „Los jetzt. Ich bleibe hier stehen, bis du kommst." Sie rührte sich nicht. Sie wollte nicht aufstehen, doch ihre Mutter meinte es ernst. Sie stieg aus ihrem Bett, nahm ihre Tasche, zog sich ihre Schuhe an und ging ohne ein Wort zu sagen aus dem Haus.
Die heiße Luft schlug ihr entgegen. Es war Sommer. Sie verzog keine Mimik. Sie wollte nicht in die Stadt oder ins Schwimmbad, niemand sollte sie sehen. Eigentlich war es ihr gleichgültig, was die anderen von ihr dachten. Aber nicht, was sie von sich dachte. Am Rand der Stadt war es kühler. Breite, hohe Bäume zierten den Bürgersteig. Hier war man mit seinen Gedanken ungestört und allein. Sie hatte eine Powerbank dabei, so konnte sie ihr Handy laden, um Musik zu hören. Irgendwann hörte die Straße auf und sie stand auf einer lauten, befahrenen Straße, doch sie lief einfach weiter. Abgase und Rauch - danach roch es hier und nicht mehr wie eben nach frischen Blättern und Kräutern. Thomasin war das egal.
Die ganze Zeit hatte sie auf den Boden gestarrt, als sie plötzlich Stimmen hörte. Genau genommen drei Stimmen, Stimmen die ihr viel zu bekannt vorkamen. Sie drehte sich vorsichtig um und blickte auf die andere Straßenseite. Drei Blondinen aus ihrer Klasse. Sie wollte schneller laufen - zu spät. Die Drei lächelten ihr freundlich zu. Thomasin erwiderte ein Lächeln und verschwand dann schnell in der nächsten Gasse, die an die große Straße ankreuzte. Hier war es ruhig. Im Hintergrund hörte sie noch die Geräusche der rasenden Autos. Dann nahm sie leise, klirrende Laute war. Hinter ihr lag ein kleines Café. Das Schild war etwas verstaubt, mit Mühe konnte sie die Aufschrift: „Liecker" wahrnehmen. Wohl eine Mischung aus den Wörtern Liebe und lecker, dachte sie. Durch das Schaufenster sah sie einen mittelgroßen, gemütlichen Raum, eingerichtet mit vielen Pflanzen, Sofas aus Paletten und einer hübschen Holzoptik. Etwa zwanzig Gäste saßen dort, jeder für sich oder in einer kleinen Freundesgruppe, doch es war nicht voll und es gab kein Gedränge.
Sie nahm etwas Mut zusammen und öffnete die Tür. Sie lief einige Meter, niemand aus ihrem Bekanntenkreis, nur Studenten und junge Erwachsene. „Hey, weißt du schon was du möchtest?" „Einen Kaffee. Schwarz bitte." Es war ewig her, dass sie allein ausgegangen war. Sonst drehte sie meist nur eine Runde durch den Park. Thomasin legte ihre Tasche auf einen Barhocker, der allein in einer Ecke, mit einem hohen, weißen Tisch, zusammenstand. Ein Ventilator hatte seinen Platz direkt daneben. Während sie an ihrer Tasse schnupperte, trat ein Mädchen ein. Ihres Alters. Unglaublich hübsch. Ihre Blicke berührten sich kurz, sie bestellte sich etwas und lief dann zu Thomasins Tisch. „Kann ich mich zu dir setzen? Mir ist heute nicht danach allein zu sein." Thomasin nickte und lächelte. Ein echtes Lächeln.
Voll cool und am Ende sehr Romantisch sag mal gehörst du zu LGBTQ 🏳️🌈 ich unterstütze es GLG Leyla
Super Geschichte! Das könnte was werden mit Thomasin und diesem Mädchen...
Cool!
Tolle Geschichte und eine gute Idee! Auch das mit dem Liecker, nur weiß ich nicht recht wie man das ausspricht. Liiiiker oder Licker oder Liiii-ä-cker?
Spnnend! Gibt es irgendeinen Grund, warum sie nichts mit andren zu tun haben will?