Eure Geschichten

Der Au­gen­blick, der mein Le­ben ver­än­der­te (Teil 2)

Los geht’s

Zum hunderttausendsten Mal läuft Mum hektisch durchs Haus und kontrolliert, ob auch wirklich jeder von uns alles mitgenommen hat und ob alle Jalousien zu sind. Meine Tante Ingrid fährt uns zum Flughafen, aber davor werden wir noch Oma und Opa abholen. Ein letztes Mal durchquere ich mein Zimmer und streichle Neroline über den Kopf; Meine Freundin Lina wird sich um meine Tiere kümmern und nach dem Rechten sehen. Dafür musste ich ihr alles zehn Mal erklären und sie beruhigen, dass Kleopatra ihr nichts tut.  Batty und Sammy habe ich ins Haus geholt, weil sie schon so oft ausgerissen sind, aber der liebe, kleine, brave Flummy darf dann draußen im Garten bleiben und die Sonne genießen.

„Kommt ihr endlich? Amy, Zoe? Und übrigens: Amy, kannst du deinen ekligen Kaugummi bitte gleich an deine Wand kleben bevor er bei mir im Auto auf der Rücksitzbank landet?“, ruft Ingrid uns von der Haustür aus zu. „Das ist nicht irgendein blöder oder oller Kaugummi, sondern die Lemon-Honey-Super-Buuble-Edition.“ „Ja, schon gut!“ Ich hänge mir meine Tasche um und schließe die Tür hinter mir, durchquere das Wohnzimmer, komme in den Flur und atme frische Luft ein. Mit einem guten Gefühl im Bauch springe ich auf die Straße und schmeiße meine Reisetasche schwungvoll in den Kofferraum. Als endlich alle im Auto platzgenommen haben, tritt Ingrid auf das Gaspedal und wir werden alle in die Sitze gedrückt. Nachdem wir Oma und Opa abgeholt haben rasen wir mit 200kmh auf die Autobahn, weil Mum anscheinend erst jetzt aufgefallen ist, dass unser Flieger nach New York schon um 10Uhr und nicht um 11Uhr geht. Die Weiden, Wälder, Blumenwiesen und Bauernhöfe rasen im Affentempo am uns vorbei und im Radio läuft „Knocking on heaven‘s door“ von „Guns and roses“. Zum Glück konnte Dad meine Tante nicht davon abbringen am Steuer zu sitzen, denn sonst hätten wir jetzt durchgehend Mozart gehört.

Aufregung und Streit

Ich schaue zu Amy, aber die bemerkt mich gar nicht, weil sie zum dreihunderttausendsten Mal ihr ACDC Buch durchblättert und ihren speziellen Kaugummi kaut. Was soll‘s? Ich kann mich selbstverständlich auch alleine beschäftigen. Als Erstes checke ich meinen Instagrammaccount und stelle fest, dass Moritz, ein Pfleger vom Tierheim, ein total süßes Bild von Mitty gepostet hat. Hoffentlich will ihn keiner aufnehmen, denn sonst könnte ich ihn nicht mehr treffen und mit ihm kuscheln. Aus gegebenem Anlass beschließe ich in New York erneut zu versuchen meine Eltern zu überreden Mitty aus dem Tierheim zu holen. Allerdings sind die der Meinung, dass ich sowieso schon zu viele Tiere habe und mich auch mal mit anderen Sachen, wie zu Beispiel mit Lernen für die Schule beschäftigen soll. Was für ein Quatsch!!!

„Wir sind gleich da!“, ruft Ingrid entzückt und wuschelt Dad wie einem kleinem Jungen durch die Haare. Das ist irgend so ein seltsamer Tick von ihr: Immer, wenn sie sich für jemanden freut oder selbst ein bisschen aufgeregt ist, muss sie irgendjemanden die Frisur zerstören. Ganz schön ätzend! Zum Glück hat es heute nicht mich erwischt. Nachdem ich ausgestiegen bin und meinen Koffer aus dem Auto gehievt habe, sehe ich mich erstmal um. Wir waren schon ewig nicht mehr am Amsterdamer Flughafen, genau genommen, als ich sechs oder sieben Jahre alt war, denn als ich dann älter wurde hatte ich keine Lust mehr mit meinen peinlichen Eltern in den Urlaub zu fahren, sondern Amy und ich durften uns manchmal ein Feriencamp raussuchen, indem wir den Sommer verbrachten. Da fällt mir gerade auf, dass ich noch nie ohne Amy im Urlaub war, schon ein bisschen seltsam, aber egal…

Eine Stunde später sitzen wir endlich im Flieger und machen es uns bequem. „Wow, Zoe, guck mal! Hier sind Tablet Halterungen an den Stühlen, wollen wir uns den ACDC Film anschauen?“ „Amy, dein Ernst? Können wir uns auch einfach eine Doku über Anakondas schauen?“ „Zoe, dein Ernst? Da kann ich ja gleich zurück in die Schule in den Bio-Unterricht gehen!“ „Amy, dein Ernst? Da kann ich ja gleich in die Schule in den Musikunterricht gehen“, blaffe ich zurück und drehe mich genervt zu Seite. Na das kann je heiter werden, zwei Wochen zu sechst in einer Vierzimmerwohnung.

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Eure Kommentare

Ich finde deine Geschichte echt witzig und gut geschrieben! 💛