Eure Geschichten

Die ge­hei­me Di­men­si­on (Teil 1: Der Not­aus­gang)

Professor Emser

Vor gar nicht so langer Zeit lebte einmal ein älterer Professor in einem Haus in der Altstadt. Sein Name war Professor Emser. Sein Haus stand rechts neben einem kleinen Laden für Süßwaren. Herr Emser kannte den Besitzer dieses Ladens - Gustav Berti - sehr gut. Sie hatten sich in der Schule kennengelernt, waren zunächst Feinde, lernten sich dann aber besser kennen. Jedenfalls: Professor Emser war Experte für mysteriöse Fälle in der Umgebung. Er verließ sein Haus kaum, was zudem daran lag, dass seine Experimente auf gar keinen Fall unbeaufsichtigt bleiben durften. Immer wenn seine private Hausangestellte - Frau Vionetta - in einen seiner unzähligen Versuche hineinplatzte, schaute der Professor streng von seinem Buch auf und schimpfte: "Du weißt ganz genau, dass du anklopfen sollst!" Herr Emser hatte Besuchszeiten, in denen meistens viele Leute aus dem Ort zu ihm kamen, um ihn bei rätselhaften Fällen um Rat zu bitten. So war es auch an dem Morgen des Tages, der das Leben des Professors für viele Jahre auf den Kopf stellen sollte...

Die Sprechstunde

Die Autos fuhren im rasenden Tempo auf der Straße. Ein alter Mann mit altmodischer Brille hastete murmelnd über den Bürgersteig. Auf einmal betrat eine Frau - die ungefähr 50 Jahre zählte - die Straße. Sie humpelte vor schwerem Gepäck, eine Handtasche in der einen Hand, einen Koffer in der anderen. Sie lief direkt auf das Haus neben einem Süßigkeitengeschäft zu. Als sie angekommen war, sah sie auf der Haustür ein bronzenes Schild mit der Aufschrift:

Theodor Emser

Experte für rätselhafte Ereignisse in der Umgebung

Wenn Sie Probleme haben, sprechen Sie mich an!

Sprechzeiten: Montag - Freitag: 14-16 Uhr, Samstags 15-16 Uhr

Die Frau atmete erleichtert auf: Es war ein Montag, um 15:30 Uhr. Wer auch immer dieser Professor Emser war, er hatte gerade Sprechstunde und war erreichbar. Mit zitternden Fingern drückte sie zögerlich auf den Klingelknopf. Drinnen war ein "Ding-Dong" zu vernehmen. Dort rief eine Stimme: "Einen Moment bitte!" und knapp drei Minuten später öffnete ein alter Herr mit goldener Brille. "Guten Tag! Mein Name ist Professor Emser, was kann ich für Sie tun?". Die Dame grüßte ebenfalls und der Professor Befahl seiner Angestellten, das Sprechzimmer herzurichten. Nachdem die Frau, welche einen sehr verängstigten Eindruck machte, mit dem Professor platzgenommen hatte, begann sie eine fürchterliche Erzählung.

Ein merkwürdiges Ereignis

Mein Name ist Frau Hargus und ich arbeite schon seit langer Zeit für die U-Bahn.  Ich muss immer überprüfen, ob sich in den Tunneln nicht irgendwelche Jugendliche rumtreiben, oder sonst irgendwas nicht stimmt. Eigentlich ist immer alles gut gelaufen, bis auf heute... Ich ging wie gewohnt meiner Arbeit nach und überprüfte einen Tunnel nach dem nächsten. Auf einmal meinte ich, Schritte zu hören, aber... Da war nichts! Überzeugt davon, dass es nur Einbildung war, setzte ich einen Fuß vor den anderen. Plötzlich stand ein Mann, eingehüllt in einer dicken, schwarzen Winterjacke vor mir und sprach folgende Worte: "Hören Sie, Sie müssen schnell zur Landstraße 9 gehen und den Professor Theodor Emser darum bitten, hierherzukommen. Es ist wichtig!" Und so schnell diese Gestalt aufgetaucht war, war sie auch schon wieder verschwunden. Vor Schreck habe ich meine Tasche und meinen Koffer gegriffen (ich nehme beide immer zur Arbeit mit) und bin zu der angegebenen Adresse gegangen - Nein! - gerannt! Ich bin so froh, dass Sie auch wirklich da waren!

Nachdem der Professor der Frau zugehört hatte, sagte er (weil er manchmal sehr genau war): "Sie haben während Ihrer Erzählung die Zeitform gewechselt. Am Anfang haben Sie im Präteritum erzählt, danach im Perfekt." Nachdem sich Frau Hargus über diesen unnötigen Kommentar aufgeregt hatte, schlug der Professor vor: "Dieser Mann mit der Winterjacke sagte doch, ich soll zur U-Bahn kommen. Warum also nicht gleich?"

Der Notausgang

Eine halbe Stunde, nachdem Herr Emser diesen Satz ausgesprochen hatte, stand er und die Frau in dem düsteren Tunnel, in dem das Ereignis stattgefunden hatte. Die Frau musterte den Professor, der in jeder Ecke und jeder Kurve nach dem Mann mit der Jacke zu suchen schien. Es vergingen Minuten - vielleicht auch Stunden - ohne das etwas geschah. Doch dann tauchten in der Ferne zwei Lichter auf. Die Frau schrie: "Die nächste Bahn!" Herr Emser, der aus seiner Untersuchung hochgeschreckt war, brauchte einen kurzen Moment, um zu begreifen, was Frau Hargus gesagt hatte. Dann schaute er sich panisch nach einer Fluchtmöglichkeit um. Es gab nur einen Ausweg: Der Notausgang an der Tunnelwand. "Schnell!", kreischte die Frau und beide liefen auf den Fluchtweg zu. Frau Hargus war zuerst durch die Tür gegangen - doch verschwand dann plötzlich in einem gerade aufgetauchten Nebel. Herr Emser sprang hinterher. Dann verlor er das Bewusstsein.

Als er aufwachte, befand er sich weder im U-Bahntunnel, noch im Notausgang. Wie der Professor jedoch bemerkte, war er im Freien. Er fand sich in einem Dorf wieder, welches sehr modern aussah. So sah die Stadt, in der er lebte aber nicht aus! Irgendetwas stimmte hier nicht...

Fortsetzung folgt!

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Eure Kommentare

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Mir gefällt der Anfang sehr gut, man will richtig wissen wie es weitergeht... :D
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Sehr gut ! Gibt es eine Fortsetzung?
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Wow
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Das ist super geschrieben.  
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Eine RICHTIG gute Geschichte!!!! WOW!!!
MEGA GUT GESCHRIEBEN!