Freedom - Sonnenaufgang: 1. Der Auftrag
1. Der Auftrag
Versammlung an der großen Eiche
Drei Jahre waren seit meiner Geburt vergangen und ich hatte immer noch mein rabenschwarzes Fell, mit der langen Narbe am Bein.
Als ich an diesem Morgen aufwachte, dösten Rotschopf und Federhuf noch neben mir. Es war noch dunkel, nur ein paar sehr wenige Sonnenstrahlen schienen auf unsere Herde herab und ich sah, wie der Schatten von unserer Anführerin Blauschweif sich über die Wiese bewegte.
Direkt neben Rabenauge blieb sie stehen.
Ich hörte, wie sie ihm zu wieherte: „Komm bitte mit Silberhuf und Fuchsschopf zur großen Eiche.“
Danach ging sie weiter.
Jetzt bemerkte ich, wie sie plötzlich auf mich zukam.
„Hallo Narbenfuß! Kannst du bitte mit Rotschopf zur großen Eiche kommen?“
„Hi Blauschweif! Ja, natürlich!“
„Perfekt!“, murmelte sie und verschwand in der Dunkelheit.
Schnell rappelte ich mich auf und stupste meinen Freund freundschaftlich in die Seite.
„Hey! Schon gut, ich bin ja schon wach!“, meinte mein Freund.
„Na, das ist gut! Komm mit!“
Gemeinsam trabten wir zu der Eiche.
Darunter standen schon Rabenauge (ein ganz schwarzer Hengst), Fuchsschopf (ein hellbrauner Wallach) und Silberhuf (eine kräftige Apfelschimmel-Stute).
Ganz auf die Seitegedrängt,t sah ich Blauschweif und Kaminhuf stehen.
Kaminhuf war seit stolzen sieben Jahren unserer Anführer.
Kämpfen um den Auftrag
„Schön, dass ihr alle da seid! Bitte kämpft einfach gegeneinander!“, schnaubte er völlig unerwartet.
„Hä?“, wieherte Fuchsschopf.
„Der Gewinner bekommt einen Auftrag“, erklärte uns unsere Anführerin genauer.
„Okay“, blubberten wir.
„In drei, zwei, eins, Go!“, schrien die beiden.
Zwar wusste ichnicht,t wieso wir kämpfen, aber ich wurde vor fünfzehn Tagen zum Krieger ernannt.
Silberhuf galoppierte kopflos auf mich zu.
Geschickt wich ich ihr aus.
Hinter mir kämpften Fuchsschopf und Rotschopf im Zweikampf.
Rabenauge schnitt mir wendig den Weg ab, schnell schlug ich nach hinten aus und traf Silberhuf direkt am Auge.
Mutig sprang ich über den jungen schwarzen Hengst, aber er packte mich am Ohr.
Wütend schüttelte ich mich frei und biss ihn in seinen kurzen Schopf.
Er bestrafte mich und biss mich in meine Stirn.
Wieder trat ich ihn in seine Brust und er wieherte vor Schmerz auf.
Hinter mir tauchte Fuchsschopf auf und sprang mir in die Hüfte.
Kraftlos fiel ich hin, drehte mich auf die Seite und strampelte meinen Gegner weg.
Schnell sprang ich wieder auf und schubste ihn so sehr, dass er zu unserer Anführerin flüchtete.
Jetzt schnappte Rotschopf nach meinen Beinen. Plötzlich hatte er mein Bein im Maul und biss kräftig zu.
Zornig befreite ich mein Bein und Rabenauge biss einen Fetzen meines Ohres weg.
Ängstlich flüchtete auch Rabenauge, als ich nach ihm austrat.
Jetzt verfolgte ich meinen besten Freund, bis er hinter Blauschweif sprang.
„Damit ist der Kampf beendet!“, sagte Blauschweif feierlich.
„Geht noch ein bisschen frühstücken! Ich werde den anderen Pferden von dem Kampf berichten und dann erfahrt ihr von eurem Auftrag!“, berichtete Kaminhuf.
„Danke!“
Kein Hunger vor Schmerzen
Wir, also ich und Rotschopf, gingen zurück zu unserer Wiese.
Gierig stopfte sich mein Freund das frische Gras in seinen Magen.
„Wieso frisst du nichts?“, fragte er mich.
„Mein Ohr und die anderen Wunden tun weh“, gab ich ehrlich zu.
„Frag doch einfach Scheckenfell um ein Heilmittel“, half mir mein Freund.
Sofort ging ich zu der Stute.
Freundlich behandelte sie mein abgerissenes Ohr, den Biss in der Stirn, meine aufgeschürfte Hüfte und meine blutigen Beine.
„Du wirst eine fette Narbe an deiner Stirn bekommen, aber sonst verheilt alles!“
„Vielen Dank!“
Zum Abschied kraulte ich ihr noch die Schulter.
Narbengesicht und die zwei anderen Krieger
Als ich zurückkam, standen alle Herdenmitglieder vor Blauschweif.
„Da bist du ja Narbengesicht!“
„Ähm Narbenfuß,“ sagte ich.
„Nein, ab jetzt heißt du Narbengesicht!“
„Toll, danke!“ Ohne zu zögern, kniete ich vor ihr nieder.
„Narbengesicht! Du wirst mit zwei anderen Kriegern alle Pferde in diesem Land befreien und wieder mit allen zurückkehren!“
In dieser Minute war ich so geschockt!
„Was? Ich?!“, fragte ich sprachlos.
Sie nickte.
„Und, wen nimmst du mit?“, mischte sich Kaminhuf ungeduldig ein.
Verzweifelt schloss ich die Augen. Das ging mir alles viel zu schnell.
Als ich die Augen wieder öffnete, hatte ich wieder klare Gedanken.
„Mhm. Rotschopf, Rabenauge und Mondsichel!“, sagte ich sicher und bestimmt.
„Dann soll es so sein! Morgen werdet ihr losstarten!“, bestimmte Kaminhuf.
Scheckenfells Heilmittel
Später, als wir wieder allein waren, sagte Rabenauge: „Oh mein Gott, wie aufregend!“
„Ja, sehr sogar!“, redete Rotschopf weiter.
„Wieso hast du mich genommen?“, fragte mich Mondsichel.
„Weil du sehr leise bist!“, beantwortete ich ihre Frage.
„Leute, ich gehe jetzt zu meiner Mama tschüss sagen!“, meinte Rabenauge.
„Ok, mach das!“, riefen wir ihm nach.
„So, ich gehe mit Mondsichel zu Scheckenfell und frage sie wegen Bandagen und so!“
Daraufhin rannten wir los.
Es machte riesigen Spaß, einfach so zum Spaß zu laufen. Den Wind in der Mähne zu spüren und zu schnauben vor Anstrengung.
„Juhu!“, lachten wir, als wir über einen Baumstamm sprangen.
Kichernd gingen wir zu Scheckenfell.
Die junge schöne Stute begrüßte uns glücklich: „Herzlichen Glückwunsch nochmals, Narbengesicht!“
„Danke schön! Wir bräuchten einmal Spinnennetze, die Heilsalbe gegen Zeckenbisse, die Juckreizcreme, Harz-Saft, Tannenbaumnadeln, das Heilwasser und diese Blütenheilcreme!“
„Wird gemacht!“, schnaubte sie und verschwand im Galopp.
Fünf Minuten später kam sie zurück und gab uns die Sachen.
„Super!“
Schnell trotteten wir wieder zurück.
Unter der großen Eiche warteten schon Rotschopf und Rabenauge auf uns.
„Habt ihr alles bekommen?“, erkundigte sich Rotschopf besorgt.
„Alles außer Tannenbaumnadeln“, beruhigte ich ihn.
„Aber, was ist, wenn wir eine Bandage brauchen?“, fragte Rabenauge nervös.
„Dann suchen wir uns welche!“, versuchte Mondsichel ihn zu beruhigen.
„Na dann“, sagte ich mit abenteuerlustigem Unterton.
„Am Abend treffe ich mich noch mit Blauschweif“, erzählte ich ihnen.
„Alleine?“
„Ja, bitte!“
„Na gut“, blubberte Rabenauge ein bisschen betrübt.
„Sorry, Rabenauge!“, murmelte ich ihm zu.
„Passt schon!“
Eine große Aufgabe
Bald wurde es dunkel und ich schlich leise zu meiner Anführerin.
„Guten Abend“, begrüßte sie mich.
„Hallo.“
„Es ist eine große Aufgabe für drei Pferde und noch mehr zu sorgen. Außerdem, was macht ihr, wenn die Menschen euch entdecken?“, berichtete sie mir ausführlich.
„Ich weiß, es wird schwierig, nur ich schaffe das und die anderen auch!“, versicherte ich ihr.
„Wie du meinst.“
Wir schwiegen.
„Brecht am besten schon bei Morgengrauen auf“, riet sie mir.
„Das machen wir.“
„Gut.“
Mit diesen Worten drehte sie sich um und schloss die Augen.
Müde schloss ich auch meine Augen.
Schnell schlief ich ein und träumte von weiten Wiesen und Feldern, von meinen besten Freunden und von neuen Herdenmitgliedern.
Wow, sehr spannend!