Eure Geschichten

Gestalten der Nacht #1

Die Pechvilla

Wir kamen in ein kleines Dorf mit alten Häusern. Es sah sehr mittelalterlich aus. Es regnete in Strömen. Unzählige Tropfen schlugen gegen die Scheibe neben mir. "Gleich sind wir da!", rief mein Vater von vorne. Er hatte sich ein "perfektes" neues Wohnhaus ausgesucht, das alle Dorfbewohner die Pechvilla nannten. Also, es war eine Villa. Sie stand am Rand des Dorfes neben einem Fichtenwald. Man erkannte die Pechvilla schon von weitem, denn sie hatte einen ziemlich hohen Turm, der noch höher war als der Kirchturm, weil sie dazu noch auf dem Pechhügel stand. Es schien mir wie in einer Wüste.

Ein Schatten

Die Straßen waren düster, niemand war zu sehen, als ob der Regen die Stadt erobert hätte. Nur das matte Licht der Straßenlaternen beleuchtete die Straßen. Mein Vater hielt kurz am Fuß des Hügels. Ich schaute hoch zum Turm und dachte, plötzlich einen Schatten gesehen zu haben. Aber das konnte nicht sein. Hier wohnte doch niemand? Außerdem hielten sich alle Bewohner von der Pechvilla fern! Da fuhr das Auto auch schon den matschigen Hügel hoch. Vor der Villa wuchs eine riesige Fichte. Sie verdeckte den Eingang ein bisschen. Wir hielten neben dem verwucherten Garten.

Knarzendes Tor

Ich stieg aus dem Auto und schaute mir die Pechvilla genauer an. Der Garten war voller verrückten Pflanzen, der Rasen ging bis zu meinen Knien und der Efeu schlängelte sich bis zu den rostigen Balkonen. Langsam kamen auch meine Brüder Paul und Artur und meine Eltern aus dem Auto. Ich versuchte das rostige Gartentor zu öffnen, aber es klemmte. Nach einigen Versuchen gab ich auf. "Man, das Ding klemmt!", motzte Paul. Plötzlich fing das Ding an zu knarzen und zu quietschen. Etwas klackte und das Tor öffnete sich von allein. Ich fand das etwas seltsam. Ein schmaler Weg aus Steinen führte dann zur Tür. Der Weg war genauso voll mit Pflanzen wie der Garten. Ich musste über große Wurzeln und Blättern springen, bis ich an der Tür ankam.

Der Schlüssel

"Wo ist denn der Schlüssel?", fragte ich. "Der muss unter dem Blumentopf liegen", antwortete meine Mutter. Wer ließ seinen Schlüssel unter einem Blumentopf? Ich versuchte, den Topf mit Erde hochzuheben, aber er klebte am Boden. Mein Vater schaffte es, aber als er ihn hochgehoben hatte, fiel er ihm aus den Händen und krachte auf den Boden. Jetzt lagen tausende Scherben auf dem Boden. "Mist!", keuchte er. Unter dem Haufen Erde lag ein rostiger Schlüssel. Er war schwerer, als ich gedacht hätte. Ich steckte ihn in das Schloss und drehte ihn ein paar Mal.

Stille und Staub

Die Tür knarrte und sprang auf. Alles war dunkel. Nur eine kleine Glühbirne hing an der Decke. Mit dem wenigen Licht konnte man fast nichts erkennen, außer den ganzen Staub, der den Boden bedeckte. Mein Bruder hustete. Er hatte eine Stauballergie oder so. Da quetschten sich ein paar Umzugsleute in die Villa und stellten den riesigen Spiegel von meiner Mutter gegen die Wand. Alle waren still. Da unterbrach mein Vater die Stille: "Schönes Haus, oder?", fragte er zögerlich. Niemand antwortete. Es knarzte nur von oben.

Zimmer aussuchen

Endlich bewegte sich jemand. Meine Mutter schaltete die große Lampe ein, die die Umzugsleute gerade gebracht hatten. Endlich ein bisschen Licht. "Diese Villa hat fünf Stockwerke, wenn man den Turm mit dazuzählt! Eure Zimmer werden im 3. Stockwerk sein!", verkündete mein Vater. Na schön. Wir trotteten bis zum 3. Stockwerk hoch und suchten uns jeweils ein Zimmer aus. Nur mein kleiner Bruder Artur schlief bei meinen Eltern, weil er noch ein Baby war. Ein Stockwerk über uns war der Dachboden. Ich wollte gar nicht wissen, wie es dort aussah. Aber ich wollte wissen, wo der Eingang zum Turm war.

Das war's! Ich hoffe, die Geschichte gefällt euch!

(Übrigens, bald wird der letzte Teil von "Julias Tagebuch" rauskommen! Ich hoffe, es ist ok!)

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