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Neuanfänge nach Regen – Kapitel 4 | IceyFox

Gedanken an Noah

"Fangen wir bei der Mensa an. Die ist dort drüben", erklärt Noah geduldig. Irgendwie schaut er mich die ganze Zeit an, meine ich zumindest. Wahrscheinlich bilde ich mir das nur ein. So hübsch wie er ist, muss er bestimmt eine Freundin haa – STOPP! Was ist nur los mit mir? Jeder Gedanke dreht sich um Noah. Das muss aufhören. Dringend! "Okay", antworte ich, ohne meine Gedanken preiszugeben. Das Schulgelände ist wirklich schön, viele Blumen, die schon beginnen zu blühen. Vor uns laufen noch einige Schüler ins Schulgebäude. Ich drücke mich unterbewusst enger an Noah. Ich schrecke zurück, als ich es merke. "Alles okay, du kannst ruhig näher bei mir laufen", beruhigt mich Noah. Okay. Ich lehne meinen Kopf leicht an seine Schulter, ganz sanft. Ich habe zwar innerlich das Gefühl, dass uns jeder, der uns sieht, für ein Paar halten wird, aber das ist mir jetzt auch egal.

Herz und Kopf

 "Das ist die Mensa. Das Essen hier ist nicht das Beste, aber besser als gar nichts. Viele Schüler setzen sich auch mit ihrem mitgebrachten Essen hin, das stört niemanden", erklärt Noah. "Du klingst wie ein Touristenführer an einer Schule", kichere ich. Das Kichern bereue ich sofort, denn jetzt habe ich wieder die ganze Aufmerksamkeit von Noah. "Was ist so schlimm daran?", fragt er. "Nichts, es ist nur lustig. Was zeigst du mir als Nächstes?", entgegne ich. "Eigentlich gibt es nur noch die Innenräume der Schule. Wenn du keine Lust mehr hast, können wir uns auch morgens vor der Schule treffen, dann lernst du die Räume kennen und ich glaube, das macht mehr Sinn, als die anderen jetzt beim Unterricht zu stören." Mein Herz klopft so sehr, dass ich Angst habe, er wird es hören. Ich will ja sagen, aber mein Kopf schreit: "Nein! Du darfst dir das nicht anmerken lassen!" Also entscheide ich mich, wie immer, für meinen Kopf. "Ich glaube, es wäre besser, wenn du mir die Räume jetzt zeigst. Stell dir vor, du wirst morgen krank und ich darf dann jede Stunde zum Sekretariat rennen, damit ich die Räume finde. Das wäre echt … scheiße", meine ich. 

Unterrichtsplanung

"Stimmt, da hast du auch wieder recht. Also gut, fangen wir bei den Werkräumen und der Aula an", entgegnet Noah. "Ich habe auf der Website der Schule gelesen, dass man Technik und AES macht und es kein Wahlfach gibt. Stimmt das?", hake ich nach. "Ja, das stimmt. Es gibt aber zwei Gruppen. Die eine Gruppe hat das halbe Jahr Technik, die andere so lange AES. Zum Halbjahr wechseln die Gruppen", erklärt er mir. "Okay, in welcher Gruppe bist du?", frage ich. "Ich bin in der Gruppe, die aktuell AES hat. Vielleicht kannst du Frau Distel fragen, ob du bei mir in die Gruppe darfst. Dann hast du Jasmin und Victoria nicht am Hals und du könntest bestimmt einen Freund gebrauchen, der die Partneraufgaben mit dir macht, oder? Ich brauche auch noch jemanden, mit dem ich die Aufgaben machen kann, und da Frau Distel meinte, es kommt sowieso noch eine Schülerin in die Klasse, würde das dann aufgehen. W-würdest du das mit mir machen?", fragt Noah und schaut mich schon wieder so fragend mit seinen Augen an. 

Freunde?

Da kann ich nichts anderes sagen, außer ja. "Heißt das, wir sind jetzt Freunde?", frage ich verwirrt. "Wahrscheinlich, ja. Hast du ein Problem damit?" Mein Herz will schreien: "Am liebsten wäre mir noch mehr." Aber wie immer hat mein Kopf die klügere Antwort. "Nein, natürlich nicht. Du bist echt sympathisch, bestimmt werden wir gute Freunde", gebe ich zurück. "Cool", sagt Noah. "Aber eine Frage habe ich noch. Wie hast du Victoria und Jasmin zum Schweigen gebracht? Das schafft keiner!" "Ach, ich musste früher meine Freundinnen verteidigen. In meiner alten Schule war ich echt beliebt. Naja, siehst ja selber, wie das jetzt aussieht. Aber man könnte echt meinen, Samantha und Lilly haben mich echt geprägt." Fast beginne ich zu weinen, als ich von Samantha und Lilly erzähle. Mir steigen die Tränen in die Augen. "Hey, hey. Was ist los?", fragt Noah besorgt und nimmt mich in seine Arme. 

Zum ersten Mal ehrlich

Und plötzlich sprudelt alles aus mir heraus: "Ach, Samantha und Lilly. Ich vermisse die beiden so sehr. Ich war diejenige, die ihnen immer Mut gemacht hat, und allgemein war ich früher immer die selbstbewusste Isabell, die vor niemandem Angst hat, und jetzt hasst mich jeder. Und dann gab es da früher noch Leon, den ich so bewundert habe, auch wenn ich wusste, ich werde nie eine Chance bei ihm haben, und jetzt, jetzt ist das alles weg. Ich will einfach nur zurück nach Hause." Ich bereue es sofort, das alles gesagt zu haben. Noah sieht jetzt richtig bedrückt aus. "Oh man, das tut mir so unendlich leid, Isabell. Und wer auch immer dieser Leon war, bestimmt war er ein ganz besonderer Mensch für dich. Aber wenn du schon sagst, dass er dir nie eine Chance gegeben hätte, jetzt mal abgesehen davon, ob du ihn danach gefragt hättest oder nicht, dann hat er dich nicht verdient. Ich weiß, ich kenne dich gerade mal seit heute Morgen und trotzdem weiß ich, dass du etwas Besseres verdient hast. Auch wenn du jetzt Liebeskummer hast oder so etwas, du wirst jemanden Besseren finden." Diese Worte waren unglaublich tröstend. "Warte kurz, ich gehe ins Klassenzimmer und gebe Frau Distel Bescheid, dass wir etwas Zeit brauchen. Darf ich sagen, dass du eine Auszeit brauchst, um dich an die Schule zu gewöhnen und die Situation zu verdauen?" "Kein Problem. Aber bitte sag das nicht so laut und vor der ganzen Klasse", erwidere ich. Und zum ersten Mal seit langer Zeit war ich ehrlich und aufgeschlossen. Und das fühlt sich richtig gut an.

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