Neuanfänge nach Regen – Kapitel 8 | IceyFox
Zusammen Busfahren
"Ach, er hat mich was gefragt, für das Praktikum bei dem Meeresbiologen", erklärt Sienna ohne rot zu werden. Entweder sie sagt die Wahrheit oder sie kann verdammt gut flunkern. Obwohl, ich glaube das erste. Sie stottert schon, wenn sie über Emilio redet. "Jaja, genau!", ruft Amy von vorne. Wird Emilio da gerade rot? Naja, egal. Noah knufft mich leicht in die Seite. Ich schaue ihn an, er lächelt zurück. Was ist das nur zwischen uns? Ich frage mich wirklich, ob er auch so verrückte Gefühle hat, oder ob das wieder nur meine Gefühle sind, genau wie bei Leon.
Die letzte Stunde vergeht wie im Flug. 15 Minuten vor Schluss fällt mir noch eine unglaublich wichtige Frage an Noah ein. "Noah", flüstere ich. "Fährst du mit dem Bus zur Schule?" "Ja, ab Lindenstraße. Du?" "Ich glaube, Bergweg oder sowas", antworte ich. "Ich steige vor dir ein, also sehen wir uns. Ich halte dir gerne einen Platz frei. Achso, Melissa und die anderen fahren nicht mit dem Bus, du musst also mit mir zufrieden sein, haha." Wenn er wüsste, dass ich damit absolut kein Problem habe, müsste er das nicht sagen. Egal jetzt.
"Alles gut, ich fahre gerne mit dir. Wir fahren aber schon mit dem selben Bus, oder?" "Oh je, Isabell. Es gibt in diesem Dorf nur einen Bus", erwidert Noah. "Oh, ups. Sorry, ich hab keine Ahnung vom Dorf, außer von dem, wo meine Oma gelebt hat, aber da bin ich immer mit der U-Bahn hingefahren und musste ab der Endhaltestelle ungefähr eine Viertelstunde laufen. Naja, egal. Danke jedenfalls", entschuldige ich mich. "Macht doch nichts."
Nachrichten von Dad
Kurze Zeit später ist der Unterricht auch vorbei. Melissa, Amy, Sienna und Mira verabschieden sich schon am Eingang, weil sie mit dem Fahrrad fahren. Noah kommt noch mit mir mit, weil Dad mich sowieso an der Haltestelle abholt. Mein Handy vibriert in meiner Hosentasche. Oh je, ich war seit gestern so beschäftigt, dass ich Samantha und Lilly noch gar nicht geschrieben habe. Wie viele Nachrichten ich wohl von ihnen habe?
Aber es ist nur Dad.
Dad: Kannst du mit dem Bus nach Hause fahren?
Ich: Ja klar, kein Problem. Ist irgendwas?
Dad: Probleme auf der Arbeit. Komme wahrscheinlich erst heute Abend. Mama hab ich schon informiert.
Ich: Okay, dann viel Erfolg dir. Bis später, Dad. 🫶🏻
Dad: Pass auf dich auf!
"Alles okay?", fragt Noah besorgt. "Ja, alles gut. Sieht nur so aus, als müsste ich mit dir nach Hause fahren." "Kein Problem, dann komm einfach mit. Du weißt, wo du aussteigen musst?" "Jupp, danke", erwidere ich. "Hast du ein Ticket?" "Noah. Ich bin ein Stadtkind. Glaubst du ernsthaft, ich hab' keine Jahreskarte für den Bus?", frage ich ironisch. "Achso, stimmt. Da war ja was. Gut. Dann komm mal mit."
Das erste Mal sich näher sein
Noah und ich laufen zur Bushaltestelle. Teilweise bin ich kurz davor, mich bei ihm unterzuhaken oder seine Hand zu nehmen, aber ich traue mich irgendwie nicht. Bei Noah wird aus der selbstbewussten Isabell irgendwie ein total emotionales Wesen. Was macht er nur mit mir?
Als wir an der Bushaltestelle stehen, dauert es nicht lange, bis der Bus kommt. Anders als in der Stadt ist der Bus fast komplett leer. Wir setzen uns ganz hinten in den Bus und fangen wieder an zu quatschen. "Achso, willst du mir vielleicht deine Handynummer geben? Dann kann ich dir morgen schreiben, was du brauchst. Frau Distel ist aktuell so verplant, keine Ahnung. Sie hat dir ja nicht mal die Bücher gegeben, die du brauchst", meint Noah.
Er will meine Handynummer? Mein Herz macht schon wieder diesen komischen Hüpfer. Ich ignoriere es. Er will die Nummer nur für schulische Zwecke. "Ja, klar." Ich gebe ihm mein Handy, damit er seine Nummer eintippen kann. "Danke", erwidere ich, als Noah seine Nummer fertig eingetippt hat. Er gibt mir mein Handy zurück und dann passiert es: Unsere Hände berühren sich. Nur ganz sanft, aber mit bleibendem Gefühl.
💗
Juhu 🥳 endlich ein neuer Part 🙏