Rosarote Brille, rote Rosen und der schönste Sonnenaufgang - Kapitel 2
Hi, ich bin Liv. Erinnert ihr euch noch an mich? Yep, ich bin's. Ich muss sagen, seit definitiv mindestens zwei Monaten ist mein Tagebuch nur mit kleinen Kritzeleien vollgeschrieben. Ich bringe euch auf den neuesten Stand:
Der schönste Traum
Ich spürte, wie Markus' Lippen sich vorsichtig von meinen lösten. Ich wollte erneut nach seiner Wange greifen, um ihn weiter zu küssen, als ich in meinem Bett hochschrak. Na toll! Der schönste Traum der Welt und mein Handywecker zerstörte meinen perfekten Wunschtraum, der so was von nie in Erfüllung gehen würde. Denn in Wirklichkeit war ich die typische Außenseiterin, die nur zwei Freundinnen hatte, auf die so was von gar kein Typ stand und die in meinen Augen so was von blöd aussah. Ich strich mir meine langen, blonden Haare aus dem Gesicht, um nach meinem Smartphone zu greifen. OMG! Ich sah die Uhrzeit, genauso wie die Push-Benachrichtigungen von gleich 17 verpassten Sprachanrufen meiner BFF June und zwei verzweifelten Sprachnachrichten. Ich hatte nur noch 15 Minuten, um mich anzuziehen, zu waschen, zu frühstücken und zu meinem Gymnasium zu kommen.
Zu spät
In Rekordtempo zog ich mich an, wählte dabei geschmacklos und zusammengewürfelt eine Edeljeans, die ich, als sie heruntergesetzt war, gekauft hatte, ein weißes Top, das schon meine Mutter gehabt hatte, und irgendwelche Billigsneakers. Meine Haare bürstete ich nur kurz, machte mir einen lockeren Pferdeschwanz, spülte einen Energieriegel mit einem Schluck Wasser herunter, bevor ich mit dem Rucksack, den klimpernden Schlüsseln in der Hand, einer leichten Jeansjacke und einem letzten "Byeee" an meine Mutter aus der Wohnung stürmte. Als ich am Jochen-Freilig-Gymnasium ankam, war der Hausmeister gerade dabei, die Tür abzuschließen, als ich mich durch den letzten winzigen Spalt quetschte und wie eine Marathonathletin die Treppen in den 3. Stock hochsprintete. 27 genaue Minuten nach neun öffnete sich die Tür meiner Klasse leise knarzend. Meine Lehrerin Frau Restland drehte gefährlich langsam den Kopf zur Seite, als ich kleinlaut in die Klasse schlüpfte, ein kaum hörbares "Sorry, Frau Restland" murmelte und mich auf den Platz neben Johan, einem guten Freund, fallen ließ. "Na toll, dass du uns auch mit deiner Anwesenheit erfreust, Liv. Das werde ich leider deinen Erziehungsberechtigten mitteilen", sagte sie kühl und schrieb weiter irgendwelche Formeln an die Tafel, die weder ich noch irgendwer aus diesem Raum verstand.
Markus
Als ich in der großen Pause auf den Hof rannte, neben mir June, ließen wir uns wie jeden Tag auf die Mauer fallen, um dort unser Pausenbrot zu genießen. Es war Anfang Mai und immer noch nicht warm genug, um ohne Pulli herumzulaufen, aber es war auch nicht mehr kalt. "Sag mal, warum bist du eigentlich so verdammt spät gekommen? Ich hab dich mindestens zehnmal angerufen", fragte June neugierig. "Jep, verschlafen. Ich hab SUPER SCHÖN geträumt, Alter." "Lass mich raten: Markus?", grinste sie frech. "Woher weißt du das denn nur?", fragte ich sarkastisch zurück, bevor ich sie freundschaftlich in die Seite knuffte. "Nee, im Ernst, du solltest ihn echt mal aufklären. Erst machst du auf flirty-flirty mit ihm, dann bist du plötzlich voll komisch und drehst komplett durch, wenn er da ist, und jetzt tust du so, als ob da gar nichts gewesen wäre und auch nichts ist. Jetzt, du willst doch auch wissen, ob er das Gleiche fühlt, oder?", mahnte sie mich. "Ja, schon, aber ich weiß nicht wie … Babe, du musst mir echt helfen. Kannst du es ihm nicht sagen?", bat ich mit süßen Hundeaugen. "Hör auf, zu versuchen, mich zu bestechen. Ich fall auf dein cutes Hundegesicht nicht mehr rein. Außerdem fändest du es auch kacke, wenn dich ein Freund von Markus um ein Date bittet."
Klassenfahrt nach Paris
Autsch. Meine Gedanken schweiften zu meinem Traum. "Ja, okay." Da war das Gespräch über Markus auch schon beendet. "Hey Girl, die Klassenfahrt wär doch der perfekte Moment." Da ging es auch schon weiter. Na toll. Wozu sprach ich überhaupt DIE Klassenfahrt des Halbjahres an? Jedes Jahr reisten die Siebtklässler wie wir irgendwohin, wo es richtig beschissen war, aber trotzdem verdammt teuer. "Nö … Ich weiß eh noch nicht, ob ich da hingehe …", seufzte ich genervt. "WAS???!!! Du kannst doch nicht DIE Klassenfahrt verpassen. Paris! Die Stadt der Liebe! Ma chérie, das ist die perfekte Reise, bei der du ihm im Sonnenuntergang auf dem höchsten Balkon des Eiffelturms deine Liebe gestehen kannst. Rosenblätter wirbeln um euch herum, er nimmt deine Hand, sieht dir tief in die Augen und dann … Ich unterbrach knapp den Wortschwall meiner besten Freundin. "Mach mal halblang! Du weißt schon, dass wir stundenlang durch langweilige Museen laufen werden, in irgendwelchen billigen Straßenrestaurants essen werden und in einer Holzhütte übernachten werden?"
Kommst du mit?
"Jetzt chill du mal, weil wir erstens nicht in einer Hütte schlafen werden, sondern in einem 3-Sterne-Hotel. Zweitens ist es doch cool, mal Streetfood zu essen, und drittens, hey, der Louvre ist doch richtig geil!" "Ja, für dich." In dem Moment schrillte die Pausenklingel. "Ach, lass es, wir müssen rein." Als ich abends mit den Hausaufgaben fertig war und auch eine halbe Stunde für die Matheklausur gelernt hatte, kam meine Mutter vorsichtig in mein Zimmer. "Hey Schatz. Sag mal, du musst mir noch sagen, ob du am Ende zur Klassenfahrt willst. Übermorgen ist der letzte Zahltag." Ich sah auf. Meine Mutter sah mir sehr ähnlich. Sie war unglaublich hübsch und elegant. Doch dass sie so toll und perfekt schien, ließ mich denken, dass ich nie so gut werden würde wie sie. Meine Mum lächelte, strich sich eine gewellte, golden glänzende Haarsträhne aus dem Gesicht und setzte sich neben mich aufs Bett. "Hey... Wenn du nicht willst, musst du nicht, aber, glaub mir, es wird eine der Reisen, die du nie vergessen wirst."
Die Eltern
Ich lächelte und lehnte meinen Kopf an sie. Mum lächelte, stand auf und ging in die Küche. "Ach, und in zehn Minuten gibt es Abendessen, heute Pizza. Ruf schon mal Niklas. Papa kommt auch bald nach Hause." Niklas war mein neunjähriger kleiner Bruder. Obwohl er ziemlich nervig und wild sein konnte, liebte ich ihn über alles. Mein Vater war letzter Zeit wenig zuhause. Meine Eltern stritten viel, und deshalb arbeitete mein Vater die meiste Zeit über oder war einfach nicht da. Wo, wusste ich nicht. Offiziell hatten meine Eltern noch nicht die Scheidung bekannt gemacht, aber instinktiv spürte ich, das es so weit kommen würde. Wenn Dad da war, saß er meistens stumm im Wohnzimmer, haute die Finger auf seinen Laptop, kochte sich Kaffee oder spielte Lego mit Niklas. Ganz selten kam er zu mir ins Zimmer und bewunderte meine neuen Zeichnungen. Ich liebte ihn. Er war toll. Mein Vater arbeitete als Sekretär in einer Grundschule und war meistens noch bis spät abends dort, und meine Mutter war Kindergärtnerin, allerdings nur bis mittags. Ich seufzte, stand auf und rief meinen Bruder zum Essen.
@IceyFox: Nevermind, war doch nicht böse gemeint, und vielen dank 😘
OH NEIN NEIN NEIN
SORRY FÜR DAS WAS ICH IHM LETZTEN PART GESAGT HAB 😔
WOWOWOWOOWOWOWOWWOWWOWOOWOW 😻😻😻😻
Ich liebe deine Geschichten über alles! Du machst das soooooooooooooo... super!
LG
Miley 🫶🏻🫧🫂
@Gast: 😝 hahaha
Du solltest Autorin werden 🤩🤩🤩🤩🤩
Danke!!!
Mein Papa heist Marcus
Wie kannst du nur so gut schreiben?! OMG Es ist sooo gut💝👑✨
GGGGGGLGGGG Emi🎇💐🫧
Tolles ( Buch 📕) 🥳🥳 hab es sofort gelesen