Eure Geschichten

Weihnachten im Drachendorf | Teil 2

Henry und Alma

Also machten sich Droska und Volcana auf, um die Menschen zu finden. Droska erinnerte sich, dass seine Oma ihm einmal erzählt hatte, wo sich das nächste Menschen-Dorf befand. Tatsächlich dauerte es nur eine Flugstunde, bis die beiden Drachen aus der Luft die verschneiten Dächer des Dorfes erspähten. „Da ist es!“, rief Droska gegen den Wind. „Ich würde sagen, wir verhalten uns unauffällig und-“  

Ein lauter Schrei zerriss die Stille. „Ahhhhhh!! Ein Drache!! Henry, siehst du das?“ Ein Mädchen mit langen schwarzen Haaren zeigt mit dem Finger auf Droska. Doch sie wirkte weder ängstlich noch wütend. Nein, ihre Augen waren weit aufgerissen vor Freude und sie hüpfte auf und ab. Droska und Volcana wechselten einen Blick. Mit dieser Reaktion hatten sie nicht gerechnet. Es schien jedoch ungefährlich zu landen.  

Kaum erreichten sie den Boden, kam das Mädchen keuchend vor ihnen zum Stehen. Hinter ihr stand ein großer, rothaariger Junge, der Droska und Volcana neugierig beäugte. „Ich wusste es! Ich.wusste.es! Meine Oma hat immer gesagt, dass es euch noch irgendwo da draußen gibt. Alle haben sie für verrückt gehalten, aber ICH WUSSTE ES!“ Sie strahlte. Droska und Volcana grinsten zurück. „Ich bin übrigens Alma. Das ist Henry.“ Sie deutete auf den Jungen hinter ihr. „Und wer seid ihr?“  
„Ich bin Droska und das ist Volcana“, stellte Droska die beiden vor. „Wahnsinn! Ihr müsst mir unbedingt alles erzählen. Ist es wahr, dass-“ „Ich verspreche, dass ich dir alles erzähle, was du wissen willst“, lachte Volcana. „Aber erstmal müssen wir dringend etwas erledigen. Könnt ihr uns dabei helfen?“  

Sie erklärte Alma und Henry den Plan. Die beiden schauten sich einen Moment an, als würden sie ein stilles Gespräch führen. Dann wandten sie sich gleichzeitig zurück zu den Drachen und riefen wie aus einem Mund: „Ihr könnt sowas von auf uns zählen!“ 

Ein großer Irrtum

Alma und Henry führten Droska und Volcana zu dem Haus von Almas Oma. Die alte Dame war ganz aus dem Häuschen, als sie die Drachen entdeckte. Almas Oma hatte selbst immer Geschichten über die Drachen zum Einschlafen gehört und immer fest daran geglaubt, dass sie wahr waren. Natürlich erklärte sie sich sofort bereit, Droska und Volcana das Plätzchenbacken beizubringen.  

„Es ist so schade, dass wir nicht mehr alle gemeinsam zusammenleben können“, sagt Droska wenig später, als er gerade den Plätzchenteig ausrollte. „Wieso hassen die Menschen uns nur so?“ Henry sah ihn verwirrt an. „Wieso denkst du, dass wir euch hassen? Wir wissen doch gar nichts über euch. Ich glaube, jeder in diesem Dorf würde euch so cool finden, wie wir. Vielleicht haben unsere Vorfahren euch vor 500 Jahren gehasst, aber wir sicherlich nicht mehr. Vor allem nicht, wenn ihr uns mit den erneuerbaren Energien helfen könnt.“ Droska sah ihn staunend an. „Na, worauf warten wir dann noch?“, rief er aufgeregt. „Volcana und ich fliegen zurück ins Drachendorf und holen die anderen Drachen! Und dann können wir alle gemeinsam Weihnachten feiern!“  

Zurück ins Drachendorf 

Eifrig machten sich Droska und Volcana auf den Weg zum Drachendorf. Sie würden den anderen Drachen erzählen, wie nett die Menschen waren und dann alle gemeinsam Weihnachten feiern. Droska konnte sein Glück kaum fassen: Er könnte so richtig Weihnachten feiern, so, wie Oma Drachhilde es ihm erzählt hatte! „Die Menschen waren so toll, oder? Die anderen Drachen werden sie genauso sehr mögen wie wir!“, rief Droska seiner Freundin zu, die den ganzen Flug über noch nichts gesagt hatte. „Naja, Droska...meinst du wirklich, dass die anderen Drachen mitkommen werden? Die Menschen hassen uns zwar nicht, aber die Drachen hassen die Menschen. Denk doch mal daran, wie schlecht sie über die Menschen reden.“  

Daran hatte Droska noch gar nicht gedacht. Die Menschen hatten die Drachen gejagt. Das hatten die meisten Drachen im Dorf noch nicht vergessen. Einige von ihnen hatten es sogar miterlebt. Selbst seine Mama, die damals gar nicht gelebt hatte, hegte einen Hass gegen die Menschen. Nur weil sie Geschichten über sie gehört hat. „Findest du nicht, dass es Zeit für uns ist, sich wieder mit den Menschen zu versöhnen?“, fragte Droska Volcana. Inzwischen waren sie so weit geflogen, dass sie das Drachendorf schon sehen konnten. „Das finde ich auch. Wie kann man über andere urteilen, die man gar nicht kennt? Die Menschen, die uns gejagt haben, gibt es längst nicht mehr. Ich finde, die Drachen können den Menschen eine zweite Chance geben. Sie können ja schließlich nichts dafür.“ Droska qualmte vor Wut. Das war alles so unfair! 

„Also los, Volcana! Lass uns die Drachen und Menschen wieder zusammenbringen!“, rief Droska voller Freude. Sie würden es schaffen, dachte er sich, Weihnachten wird die Drachen und Menschen wieder vereinen!   

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