Andere Länder

Ein Fest­es­sen! - Weih­nach­ten in Frank­reich

Girlanden und sapin de noël

Wenn Jérôme an die Vorweihnachtszeit in Frankreich denkt, kommen ihm als erstes bunte und glitzernde Girlanden in den Sinn. Die werden Anfang Dezember überall in der Stadt aufgehängt. Aber nicht nur die Stadt, sondern auch die Wohnzimmer werden schon lange vor Weihnachten festlich geschmückt. Auch hier dürfen Girlanden natürlich nicht fehlen. Eine Woche vor Weihnachten wird der Weihnachtsbaum (sapin de noël) gekauft, der im Wohnzimmer aufgestellt wird. Jérôme war beim Aussuchen des Baumes immer dabei und hätte am liebsten jedes Mal den größten mit nach Hause genommen.

Joyeux Noël!

Am Abend des 24. Dezember kommt Jérômes Familie zusammen, um Weihnachten zu feiern. In Frankreich ist Weihnachten kein Feiertag, alle müssen bis abends arbeiten. Deshalb wird der Weihnachtsbaum schon einige Tage vor Weihnachten gemeinsam geschmückt. Bei uns in Deutschland schmückt man den Weihnachtsbaum oft tagsüber am 24. Dezember. Sobald die ganze Familie da ist, wünscht man sich Joyeux Noël! Das heißt „Frohe Weihnachten“ auf Französisch. Ausgesprochen klingt das ungefähr wie „Schoajö Noel“.

Eine Delikatesse: Schnecken

Das Festessen beginnt

Zu Beginn des Festessens gab es für die Kinder jedes Jahr eine besondere Weihnachtsbrause, um mit den Erwachsenen anzustoßen, erinnert sich Jérôme. Danach geht es auch schon los mit der wichtigsten Sache zu Weihnachten in Frankreich: Dem Essen!

Auf dem festlich dekorierten Weihnachtstisch stehen kleine Vorspeisen wie Oliven, Chips und Erdnüsse. Jérôme weiß noch genau, wie seine Eltern die Kinder jedes Jahr davor gewarnt haben, nicht zu viel von den Kleinigkeiten zu essen. Denn man brauchte ja noch Platz im Bauch für das ganze andere Essen. Als erster Gang werden Austern und Gänseleber serviert. Jérôme mochte beides überhaupt nicht als Kind. Deshalb hat seine Oma für alle Kinder extra einen Tag vor Weihnachten Lachs geräuchert. Der ist bis heute etwas ganz Besonderes in Jérômes Familie. Jedes Mal, wenn Jérôme davon erzählt, läuft ihm das Wasser im Mund zusammen.

Der nächste Gang ist eine weitere Delikatesse in Frankreich: Schnecken. Für dieses Gericht gibt es sogar einen besonderen Teller mit Mulden und kleine Zangen. Danach gibt es Truthahn mit Maronen. Das sind Esskastanien, die man bei uns auf dem Weihnachtsmarkt kaufen kann. Meistens ist es nach dem Truthahn schon fast 22 Uhr und alle müssen sich beeilen, um rechtzeitig zur Messe zu kommen.

Zeit für die Nachspeisen

Wieder zurück von der Messe ist es nun schon fast Mitternacht. Da das Weihnachtsessen aber der Höhepunkt des Weihnachtsabends in Frankreich ist, kann das Essen einige Stunden dauern und alle Kinder dürfen bis spät in die Nacht aufbleiben. Als erste Nachspeise isst man Käse und Früchte. Das klingt für euch bestimmt ein bisschen komisch - Käse als Nachspeise. Bei den Franzosen ist das aber ganz üblich. Frankreich ist bekannt für seinen besonders leckeren Käse. Jérôme fand den Käse trotzdem nie besonders lecker.

Er vertrieb sich deshalb die Zeit bis zur süßen Nachspeise damit, Papillote zu essen. Papillote bedeutet Bonbonpapier auf Französisch. Papillote sind kleine Schokobonbons in Gold- oder Silberpapier gewickelt. Sie liegen überall auf  dem Tisch und im Rest der Wohnung verstreut. In jedem Bonbon findet man eine kleine Nachricht, ein Zitat, einen Witz oder sogar einen kleinen Feuerwerkskörper. Die Geschichte besagt, dass die Papillote um 1800 erfunden wurden. Ein junger Schreiber schickte kleine Nachrichten an die Frau, in die er verliebt war.

Dann endlich wird der Bȗche de noël gegessen. Bȗche de noël bedeutet Weihnachtsbaumstamm. Meistens besteht er aus Schokoladenbuttercreme oder Eis und wird z.B. mit Pilzen aus Zuckerguss verziert. In Frankreich war es früher üblich, zu Weihnachten einen Scheit im Kamin zu verbrennen. Irgendwann gab es keine großen Öfen mehr und so wurde die Weihnachtsnachspeise in Form eines Baumstammes erfunden.

Tausend Geschenke vom Himmel

Nach dem Essen geht es nun endlich um die Geschenke. Jérôme erinnert sich genau, wie er die Uhr keine Sekunde aus den Augen gelassen hat. Denn um Mitternacht kommt der Weihnachtsmann. Damit er aber auch wirklich kommt, muss man ihn rufen. Das macht man in Frankreich mit dem Weihnachtslied „Petit Papa Noël“. Übersetzt bedeutet das „Kleiner Weihnachtsmann“. Das Lied handelt davon, dass der Weihnachtsmann mit tausend Geschenken vom Himmel kommt. Man bittet ihn darum, nicht zu vergessen, in den Schuhen Geschenke dazulassen. Jérôme war immer wahnsinnig aufgeregt, wenn es dann endlich an der Tür klopfte und der Weihnachtsmann die Geschenke brachte.

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Sehr interressant und ausführlich geschrieben. Außerdem gut für die jüngeren erklärt.
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