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Ist In­flu­en­cer ein Traum­be­ruf?

Erzähl uns über deine Zeit als YouTuber! Wie bist du berühmt geworden?

Oguz: Ich habe 2006 mit YouTube angefangen, als die Plattform noch ganz am Anfang war. Ich war 15 und habe mit zwei Freunden neben der Schule kurze Comedy-Videos gedreht. Die luden wir auf unserem Kanal „Ytitty“ hoch. Irgendwann bekamen wir so unsere ersten Fans.

Nach der Schule sind wir nach Köln gezogen. Wir hatten schon 100.000 Abonnenten. Ab 2009 konnte man mit YouTube Geld verdienen. Wir haben angefangen, alles professioneller zu machen und wöchentlich Videos hochzuladen. Außerdem haben wir nicht mehr nur Sketche und Parodien, sondern auch Musik produziert. Der Kanal wurde immer größer, bis wir dann über 2 Millionen Abonnenten hatten. Da waren wir nicht mehr nur zu dritt: Zu unserem Team gehörten auch Kameraleute und Buchhalter. Und dann haben wir ein Album gemacht und sind sogar auf Tour gegangen.

Wieso habt ihr euch dazu entschlossen mit YouTube aufzuhören?

Oguz: Wir waren 10 Jahre lang YouTuber und wirklich von Anfang an mit dabei. Irgendwann kam der Zeitpunkt an dem wir gesagt haben: Jetzt ist Schluss. Wir wollten nicht, dass Ytitty in Erinnerung bleibt als die, die nicht aufhören konnten.

Meine beiden Freunde stehen weiterhin vor der Kamera. Phil hat sogar in einigen Kinofilmen mitgespielt. Ich mag es eher hinter der Kamera. Ich habe eine Agentur gegründet und manage und berate YouTuber, Instagrammer und einige Marken. Zum Beispiel achte ich darauf, dass sie nicht zu viel Geld verschwenden, weil sie sich in der Branche nicht auskennen.

Was ist überhaupt ein Influencer?

Oguz: Vom Begriff her sind das Menschen, die Einfluss auf andere nehmen. Das sind aber nicht automatisch alle YouTuber. Influencer haben wirklich Einfluss auf ihre Zuschauer und interagieren mit ihnen. Sie empfehlen Produkte oder wollen ihre Zuschauer dazu bringen zum Beispiel eine wohltätige Organisation zu unterstützen. Die Leute legen Wert auf die Meinung dieser Person.

Würdest du dich selbst noch als Influencer bezeichnen?

Oguz: Ich lege zwar keinen Wert mehr darauf – aber ja, ich finde, dass ich immer noch ein bisschen Influencer bin. Wenn ich von einer Kamera rede, die ich mir selbst gekauft habe und persönlich richtig gut finde, kaufen sich meine Zuschauer diese Kamera manchmal auch. Ich habe also anscheinend noch Einfluss. Ich denke, dass das noch von früher kommt. Ich würde mich eigentlich eher als Influencer für Influencer bezeichnen. Ich manage sie und gebe viele Ratschläge. Hinter der Kamera habe ich also noch großen Einfluss.

Ist Influencer ein Traumberuf?

Oguz: Wir waren damals die ersten großen YouTuber in Deutschland. Die Ersten, die 1 Millionen Abonnenten hatten, die Kooperationen eingegangen sind, die ein Album und sogar eine Tour gemacht haben. Irgendwann haben Zeitschriften wie die BRAVO immer geschrieben, dass YouTuber ein Traumberuf ist. Wir haben darum gebeten, dass das nicht geschrieben wird. Aber damals fanden alle diese Vorstellung so toll und es wurde weiter befeuert. Es ist so: Ins Fernsehen kommen die meisten Leute nur durch Kontakte und Geld. Kreativität hat da nicht mehr viel zu bedeuten. Alles ist gescripted und künstlich erschaffen.

Im Internet darf jeder seine Videos und Bilder teilen. Ich finde, soziale Plattformen sind eine tolle Möglichkeit, sich kreativ auszuleben. Das gab es früher noch nicht. Für Leute, denen das wirklich Spaß macht, ist das eine super Chance. Aber die Wenigsten werden auch wirklich berühmt. Ich hoffe dieser Glaube, dass YouTuber ein Traumberuf ist, geht irgendwann weg. Viele denken nicht an die Nachteile. Man kann zum Beispiel nicht mehr einfach nach Hause gehen, ohne darauf zu achten, dass einem niemand folgt.  

In den letzten Jahren sind immer mehr jüngere Kinder im Internet berühmt geworden. Was hältst du von den sogenannten Kinderinfluencern?

Oguz: Ich finde das überhaupt nicht gut. Ich habe schon Bedenken, wenn sich ganz junge Mädchen und Jungen auf YouTube und TikTok eine große Reichweite aufbauen. Vielen Kindern ist nicht bewusst, was ins Internet gehört und was nicht. Das Internet vergisst nie! Ich denke, es ist auch die Schuld der Anbieter. Sie kommen den Kinder- und Jugendschutzgesetzen nicht nach. Es müsste sichergestellt werden, dass Plattformen wie YouTube oder Instagram nicht so einfach für Kinder zugänglich sind.

Ab welchem Alter ist es unbedenklich, sich auf YouTube zu präsentieren?

Oguz: Ich kann nicht sagen, dass das perfekte Alter 18 ist, denn ich habe selbst mit 15 Jahren angefangen. Da mittlerweile alle von klein auf Zeit im Internet verbringen, sind sich Jugendliche immer früher bewusst, was da alles so abgeht. Ich kann mir vorstellen, dass man mit 15 schon relativ vernünftig ist.

Wenn Jugendliche sich dafür entscheiden, einen YouTube-Kanal zu haben – welche Tipps hast du für sie?

Oguz: Mein Haupttipp ist, nichts ins Internet zu stellen, was du nicht auch deinen Freunden schicken würdest. Letztendlich werden es nämlich viel mehr Leute sehen. Nur weil etwas nicht mehr auf einer Seite existiert, weißt du nie, ob nicht doch jemand das Foto oder Video irgendwo gespeichert hat.
Man sollte außerdem nicht das Ziel haben, Influencer und berühmt zu werden. Das ist nicht die richtige Herangehensweise. Die Reichweite kommt ja automatisch, wenn du tust, was dir gefällt und was dir Spaß macht. Wenn man gerne Fotos oder Videos macht, dann sollte man das auf jeden Fall auch machen. Ich finde es toll, wenn jemand sich traut, sich vor die Kamera zu stellen. Aber man sollte nicht versuchen das nachzumachen, was alle anderen auch machen. Exakt dasselbe will ja keiner sehen. Überlege immer, was du anders machen kannst. Wie kannst du dich von der Masse absetzen? Die wichtigste Sache ist aber, dass man Spaß an der ganzen Sache hat. Wenn man irgendwann damit Geld verdienen kann, ist das schön, aber das sollte nicht das Ziel sein.

Vielen Dank für das Interview!

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