Medien

Vielfalt im Film: Vor und hinter der Kamera

Wer wird gezeigt – und wer nicht?  

Unsere Gesellschaft ist sehr vielfältig. Wir unterscheiden uns, was Hautton, Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung, Religion und Einkommen angeht – und noch vieles mehr. Trotzdem haben die Hauptfiguren vieler Filme und Serien ähnliche Eigenschaften.  

Viele Minderheiten unserer Gesellschaft werden nicht so häufig gezeigt. Das erklärt eine Studie, in der deutsche Filme analysiert wurden. Obwohl etwa 25 % der deutschen Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat, haben nur 15 % der Hauptfiguren einen. Und obwohl etwa 10 % der Deutschen sich als nicht-heterosexuell bezeichnen, tun das nur 3 % der Hauptpersonen. Dabei ist es wichtig, die Vielfalt der Gesellschaft abzubilden.

Wessen Sichtweise zeigen Filme?

Dass der Filmindustrie diese Vielfalt fehlt, liegt daran, dass sich oft die gleichen Menschengruppen die Geschichten ausdenken. Viele andere Gruppen der Gesellschaft werden wenig an Filmen beteiligt. Ein Beispiel: 2024 wurden nur etwa 20 % aller Netflix-Filme von Frauen produziert.  

Wenn Filme nur von bestimmten Gruppen gemacht werden, fehlen häufig andere Sichtweisen. Es kann auch dazu kommen, dass gesellschaftliche Vorurteile gegenüber bestimmten Menschen in Filmen oder Serien wiedergegeben werden. Dann sind Filme voller Klischees.  

Frauenrolle in Filmen?

Vorurteile in den Blick nehmen wollte auch die amerikanische Comic-Zeichnerin Alison Bechdel. Sie merkte, wie oft nur Männer im Mittelpunkt von Filmen stehen. Außerdem fiel ihr auf: Wenn Frauen vorkamen, waren sie oft nur da, um sich in die Hauptperson zu verlieben. Sie entsprachen fast alle dem Schönheitsideal und erfüllten Vorurteile. Damit werden Frauen aber viel weniger komplex und vielseitig gezeigt, als sie eigentlich sind. Deshalb dachte sich Alison Bechdel vor über 50 Jahren einen kleinen Test aus. Noch heute wird er genutzt, um die Frauenrolle in Filmen zu analysieren.  

Damit ein Film den Bechdel-Wallace-Test besteht, muss er diese drei Dinge erfüllen:

  1. Es gibt mindestens zwei weibliche Charaktere mit einem Namen.
  2. Die beiden Charaktere reden miteinander.
  3. Ihr Gespräch ist nicht über Männer.

Hört sich ziemlich einfach an, oder? Tatsächlich bestanden im Zeitraum 1980-2019 nur rund die Hälfte der 1200 beliebtesten Hollywood-Filme diesen Test. Das ergab 2022 eine Studie. Diese berühmten Kinderfilme sind durchgefallen: “Toy Story”, “Pocahontas”, “Ratatouille” und “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 2”.    

Warum ist Vielfalt in Filmen wichtig?

Filme können stark beeinflussen, wie wir denken und die Welt wahrnehmen. Sie zeigen uns vieles, was wir selbst nicht kennen. Fremde Länder, aufregende Berufe und unterschiedliche Menschen. Das ist oft spannend und bereichernd. Durch negative, falsche oder fehlende Abbildungen kann aber auch die echte Welt verzerrt werden. Dadurch können Menschen Vorurteile entwickeln. Die Vorurteile von den Menschen die Filme machen, werden quasi vom Publikum übernommen.  

Verschiedene Charaktere zu zeigen, kann das Gegenteil bewirken.  So können sich Zuschauende informieren. Außerdem können Minderheiten mehr Sichtbarkeit in der Gesellschaft bekommen und sich in Filmcharakteren wiedererkennen.

Was muss passieren?

In der letzten Zeit hat sich die Vielfalt in Filmen und Serien ziemlich verbessert. Viele neuere Filme und Serien zeigen: Wenn die Menschen hinter den Kulissen vielfältig sind, sind es in der Regel auch die Filmcharaktere. Die Menschen an Filmschulen haben verschiedene Hintergründe. Ihre Erfahrungen können sie mit in Filme einbringen. Es gibt auch Organisationen, die Minderheiten in der Filmindustrie unterstützen wollen. Eine komplett faire Verteilung von Filmrollen und Rollen beim Filmemachen gibt es aber noch lange nicht.  

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