Natur und Mensch

Un­se­re Fra­gen an die „Num­mer ge­gen Kum­mer“

Wie bist du dazu gekommen, bei der Nummer gegen Kummer" zu arbeiten?

Jeanine: Ich war noch Schülerin als ich das erste Mal von der Möglichkeit gehört habe, sich als ehrenamtliche Beraterin bei der „Nummer gegen Kummer“ ausbilden zu lassen. Für das Angebot „Jugendliche beraten Jugendliche“ am Kinder- und Jugendtelefon wurden Jugendliche im Alter von 16-21 Jahren gesucht. Sie sollten gut zuhören können, gerne telefonieren und empathisch sein. Zusammen mit anderen Mitschülern habe ich mich beworben und kurz darauf die Ausbildung gestartet.

 

Wie viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gibt es denn?

Jeanine: Aktuell arbeiten rund 3.300 ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in ganz Deutschland an unseren Beratungsangeboten Kinder- und Jugendtelefon, Elterntelefon und Email-Beratung.

 

Wie viele Kinder und Jugendliche rufen pro Tag an?

Jeanine: Im Durchschnitt gehen am Kinder- und Jugendtelefon täglich rund 1.130 Anrufe ein. In der Email-Beratung erreichen uns am Tag zusätzlich rund 40 Nachrichten.

 

Wie gehst du bei einem Anruf vor? Gibt es eine Anleitung?

Jeanine: Eine Anleitung gibt es in dem Sinne nicht, dazu sind die Gespräche viel zu individuell. Aber wir haben in der Ausbildung Techniken zur Gesprächsführung gelernt. Dazu gehört zum Beispiel jedem und jeder Anrufer*in wertschätzend und einfühlsam zu begegnen, ihm oder ihr aktiv zuzuhören und das Gefühl zu geben, ihn oder sie zu verstehen. Unsere Beratung kann als Hilfe zur Selbsthilfe gesehen werden. In dem gemeinsamen Gespräch versuchen wir, eine Lösung für das jeweilige Problem zu finden. Wir geben also keine Anweisungen oder konkrete Ratschläge, sondern erarbeiten gemeinsam mit jedem Anrufenden eine Lösung.

 

Was ist das häufigste Problem, weshalb Kinder bei der „Nummer gegen Kummer“ anrufen?

Jeanine: Die Anliegen, mit denen sich die Kinder und Jugendlichen an uns wenden, umfassen die unterschiedlichsten Probleme. Häufige Anrufanlässe sind zum Beispiel psychische Probleme oder auch Einsamkeit, Fragen zur Sexualität und Liebe oder auch Probleme in der Familie und in der Schule.

 

Warum ist die Nummer gegen Kummer wichtig für Kinder und Jugendliche?

Jeanine: „Mit meinen Eltern kann ich darüber nicht reden“, ist ein Satz, den wir immer wieder hören. In vielen Familien fehlt die gemeinsame Zeit für Gespräche, viel zu oft werden Kinder heute mit ihren Problemen allein gelassen. Unsere Beratungsangebote bieten Hilfe, wenn Kinder keinen  Ansprechpartner haben. Oder wenn das Vertrauen zu Eltern, Freunden, Verwandten oder Lehrern nicht ausreicht. Kinder können anonym bei uns anrufen. Die Vertraulichkeit bietet ihnen den nötigen Raum, um auch über peinliche Themen sprechen zu können.

 

Wie verarbeitest du die ganzen Geschichten, die jeden Tag auf dich einströmen?

Jeanine: Um die gehörten Geschichten verarbeiten zu können, gibt es regelmäßige Supervisionen. Das sind Treffen, in denen sich das Beraterteam über besondere und auch besonders schwierige Telefonate austauschen kann (natürlich ohne Namen zu nennen). Es entlastet einen, von anderen Beratern zu hören, dass sie genauso reagiert hätten.

 

Möchtest du gerne noch etwas hinzufügen?

Jeanine: Jedes Kind hat das Recht, sich zu informieren, sich mitzuteilen und gehört zu werden.

 

Vielen Dank für das Interview!

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Eure Kommentare

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Gutes Interview!😜👍🏻
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Ich finde es toll das es so etwas gibt und alle Kinder aus Europa dort anrufen können.
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 So ist das sehr gut.    Warum verstehen das nicht auch mal die anderen Leute? Dann wäre es noch besser.  
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 Ich habe da auch mal angerufen. Allerdings hätte dir mehr Fragen stellen sollen die für Kinder relevant sind und nicht ausschließlich/überwiegend Fragen die den Berater/die Beraterin betreffen! Danke!