Natur und Mensch

Was macht ei­ne Psy­cho­the­ra­peu­tin?

Was ist Psychotherapie?

Michelle: In einer Psychotherapie werden seelische Erkrankungen behandelt. Man kann sich das ungefähr so vorstellen, als wären die Gefühle krank. Denn die spielen dabei meistens eine ganz große Rolle. Entweder hat man zu viel oder zu wenig von einem Gefühl. Ein Gefühl kann zum Beispiel Angst sein. 

Mit welchen Problemen kommen Patientinnen und Patienten zu dir? 

Michelle: Patientinnen und Patienten kommen dann, wenn sie merken, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Also wenn es etwas gibt, worunter sie leiden. Manchmal können sie das gar nicht so genau sagen. Selbst wenn jemand ganz traurig ist, spürt er manchmal nicht, dass er traurig ist. Er hat nur das Gefühl, die Welt ist nicht mehr so in Ordnung. Vielleicht merkt er, dass ihm viele Dinge nicht mehr so richtig Spaß machen, aber er kann das gar nicht einordnen. Dann kommen sie oft in eine Therapie. 

Wie läuft eine Therapiestunde bei dir ab? 

Michelle: Eine Therapiestunde dauert 50 Minuten. Die Patientinnen und Patienten kommen immer einzeln zu mir. In einer Therapiestunde wird die meiste Zeit gesprochen. Manchmal werden auch Übungen zusammen gemacht. Oft gibt es kleine Hausaufgaben. Das kann zum Beispiel sowas sein wie ein Tagebuch schreiben oder etwas ausprobieren, was man sich bisher nicht getraut hat, zum Beispiel jemanden ansprechen. Diese Hausaufgaben werden dann in einer Therapiestunde auch besprochen. 

Was machst du, wenn gerade keine Patientin oder kein Patient da ist? 

Michelle: Wenn gerade keine Patienten da sind, gibt es viele Dinge zu tun. Und zwar alles, was organisatorisch in einer Praxis anfällt. Das sind Sachen wie zum Beispiel Patienten anrufen, E-Mails beantworten und Briefe schreiben. Ganz viel Papierkram. 

Was magst du an deinem Beruf besonders? 

Michelle: Ich mag es, dass ich mit Menschen zusammenarbeite. Worüber ich mich ganz besonders freue, ist, wenn es jemandem gelingt, in seinem Leben etwas so zu verändern, dass er sich besser fühlt. Obwohl es vorher vielleicht sehr schwierig war und derjenige den Eindruck hatte, dass sich sein Problem nicht lösen lässt. Wenn er es dann aber gewagt hat, doch etwas zu verändern und sich alles zum Guten entwickelt, das macht mir sehr viel Freude. 

Wie wird man Psychotherapeutin oder Psychotherapeut? 

Michelle: Um Psychotherapeutin oder Psychotherapeut zu werden, muss man Psychotherapie studieren. Danach, ähnlich wie bei den Ärzten, absolviert man auch noch mal eine Ausbildung oder eine Weiterbildung im Krankenhaus oder auch in einer Praxis. Dort führt man Patientenbehandlungen durch, bevor man dann am Ende Psychotherapeutin oder Psychotherapeut ist. 

Was sollte man gut können, um Psychotherapeutin oder Psychotherapeut zu werden? 

Michelle: Ich denke, man sollte sich gerne mit anderen Menschen beschäftigen. Man sollte sehr geduldig sein und gut zuhören können. Es sollte einem Spaß machen, viel zu denken. 

Arbeitest du auch mit Kindern oder Jugendlichen? 

Michelle: Ich arbeite nur mit Erwachsenen. Um mit Kindern und Jugendlichen arbeiten zu können, müsste ich eine Zusatzausbildung machen. Es gibt Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten, die auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen spezialisiert sind. 

Was ist der Unterschied zwischen Psychotherapeuten und Psychiatern? 

Michelle: Psychotherapeuten arbeiten rein psychotherapeutisch. Das heißt, sie führen nur Gespräche und Übungen mit den Patienten durch. Psychiater sind Ärzte. Die haben Medizin studiert und eine andere Ausbildung. Psychiater sind diejenigen, die auch Medikamente verschreiben dürfen und die sich mit Medikamenten auskennen. Das macht ein Psychotherapeut nicht. 

Wie kann Psychotherapie Menschen helfen? 

Michelle: Psychotherapie hilft Menschen, indem sie ihnen Möglichkeiten oder einen Weg zeigt, das zu erreichen, was jemand gerne erreichen möchte. Also wenn jemand sich zum Beispiel davor fürchtet, alleine mit dem Fahrstuhl zu fahren. Dann kann er in der Psychotherapie lernen, wie er mit dieser Angst umgehen kann und wie er es schaffen kann, trotz der Angst Fahrstuhl zu fahren. Und dabei zu erleben, dass ihm nichts passiert. Und selbst dann, wenn der Fahrstuhl einmal stecken bleiben sollte. 

Vielen Dank für das Interview! 

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