Eulensterns Weg, Teil 2
Der Geruch nach Früchten und Beeren
Eulenpfote sah sich um, sie hatte das Gefühl, dass die Bäume, an denen sie vorbeigingen, immer größer wurden. Sie wusste aus den Geschichten der Ältesten, dass die Bäume im TropenClan größer waren als sonst irgendwo auf der Insel. Ein paar Schwanzlängen weiter lag ein umgestürzter Baum. Neben ihm blieb Donnerglanz stehen. Der goldene Kater zeigte mit der Schwanzspitze auf den Baumstamm: „Hier sind unsere Grenzen zum TropenClan un-" „Was riecht denn hier so?“, unterbrach ihn Pollenpfote. „Was meinst du?“, fragte Donnerglanz verwundert. „Na dieser süßliche Geruch“, beharrte die helle Schülerin. „Ach das, der TropenClan ernährt sich nicht nur von Mäusen und Vögeln, sondern auch von Früchten und Beeren. Uns fällt dieser Geruch gar nicht mehr so auf“, erklärte Meisenherz freundlich.
Eulenpfote sah erstaunt ins Territorium des TropenClans hinüber. Sie hatte noch nie davon gehört, dass Katzen Früchte oder Beeren fressen. „Warum machen wir das nicht? Wenn uns mal Frischbeute fehlt, können wir doch auch Beeren pflücken“, schlug Pollenpfote vor. „Das ist eine sehr gute Idee“, miaute Donnerglanz anerkennend, „aber wir haben nicht genug Beeren im Wald und die, die wir haben, braucht Grauwolke für seinen Kräutervorrat.“
Drei Katzen aus dem Unterholz
Während er redete warf Eulenpfote einen genaueren Blick über die Grenze. An den Stämmen der Bäume rannten sich Lianen in den Himmel. Auf feuchtem Boden wuchsen unzählige Pflanzen in den unterschiedlichsten Formen und Größen. Plötzlich funkelten sie Augenpaare aus den Büschen aus an. Vor Schreck sprang sie einen Schritt zurück. In dem Moment schlichen drei Katzen aus dem Unterholz und bauten sich knurrend auf der anderen Seite des Baumstamms auf.
Papageienflug, Tropfenkralle und sein Schüler Geckopfote sahen sie feindselig an. „Was macht ihr hier?“, knurrte Tropfenkralle. „Spioniert ihr etwa?“, fauchte Papageienflug leise. „Warum sollten wir spionieren?“, fragt Donnerglanz ruhig. „Was weiß ich, ihr elenden Wasserkatzen!“, antwortete Papageienflug zischend. Geckopfote peitschte mit dem Schwanz und bevor Eulenpfote reagieren konnte, hatte er sich auf sie gestürzt.
Kurz zögerte Tropfenkralle und schien ihn zurückrufen zu wollen, überlegte es sich aber anders und sprang hinter seinem Schüler über den Baumstamm. Er landete auf Donnerglanz und krallte sich fest. Eulenpfote rangte mit Geckopfote, bis sich der cremefarbene Kater von hinten auf sie stürzte und sie umwarf. Er landete auf ihr und presste ihr die Luft aus den Lungen. Instinktiv machte Eulenpfote sich schlaff. Als er von ihr abließ, schlängelte sie sich unter ihm heraus und sprang weg. Der pummelige Schüler setzte ihr fast augenblicklich nach, war aber deutlich langsamer als sie.
Rivalitäten auf der Insel
Sie sah Pollenpfote auf sich zukommen und drehte sich zusammen mit ihr um. Fast gleichzeitig fuhren sie die Krallen aus und drängen Geckopfote zurück zur Grenze. Murrend sprang er über den Baumstamm in sein Territorium. Hinter sich hörten die beiden Donnerglanz mit Tropfenkralle kämpfen. An seiner anderen Seite jagte Meisenherz Papageienflug zurück über die Grenze. Dort blieb er stehen und knurrte bis er ihn zusammen mit Geckopfote im Unterholz verschwinden sah. Als Tropfenkralle bemerkte, dass er alleine im fremden Territorium war, fauchte er Donnerglanz noch ein letztes Mal an und lief dann seinen Clangefährten hinterher.
„Geht es euch gut?“, wollte Donnerglanz als erstes wissen. „Ja“, miaute Pollenpfote. Eulenpfote schnupperte an einer Wunde an ihrem Bein und stellte erleichtert fest, dass es nichts ernstes war. „Wir gehen zum Lager zurück, dann kann Grauwolke euch untersuchen“, miaute Meisenherz bestimmt. „Aber uns geht es gut“, widersprach Eulenpfote schnell. „Keine Widerrede!“, erwiderte Donnerglanz.
Zusammen liefen sie zum Lager zurück. Vorne unterhielten sich Donnerglanz und Meisenherz leise: „Wenn das so weiter geht, wird jeder Clan auf der Insel gegen uns sein.“ Diese Worte jagten Eulenpfote einen Schauder über den Rücken und sie hörte lieber nicht weiter zu.