Eure Geschichten

Herzen aus Papier - Kapitel 3

Kapitel 3: Mattis

Mutig sein, obwohl man Angst hat

Mattis war groß. Also nicht so riesig wie Papas Freund Holger, aber viel größer als Sophie. Und erst recht größer als ich. Als er oben im Baumhaus ankam, musste er sich ein bisschen ducken, weil seine Haare sonst an die Decke gestoßen wären. Ja, er war tatsächlich älter als Sophie und ich. Vielleicht 14 oder so. Aber das störte mich nicht.

„Hi“, sagte er und lächelte schief. „Du bist wohl Mia, oder?“

Ich nickte und fühlte, wie meine Wangen rot wurden. „Ja. Ich bin neu hier. Wir sind erst vorgestern eingezogen.“

„Hab ich gesehen. Euer Umzugswagen war riesig“, meinte er. „Und du hast beim Klettern gar nicht gezittert. Nicht schlecht“, sagte er und grinste.

„Ich hatte doch ein bisschen Angst“, sagte ich leise. „Aber ich wollte nicht, dass Sophie denkt, ich bin ein Angsthase.“

Mattis lachte. Es war kein böses Lachen. Mehr so, als hätte er verstanden. „Manchmal ist mutig sein, wenn man trotzdem was macht – obwohl man Angst hat.“

Sophie nickte. „So seh ich das auch.“

Holzherz schnitzen

Mattis setzte sich in die Ecke mit den Kissen. Er zog eine kleine Tüte aus seiner Hosentasche und hielt sie uns hin. „Gummibärchen? Die Guten. Die mit dem sauren Zucker.“

Ich griff mir schnell einen Roten. „Danke!“, sagte ich zu ihm und wir beide lachten.

Sophie nahm sich gleich zwei. Sie schaute ein bisschen ernst, aber ich wusste nicht warum.  „Mia hat übrigens noch nie geschnitzt“, sagte sie zu Mattis.

Mattis sah mich an. „Willst du mal? Ich hab mein Taschenmesser dabei. Ich kann dir zeigen, wie man einen kleinen Fisch macht. Oder ein Herz.“

Meine Augen wurden groß. „Echt? Aber darf ich das? Ich meine, ohne Mama?“

„Ich zeig’s dir nur. Du musst nicht gleich schnitzen“, sagte er. „Versprochen. Ich geb' das Messer nicht aus der Hand.“

„Okay“, flüsterte ich. Irgendwie war Mattis nett. Aber auch ein bisschen geheimnisvoll. Vielleicht war es das, was ihn interessant für mich machte. Ich fasste mehr Vertrauen zu ihm.

Draußen sein gegen Langeweile

Er holte ein Stück Holz aus seinem Rucksack und klappte vorsichtig das Messer auf. „So“, begann er. „Man nimmt das Messer in die eine Hand und das Holz in die andere. Immer weg vom Körper schnitzen. Nie zu sich hin. Sonst – zack! – Pflaster.“

Ich lachte, obwohl ich mir kurz in die Lippe biss. „Ich will kein Pflaster.“

„Dann ist gut, immer an deine Finger denken“, sagte Mattis. Er zeigte langsam, wie er kleine Späne vom Holz schnitt. Es roch ganz warm und ein bisschen nach Wald.

Sophie lehnte sich zurück und sah uns an. 

„Mattis kann fast alles. Der hat sogar mal eine Mini-Hütte aus Stöcken gebaut. Nur mit einer Schnur und einem Stockmesser!“

„Boah“, sagte ich. „Wie ein Waldabenteurer!“

„Ich bin halt oft draußen“, meinte Mattis. „Drinnen rumsitzen ist langweilig.“

Ich dachte an mein Zimmer, an meine Stofftiere, an das bunte Einhorn. Aber ich sagte nichts. Vielleicht fand Mattis das kindisch. Ich war oft drinnen gewesen, hatte mit meinem Tablet gespielt.

„Ich mag draußen sein“, sagte ich dann doch. „Aber ich mag auch mein Einhorn.“

Mattis grinste. „Ein Einhorn ist auch nicht schlecht. Wenn’s fliegen kann.“

Ich nickte. „Meins kann alles.“

Wir lachten.

Einfach bleiben

Dann war es kurz still. Nur ein Vogel hat gezwitschert. Die Sonne kam durch die Blätter und es war ganz warm im Baumhaus. Ich fühlte mich wohl. Nicht fremd. Nicht neu. Einfach gut mit meinen neuen Freunden.

„Ich mag’s hier“, sagte ich leise.

„Ich auch“, flüsterte Sophie.

„Dann bleib einfach, Mia“, sagte Mattis zu mir.

Und das klang nicht wie ein Befehl. Mehr wie eine Einladung. Eine richtig schöne.

Kapitel 4 folgt bald.....

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Ich lese jetzt direkt Teil 4 weil das einfach sooo gut ist! Ja, ich lese das jetzt erst obwohl es die schon lange gibt.