Highmoor - Die dunklen Geheimnisse Kapitel 11
Wo ist Leo?
Die Nacht in Highmoor hatte Zähne. Sie knabberte an meinem Mut, an jeder Vernunft, die ich noch hatte, und ließ nur das übrig, was in mir wie ein dumpfes, lautes Pochen schlug: Angst. Wir standen zu zweit in meinem Zimmer, Jules und ich, und starrten in die Dunkelheit, die der plötzliche Stromausfall hinterlassen hatte. Leo war einfach weg. Eben noch war er bei uns gewesen, hatte mit uns über alte Akten gesprochen, und jetzt… Nichts. Nur dieses gespenstische Gefühl, dass wir nicht allein waren. Jules klammerte sich an meinen Arm, ihr Griff war eiskalt. „Alyson… er… er war doch gerade noch hier.“
„Ich weiß“, flüsterte ich, obwohl meine Stimme mir kaum gehorchte. Ich spürte, wie mein Herz raste. Ich wollte rennen, schreien, aufwachen. Aber ich wusste: Das hier war kein Albtraum. Highmoor lebte. Und es sah uns zu.
Verschwunden
Ein Geräusch von irgendwo draußen im Flur ließ uns zusammenzucken. Ein dumpfes Knarzen, gefolgt von einem leisen, unregelmäßigen Klopfen. Wir tauschten einen Blick, dann nickten wir wortlos. Wir mussten Leo finden. Wir mussten. Die Tür knarrte leise, als ich sie öffnete, und ein kalter Luftzug strich mir sofort über das Gesicht. Der Flur war in schwaches Mondlicht getaucht, das durch die schmalen, alten Fenster fiel. Schatten krochen über die Wände, wie lebendige Finger, die nach uns griffen. Ich zwang mich, langsam zu atmen. Schritt für Schritt tappten wir über den kalten Boden, und jedes leise Knarren der Holzdielen ließ uns zusammenzucken.
„Denkst du… jemand hat ihn geholt?“ flüsterte Jules hinter mir.
Ich antwortete nicht. Aber ich dachte genau das.
Licht
Wir kamen in den südlichen Flügel des Gebäudes. Hier war es noch stiller, noch kälter. Die Türen der alten Zimmer standen schief in den Angeln, manche waren sogar zugenagelt. Ein Geruch von Staub, altem Holz und etwas Metallischem lag in der Luft. Ich erinnerte mich an die Geschichten, die Leo erwähnt hatte – Schüler, die hier vor Jahrzehnten verschwunden waren. Plötzlich kam es mir so vor, als würden wir direkt durch ihre Erinnerungen gehen.
„Da vorne! Siehst du das?“ Jules packte mich am Ärmel und zeigte den Flur hinunter. Ein schwaches Licht flackerte, fast wie ein Atemzug, mal da, mal weg. Es kam aus einem der alten Räume.
Wir gingen vorsichtig darauf zu. Mit jedem Schritt knarrten die Dielen lauter, als würden sie unsere Anwesenheit verraten. Vor dem alten Musikraum blieb ich stehen. Die Tür war angelehnt. Das Flackern kam von einer einzigen Kerze, die auf dem Boden brannte. Der Schein ließ die verstaubten Instrumente gespenstisch wirken – ein Cello mit gerissenen Saiten, ein verbeultes Trommelfell, ein Klavier, dessen Tasten wie abgebrochene Zähne aussahen.
Was ist hier los?
„Leo?“ Meine Stimme war kaum mehr als ein Hauch. Keine Antwort.
Wir traten in den Raum. Ich kniete mich zu der Kerze und bemerkte, dass neben ihr ein Stück Papier lag. Ich hob es auf – nur ein Wort stand darauf, hastig mit schwarzer Tinte geschrieben: „Lauft.“ „Oh Gott…“ flüsterte Jules, „das ist… das ist doch eine Warnung.“ Ich wollte etwas erwidern, da hörten wir Schritte hinter uns. Langsam, gleichmäßig, als hätte der Boden selbst beschlossen, zu atmen. Ich drehte mich um – und da stand Serena in der Tür.
Ihr Gesicht lag halb im Schatten, und ihr Blick war seltsam leer, aber gleichzeitig durchdringend.
„Ihr hättet nicht hierherkommen sollen“, sagte sie mit einer Stimme, die so ruhig war, dass mir das Blut in den Adern gefror.
„Wo ist Leo?“, fragte ich, ohne nachzudenken. Meine Stimme zitterte, aber ich brauchte eine Antwort.
Regeln...
Serena neigte leicht den Kopf. „Leo… Manche Leute verstehen nicht, dass Highmoor Regeln hat. Wer sie bricht… verschwindet.“ Bevor ich reagieren konnte, ging plötzlich ein kalter Wind durch den Raum. Die Kerze flackerte, die Schatten tanzten wild über die Wände, und ich hörte ein dumpfes Poltern direkt hinter dem Klavier. Jules schrie leise auf. Ich riss den Kopf herum – nichts. Nur Dunkelheit. Dann ein kurzes, scharfes Geräusch, wie Metall auf Stein.
Die Kerze erlosch.
Wir standen im völligen Schwarz, und Highmoor hielt den Atem an.
Es freut mich, dass dir meine Geschichte gefällt, Black Marie. Ich lese unglaublich gerne eure >Kommentare, komme aber ncith immer zu einer Antwort. Seid euch aber sicher, dass ich sie sehe und mich immer sehr freue!
Liebe Grüße
Merle
Es freut mich, dass es dir gefällt, Skatergirl :)
Das ist echt total spannend, ich war leider in letzter Zeit nicht mehr so viel auf Kindersache, ich möchte dir aber nachträglich sagen, dass ich echt jeden Teil deiner Geschichte richtig gut fand.
Best wishes, Black Marie.
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LG Skatergirl