Eure Geschichten

High­moor - Die dunk­len Ge­heim­nis­se Ka­pi­tel 19

Weit weg vom Ziel

Der Regen begann genau in dem Moment, in dem wir den Schuppen wieder verließen. Kalte Tropfen klatschten uns ins Gesicht, und innerhalb von Sekunden war meine Kleidung durchnässt. Es fühlte sich an, als würde der Himmel selbst versuchen, uns zu bremsen. Kian ging vorneweg, sein Blick wachsam, jede Bewegung seiner Muskeln angespannt. Jules klammerte sich an meine Hand, ihr Atem kam schnell und flach. Leo stöhnte leise, als Kian ihn wieder halb hochzog. „Haltet durch“, murmelte er, „nur noch ein Stück.“ Aber wir alle wussten, dass das Internat noch weit entfernt war, und dass unsere Verfolger irgendwo da draußen zwischen den Bäumen lauerten.

Rufe im Wald

Wir schlitterten durch das nasse Laub, sprangen über Wurzeln, die unter der Schicht aus Blättern kaum zu erkennen waren. Einmal rutschte Jules aus, und ich konnte sie gerade noch festhalten, bevor sie mit dem Kopf gegen einen Baumstamm schlug. Der Regen machte alles glitschig, und das Licht des Mondes war fast völlig verschwunden hinter den dichten, schwarzen Wolken. Plötzlich hörten wir ein Rufen, gedämpft durch den Regen, aber eindeutig menschlich. Mein Herz machte einen Satz. Sie waren hinter uns her. Kian hob die Hand, wir hielten kurz an und duckten uns unter einen umgestürzten Baumstamm. Meine Finger zitterten, nicht nur vor Kälte. Ich spürte Jules’ Schultern neben mir beben, und sie presste ihre Lippen zusammen, um kein Geräusch von sich zu geben.

Aufgeben ist keine Option

Schritte. Erst leise, dann lauter, das Knacken von Zweigen, das Rascheln von Blättern. Sie kamen näher. Ich presste mich tiefer in das nasse Moos und fühlte, wie sich kaltes Wasser durch meine Hose sog. Zwei Schatten tauchten zwischen den Bäumen auf, dunkel und verschwommen, aber deutlich zu erkennen. Sie trugen Kapuzen, ihre Gesichter waren im Regen kaum sichtbar. Einer von ihnen hielt eine Taschenlampe, deren Lichtkegel durch die Dunkelheit schnitt. Mein Herz raste, als der Lichtstrahl nur wenige Zentimeter neben uns über den Waldboden glitt. Ich hörte Kians Atem neben mir, langsam und kontrolliert, während meiner völlig außer Kontrolle war. Die Männer blieben kurz stehen, schauten sich um, dann entfernten sich ihre Schritte wieder ein Stück.

Kian wartete, bis die Geräusche leiser wurden, dann nickte er uns zu. Langsam krochen wir unter dem Stamm hervor und setzten unseren Weg fort, diesmal gebückt, so schnell es ging. Meine Beine fühlten sich schwer an, und jeder Schritt schmerzte, aber Aufgeben war keine Option. Wir mussten zurück zum Internat. Ich wusste nicht mal mehr, warum ich dieses Gebäude je als langweilig empfunden hatte. Jetzt war es der einzige Ort, an dem wir halbwegs sicher sein könnten.

Erwischt!

Doch dann, mitten in unserer hektischen Flucht, geschah es. Ein greller Lichtkegel traf uns von der Seite. „Da sind sie!“, brüllte eine tiefe Stimme, und alles in mir gefror für eine Sekunde. Kian riss Leo einfach über seine Schulter, packte Jules und mich am Arm und rannte los, als wäre der Teufel persönlich hinter uns her. Zweige peitschten mir ins Gesicht, Dornen rissen an meinen nassen Kleidern, und ich stolperte mehr, als dass ich wirklich rannte. Hinter uns hörte ich schwere Schritte, schneller als ich gehofft hatte, und dann ein metallisches Klicken, das mir einen Schauer über den Rücken jagte. Es klang wie eine Waffe, die entsichert wurde.

Der Wald lichtete sich endlich ein Stück, und ich erkannte im Regen die Silhouette des Internats zwischen den Bäumen. Noch nie in meinem Leben hatte ein Gebäude mir so sehr wie ein Versprechen auf Sicherheit ausgesehen. Kian brüllte nur: „Lauft!“, und wir warfen unsere letzten Kräfte in jeden Schritt. Ich hörte die Männer näherkommen, hörte das Rufen, spürte die Verzweiflung in meinen eigenen Knochen. Dann endlich der matschige Weg, die Steinmauer, die auf den Innenhof führte. Kian setzte Leo über die niedrige Mauer, half Jules, und ich kletterte mit zitternden Händen hinterher.

Zurück im Internat

Im Hof war es stiller, der Regen prasselte nur auf das Pflaster, und ich keuchte, während Kian die schwere Seitentür aufstieß, die sonst immer abgeschlossen war. Offenbar hatte er irgendwo einen Schlüssel her, ich fragte nicht woher. Wir stolperten hinein, ins kalte, dunkle Treppenhaus, und knallten die Tür hinter uns zu. Zum ersten Mal seit Stunden – oder waren es nur Minuten gewesen? – fühlte ich mich ein kleines Stück sicherer. Meine Hände zitterten so sehr, dass ich sie kaum stillhalten konnte. Jules lehnte sich an die Wand und begann zu weinen, leise, aber unaufhaltsam.

Kian legte Leo vorsichtig auf den Boden, dann schaute er zu mir. In seinen Augen lag etwas, das ich vorher nie gesehen hatte: Angst. Und mir wurde klar, dass das hier erst der Anfang war.

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Oh Gott diese Geschichte ist so spannend und unheimlich!

LG Skatergirl