Highmoor - Die dunklen Geheimnisse Kapitel 13
Ziel: Leo finden
Die Nachricht ließ mich nicht mehr los. Euer Freund lebt. Wer auch immer den Zettel unter unserer Tür hindurchgeschoben hatte, wusste etwas über Leo. Und über uns. Jules und ich starrten uns minutenlang an, ohne etwas zu sagen. Draußen war Highmoor still, viel zu still, als hielte die ganze Schule den Atem an.
„Wir können nicht einfach hier sitzen“, sagte ich schließlich, meine Stimme kaum lauter als ein Flüstern. „Wenn Leo wirklich noch lebt… müssen wir ihn finden.“
Jules biss sich auf die Lippe. „Und wenn es eine Falle ist?“
Ich spürte, wie mir ein Schauer über den Rücken lief. „Dann… müssen wir trotzdem rausfinden, wer uns hier verarschen will.“
Wir warteten, bis das Flackern des Notlichts im Flur ruhiger wurde, und schoben die Kommode langsam beiseite. Meine Hände zitterten, während ich die Tür öffnete. Der Flur war leer. Kein Geräusch, nur das ferne Heulen des Windes, der durch die Ritzen der alten Fenster zog.
Ein Signal - eine neue Spur
Wir folgten dem Zeichen, das wir vom Fenster aus gesehen hatten. Leise, Schritt für Schritt, durch den Flur, die Treppe hinunter in das Erdgeschoss. Ich spürte jede knarzende Stufe in den Knochen. An der großen Eingangshalle hielten wir kurz inne. Die alten Kronleuchter schwangen ganz leicht, als würde ein unsichtbarer Wind sie berühren.
„Guck… da.“ Jules deutete auf die schwere Holztür, die hinaus in den Park führte. Jemand hatte sie einen Spalt offen gelassen. Ein dünner Streifen Mondlicht fiel in die Halle und legte sich wie ein kaltes Messer auf den Boden.
Ich drückte die Tür vorsichtig auf.
Die Nacht schlug uns entgegen, feucht, kalt, und roch nach altem Laub. Highmoor wirkte draußen noch viel unheimlicher – die dunklen Mauern, die spitzen Türme, die sich gegen den wolkenverhangenen Himmel abzeichneten. Wir traten hinaus, hielten die Taschenlampe bereit, schalteten sie aber nicht ein.
Irgendwo im Park knackte ein Zweig. Wir blieben wie versteinert stehen. Dann bewegte sich ein Licht zwischen den Bäumen – ein kurzes Aufblitzen, wie ein Signal. Ich atmete tief durch. „Das ist unsere Spur.“
Der Eingang zum Keller
Wir liefen durch das feuchte Gras, vorsichtig, um kein Geräusch zu machen. Die Bäume wirkten wie riesige schwarze Wächter, die sich über uns beugten. Ein Käuzchen rief in der Ferne. Plötzlich streifte etwas Kaltes meine Hand und ich zuckte zusammen. „Sorry“, flüsterte Jules, „ich wollte nur… nicht allein laufen.“
Wir erreichten die alte Mauer hinter dem Westflügel des Internats. Dort stand eine kleine Tür, halb von Efeu überwuchert. Ich hätte geschworen, dass sie sonst immer verschlossen war. Jetzt stand sie offen. Ein Hauch von Erde und Feuchtigkeit wehte uns entgegen.
„Das ist doch… der alte Kellereingang, oder?“, fragte Jules zögernd.
Ich nickte. „Ja… aber wieso sollte jemand Leo hier runterbringen?“
Wir traten ein. Eine schmale Steintreppe führte hinunter in die Dunkelheit. Die Luft wurde sofort kälter. Ich tastete mich an der Wand entlang, spürte das feuchte Mauerwerk, während wir vorsichtig hinabstiegen. Dann hörte ich es: ein leises Tropfen - Wasser - das irgendwo von der Decke fiel. Unten angekommen standen wir in einem Gewölbe, das nach altem Stein und Moder roch. Unsere Taschenlampe war jetzt an, der Strahl tanzte über rostige Rohre, Spinnweben und vergilbte Kisten.
„Da vorne“, flüsterte Jules plötzlich. „Siehst du das?“
Unbekannte Stimmen
In der Ferne flackerte eine Laterne. Wir bewegten uns darauf zu, leise, Schritt für Schritt. Dann hörten wir Stimmen. Zwei Männer, gedämpft, aber deutlich. Ich erkannte keine der Stimmen.
„…schnell erledigen, bevor jemand merkt…“
„…der Direktor darf nichts davon wissen…“
Mein Herz raste. Ich war so angespannt, dass mir die Beine fast den Dienst versagten. Jules griff nach meiner Hand. Wir drückten uns an die kalte Wand und spähten um die Ecke.
Dort, zwischen alten Regalen und Gerümpel, standen zwei Gestalten. Einer hielt eine Laterne, der andere eine Schaufel. Und auf dem Boden lag… etwas, in eine dunkle Decke gewickelt. Es bewegte sich nicht.
Jules stieß einen erschrockenen Laut aus, den ich sofort mit der Hand erstickte. Die Männer drehten sich nicht um, aber ich wusste: Wir waren viel zu nah.
Klein fühlen
Plötzlich hörte ich hinter uns ein leises Knirschen. Ich fuhr herum – und starrte in die Augen von Kian. Er stand da, halb im Schatten, ein Finger auf den Lippen. Er machte eine schnelle Geste: Folgt mir.
Wir krochen rückwärts, weg von der Szene, so leise wie möglich. Mein Herz schlug so laut, dass ich sicher war, dass sie uns gleich hören würden. Erst als wir wieder im oberen Korridor des Westflügels waren, wagte ich zu atmen.
„Seid ihr verrückt?!“, zischte Kian, seine Augen blitzten vor Zorn und etwas anderem – Sorge. „Wollt ihr sterben?“
„Da unten…“ Ich konnte kaum sprechen. „Die… Männer… und Leo?“
„Wenn ihr ihn lebend wiedersehen wollt, dann macht genau, was ich sage“, flüsterte er. „Und ab jetzt – kein Laut mehr darüber. Verstanden?“
Seine Stimme war so ernst, dass ich nur nicken konnte. Zum ersten Mal, seit ich in Highmoor war, fühlte ich mich wirklich, wirklich klein.
Ich liebe deinen Schreibstil so sehr! Der ist besser als der von den Autoren, von denen ich Bücher lese. Danke, dass du immer so viel veröffentlichst!
Best wishes, Black Marie.
Oh Gott das wird immer spannender😱!
LG Skatergirl