Highmoor - Die dunklen Geheimnisse Kapitel 15
Pochende Herzen
Der Abend zog sich endlos, als hätte die Zeit selbst beschlossen, uns zu quälen. Jules und ich saßen auf unseren Betten, die Vorhänge waren zugezogen, und draußen rauschte der Wind durch die alten Bäume. Ich starrte auf meine Hände, die zitterten, obwohl ich versuchte, ruhig zu wirken. Irgendwo im Flur quietschte eine Tür, dann wieder Stille. Mein Herzschlag hallte in meinem Kopf wie ein Trommelschlag. Wir warteten auf Kian. Er hatte gesagt: „Mitternacht.“ Aber jede Minute fühlte sich wie eine Stunde an.
Als endlich ein leises Kratzen an der Tür ertönte, fuhr Jules hoch. Ich öffnete und da stand er – Kian, in dunkler Kleidung, ein Finger auf den Lippen. Ohne ein Wort folgten wir ihm auf leisen Sohlen in den Korridor. Das Licht der alten Wandleuchten war schwach und irgendwo in der Ferne tropfte Wasser. Jeder Schatten sah aus, als würde er sich bewegen. Wir hielten den Atem an, als wir die Treppe hinuntergingen. Ich spürte den kalten Stein unter meinen Füßen und mein Herz pochte schneller als jemals zuvor.
Rostiger Schlüssel
„Wo… gehen wir hin?“, flüsterte Jules schließlich.
„In den Westflügel. Aber diesmal… tiefer.“ Kians Stimme war kaum mehr als ein Hauch. „Es gibt einen alten Gang unter der Kapelle. Ich habe ihn vor Wochen entdeckt.“
Wir erreichten eine schwere Tür, die aussah, als wäre sie seit Jahrzehnten nicht geöffnet worden. Kian zog einen rostigen Schlüssel hervor und das Schloss knarrte leise. Ich hielt den Atem an. Wir traten in einen schmalen, dunklen Gang, dessen Wände aus groben Steinen bestanden. Eine schwache Lampe aus Kians Rucksack war unsere einzige Lichtquelle. Die Luft war feucht und der Geruch von Erde und altem Holz lag in der Nase.
„Wenn wir erwischt werden…“, murmelte Jules.
„Dann sind wir erledigt“, vollendete Kian den Satz nüchtern.
Wir schlichen weiter und irgendwann hörte ich Schritte über uns. Dumpf, aber eindeutig. Mein Herz blieb fast stehen. Jemand war über uns im Flur – oder wir waren direkt unter der großen Halle. Kian hob die Hand zum Zeichen, dass wir still sein sollten. Ich presste mich gegen die kalte Wand und versuchte, nicht zu atmen.
Ein Wettlauf durch die Gänge
Nach ein paar Minuten, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, ging es weiter. Wir kamen zu einer kleinen Holztür, halb verrottet, und Kian stieß sie vorsichtig auf. Dahinter lag ein winziger Raum – und dann, ganz plötzlich, hörte ich ein Geräusch, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Ein gedämpftes Wimmern.
„Leo“, flüsterte Jules und schlug die Hand vor den Mund.
Im schwachen Licht sah ich eine Gestalt in der Ecke des Raumes, die Hände gefesselt. Leo. Sein Blick war glasig, aber als er uns erkannte, weiteten sich seine Augen. Ich stürzte vor, aber Kian packte mich am Arm.
„Nicht so schnell. Wenn wir ihn jetzt einfach rausziehen, merken sie’s sofort. Wir müssen vorsichtig sein.“
Da krachte irgendwo ein Geräusch. Schritte, diesmal ganz nah. Männerstimmen.
„Sie kommen“, hauchte Jules panisch.
Kian sah sich hektisch um. „Hier lang!“ Wir hasteten durch einen schmalen Nebengang, der kaum breit genug war, um sich zu drehen. Ich hörte die Schritte hinter uns, das Knarren von Holz, und dann ein dumpfer Schlag – jemand hatte die Tür geöffnet, die wir gerade verlassen hatten.
Wir rannten. Meine Lunge brannte, und ich stolperte fast über eine lose Steinplatte. Jules schnappte nach Luft, Kian zog uns beide hinter sich her. Der Gang führte nach oben, eine enge, steinerne Treppe hinauf. Das Licht seiner Lampe flackerte. Dann plötzlich ein greller Schein von vorne – ein kleines, rundes Fenster in einer Wand. Wir waren direkt unter dem Turm!
Kein Zurück
„Hier raus!“, zischte Kian und half mir als Erste hinauf. Meine Finger krallten sich an kaltem Stein fest, ich zog mich durch die enge Öffnung – und stand auf einem schmalen Balkon des alten Turms. Der Wind peitschte mir ins Gesicht. Unter uns lag der dunkle Park, die Bäume rauschten, und ganz in der Ferne sah ich die schwachen Lichter der Stadt.
Jules kam als Nächste durch, dann Kian. Wir drückten uns an die Wand, während unten im Gang Stimmen lauter wurden.
„Sie sind hier lang!“, rief jemand.
Mein Herz raste, mein ganzer Körper zitterte. Ich spürte Kians Hand an meinem Arm, fest und warm trotz der Kälte. Für einen kurzen Moment war die Angst verschwunden – nur dieses seltsame, prickelnde Gefühl blieb, dass wir in diesem Wahnsinn nicht allein waren.
Dann sah Kian mich ernst an. „Ab hier gibt’s kein Zurück mehr.“
Nein, fehht es nicht :D
Da fehlt Kapitel 14.