Highmoor - Die dunklen Geheimnisse Kapitel 20
Wohin mit Leo?
Wir stolperten die Stufen hoch, nass, schlammig und keuchend. Meine Beine fühlten sich an wie Blei, doch mein Herz raste so schnell, dass ich kaum glauben konnte, dass es nicht jeder im ganzen Gebäude hören konnte. Kian hielt uns mit einer knappen Handbewegung an, lauschte in die Dunkelheit des Treppenhauses. Es war still. Viel zu still. Nur unser Atem, das Rauschen des Bluts in meinen Ohren und das entfernte Prasseln des Regens draußen. Irgendwo im Haus knackte ein altes Rohr, als wollte es uns verhöhnen. Jules drückte sich an mich, ihre Finger eiskalt, und ich spürte, wie sehr sie zitterte.
„Wir müssen Leo irgendwohin bringen, wo er sich erholen kann“, flüsterte Kian, kaum hörbar. „Aber wir dürfen nicht erwischt werden.“ Ich nickte stumm, wagte es nicht, etwas zu sagen. Alles in mir war auf Alarm gestellt, jeder Schatten an der Wand wirkte wie eine Bewegung, jeder Luftzug wie ein Schritt. Wir schleppten Leo den Gang entlang, vorbei an den verschlossenen Türen der Schlafsäle. Jeder Schritt auf dem alten Holz knarrte verräterisch laut.
Der leere Musikraum
Dann plötzlich – ein dumpfer Schlag von irgendwo unten. Ich zuckte zusammen, und Jules unterdrückte einen Schrei. Kian presste sofort einen Finger auf seine Lippen, seine Augen funkelten vor Anspannung. Wir lauschten. Wieder ein Geräusch, diesmal wie ein Türknall. Sie waren im Haus. Mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Ich dachte daran, wie nah sie uns im Wald schon gewesen waren, wie der Lichtstrahl der Taschenlampe nur Zentimeter an uns vorbeigeschossen war. Hier drinnen gab es kein Laub, kein Regen, keine Dunkelheit, die uns schützen konnte. Wenn sie uns fanden, gab es kein Entkommen.
Wir erreichten den alten Musikraum, der seit Monaten nicht mehr benutzt wurde. Kian schob die Tür leise auf, und ein Schwall kalter, muffiger Luft kam uns entgegen. Dunkelheit schluckte den Raum fast vollständig, nur der matte Schein des Mondes fiel durch ein schmales Fenster. Wir legten Leo auf den Boden, ich zog meine Jacke aus und schob sie ihm unter den Kopf. Er murmelte etwas Unverständliches, dann schloss er die Augen. Ich hoffte, dass er nur schlief und nicht schlimmer verletzt war.
Ich weiß, dass ihr hier seid.
Plötzlich knackte es auf dem Flur, Schritte, diesmal eindeutig. Ich hielt den Atem an. Schatten bewegten sich vor der Tür, und ein schwacher Lichtschein kroch durch den Spalt. Jules krallte sich in meinen Arm, ihre Nägel bohrten sich in meine Haut. Kian stellte sich vor uns, sein Körper angespannt wie ein gespannter Bogen. Wir hielten alle die Luft an, während die Schritte näherkamen. Dann – Stille. Ich konnte mein eigenes Herz schlagen hören. Sekunden dehnten sich zu Ewigkeiten.
Plötzlich drang eine leise Stimme durch die Tür. „Ich weiß, dass ihr hier seid.“ Mein Herz setzte einen Schlag aus. Es war keine laute Drohung, kein Brüllen – nur diese ruhige, kalte Stimme, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Kian sah mich an, und ich wusste, dass er dasselbe dachte wie ich: Wir saßen in der Falle.
Zwei Schatten
Dann, ein lautes Krachen. Die Tür flog auf, prallte gegen die Wand, und das Licht einer Taschenlampe blendete uns. Ich war wie gelähmt, konnte mich nicht bewegen, konnte nur blinzeln. Eine Gestalt mit schwarzer Kapuze trat ein, groß, massig, nass vom Regen. Ich roch den feuchten Stoff und etwas Metallisches, das ich nicht einordnen wollte. Hinter ihm tauchte ein zweiter Schatten auf.
„Da seid ihr ja“, sagte die Stimme erneut, diesmal mit einem unheimlichen Lächeln. Ich spürte Jules neben mir erstarren. Kian machte einen Schritt nach vorne, seine Hände leicht erhoben, als könnte er uns so schützen. Aber ich wusste, dass wir keine Chance hatten, nicht gegen zwei Erwachsene, die offensichtlich keine Angst davor hatten, uns mitten in der Nacht im Internat zu jagen.
Der Blitz
Dann passierte alles gleichzeitig: Ein greller Blitz erhellte den Raum, als draußen der Sturm tobte, und im selben Moment krachte irgendwo im Gebäude eine Tür zu. Die Kapuzengestalten zuckten zusammen, drehten die Köpfe, und Kian nutzte den Moment. Er packte meine Hand, zerrte mich hoch, brüllte „Lauft!“ und wir stürmten zur Seitentür hinaus in den Gang. Jules rannte neben mir, stolperte fast, aber ich hielt sie fest. Hinter uns Rufe, Schritte, ein Fluchen. Das Internat wurde zu einem Labyrinth aus Schatten und knarrenden Dielen, und ich wusste, dass wir entweder entkommen oder nie wieder hier herauskommen würden.
Goldenes Licht
Wir bogen um eine Ecke, hörten wieder Schritte von vorne und wichen in einen Nebenflur aus. Meine Lunge brannte, meine Beine fühlten sich an, als würden sie gleich nachgeben. Doch die Panik trieb mich weiter. Überall Schatten, Türen, die wir nicht öffnen konnten, und irgendwo draußen der Sturm, der gegen die alten Fenster peitschte. Plötzlich hörte ich ein neues Geräusch: eine Sirene, ganz leise in der Ferne. Polizei? Oder etwas anderes? Hoffnung flackerte in mir auf, und ich klammerte mich daran, während wir in der Dunkelheit weiterhetzten. Hinter uns hallten Schritte, immer näher, immer schneller, und plötzlich wusste ich: Wir würden es nicht alle schaffen, wenn wir zusammenblieben. Ich spürte Kians Griff fester werden, hörte Jules wimmern, und irgendwo tief in meinem Inneren machte sich eine eiskalte Erkenntnis breit. Dieses Internat, das gestern noch wie ein Abenteuer gewirkt hatte, war jetzt nichts weiter als eine Falle. Und die Schatten, die uns jagten, würden nicht aufgeben, bevor sie uns hatten. Dann, direkt vor uns, flackerte ein Licht auf – warm, golden, völlig fehl am Platz. Und eine Stimme rief meinen Namen.
Das wird immer spannender ich kann gar nicht mehr aufhören zu lesen bitte schreib bald den nächsten Teil.
LG Skatergirl