Highmoor - Die dunklen Geheimnisse Kapitel 33
Brust springen
Wir bogen in einen schmalen Gang ab, der so niedrig war, dass wir uns leicht bücken mussten. An den Wänden hingen dicke Spinnenweben, die sich kalt an meine Haut legten. Der muffige Geruch von feuchtem Stein und altem Staub wurde hier unten immer stärker, als wären wir tief in eine Welt vorgedrungen, die längst vergessen war.
Plötzlich blieb Kian stehen. „Hört ihr das?“ Seine Stimme war nur ein Flüstern, doch sie hallte gespenstisch im engen Gang wider. Ich hielt den Atem an – und dann hörte ich es auch. Ein leises Tropfen. Regelmäßig. Tropf. Tropf. Tropf. Doch es war nicht nur das. Dazwischen war etwas anderes. Ein Geräusch, das ich nicht zuordnen konnte. Wie ein Kratzen.
„Vielleicht Ratten…?“ versuchte Jules zu sagen, doch ihre Stimme klang nicht überzeugt.
Umkehren?
Wir gingen weiter, bis wir zu einer schweren Eisentür kamen, halb verrostet, halb von Moos bedeckt. Sie sah aus, als hätte sie seit Jahrzehnten niemand mehr angerührt. Meine Finger glitten über das kalte Metall, und für einen Moment zögerte ich. Irgendetwas in mir schrie, dass wir umkehren sollten. Doch gleichzeitig war da diese brennende Neugier, die stärker war als die Angst.
Mit einem gemeinsamen Ruck drückten wir die Tür auf. Ein ohrenbetäubendes Kreischen von rostigen Scharnieren hallte durch den Gang, und Staub wirbelte auf. Dahinter lag ein Raum, groß und rund, fast wie eine vergessene Halle. Der Boden war von feinen Rissen durchzogen, und an den Wänden hingen verrostete Eisenketten. Ein eiskalter Windzug strich durch die Halle, obwohl ich keine Öffnung sehen konnte„Okay… das ist offiziell der gruseligste Ort, an dem ich je war“, flüsterte Jules.
Was bedeutet das?
In der Mitte des Raums stand ein Podest, und darauf… eine zweite Truhe. Anders als die erste, die wir gefunden hatten, war diese aus Metall, mit seltsamen Zeichen eingeritzt. Es sah aus wie Symbole, die ich noch nie gesehen hatte – und trotzdem wirkten sie vertraut, als hätte ich sie schon einmal in einem Buch oder Traum gesehen.
Langsam gingen wir darauf zu. Jeder Schritt hallte. Als wir die Truhe erreichten, beugte sich Kian vorsichtig hinunter. „Schloss“, sagte er knapp. „Aber alt. Ich kriege das auf.“ Er hatte kaum das Werkzeug angesetzt, da hörten wir es wieder. Dieses Kratzen. Nur viel näher. Diesmal kam es eindeutig aus der Dunkelheit hinter uns. Mir gefror das Blut in den Adern. Langsam drehte ich mich um, hob die Lampe. Mein Lichtkegel tastete die Wände ab, doch da war nichts. Nur Schatten. Und dann – ein Schatten bewegte sich. Ganz schnell, wie ein Zucken, und verschwand wieder.
Was jetzt?
„Wir sind nicht allein“, hauchte Jules, und in ihrer Stimme lag pure Panik.
Mein Herz raste. Wir standen mitten in einer uralten Halle, vor einer versiegelten Truhe voller Geheimnisse, und irgendwo in der Dunkelheit bewegte sich etwas, das wir nicht sehen konnten. Und in diesem Moment wusste ich: Wenn wir die Wahrheit herausfinden wollten, mussten wir noch tiefer gehen. Aber vielleicht kamen wir dann nicht mehr so einfach zurück.
Sooo spannend