Eure Geschichten

Kapitel 2 – Schatten unter Kastanien

Clara

Sie war nicht stolz auf den Stich, den sie fühlte. Nicht auf das warme, scharfe Gefühl in der Magengegend, nicht auf die Art, wie ihre Gedanken sich sofort festbissen, kaum dass James diesen Blick geworfen hatte. Es war nicht Mila. Mila hatte nichts falsch gemacht. Sie war freundlich gewesen, aufmerksam, ein bisschen verloren – wie man eben ist, wenn man neu ist und alles noch fremd riecht und klingt. Und trotzdem spürte Clara, wie etwas in ihr zuckte, wie ein Schatten, der sich plötzlich zwischen zwei eigentlich sonnige Stunden schiebt.

James hatte Mila angelächelt. Und es war nicht das „Willkommen am Internat“-Lächeln, das Clara von ihm kannte. Es war weicher gewesen. Echter. Und es war nicht ihr gegolten. Clara hatte es sofort gemerkt. Noch bevor Mila überhaupt etwas gesagt hatte.

Im Zimmer

„Hier lang, die Zimmer sind im Westflügel, aber keine Sorge – die Heizungen funktionieren dort tatsächlich.“

Sie hörte sich selbst reden und fragte sich, ob man ihr anmerkte, dass ihre Gedanken eigentlich ganz woanders waren. Mila ging ein paar Schritte hinter ihr, der Rollkoffer holperte über die unebenen Dielen, die jedes Mal ein bisschen knackten, als würden sie Geschichten von früher erzählen. Die Sonne war inzwischen tiefer gefallen, warf schräges Licht durch die Fenster und ließ Staubkörner tanzen. „Dein Bett ist das am Fenster, ich dachte, das ist vielleicht schöner. Man sieht morgens die Bäume, und wenn es regnet, hört man das Tropfen ganz deutlich. Ist irgendwie beruhigend.“

James

Mila lächelte. Dieses ehrliche, fast staunende Lächeln, das Clara in diesem Moment gleichzeitig mochte und kaum ertrug.

„Danke. Es ist schön hier. Viel schöner, als ich erwartet habe.“ Clara zuckte die Schultern. „Es hat seinen Charme. Man gewöhnt sich an die schiefen Türen und das Klopfen in der Heizung.“

Sie sah Mila an, wie sie ihre Tasche aufs Bett legte und vorsichtig den Stoff der Tagesdecke betrachtete, als würde sie sich nicht sicher sein, ob sie wirklich bleiben durfte. Es war dieser vorsichtige Respekt vor allem, den Clara mochte. Es machte Mila auf eine seltsame Art verletzlich – und gleichzeitig war da etwas Festes in ihr, etwas Ruhiges. Sie war kein Mensch, der sich aufdrängte. Und genau das machte sie so… bemerkt.

Vor allem von James.

Clara und James

Clara drehte sich zum Fenster, starrte nach draußen, obwohl sie nichts Besonderes sah. Nur die Kastanie im Innenhof, unter der James noch eben gestanden hatte. Buch in der Hand. Dieser Ausdruck im Gesicht, der nie ganz verriet, woran er dachte. Sie hatte James im ersten Jahr kennengelernt. Er war ihr nie aufgefallen, weil er laut war oder sich vordrängte – ganz im Gegenteil. Er war der Typ, der lieber am Rand stand, der im Unterricht kluge Dinge sagte, ohne belehrend zu wirken, der lieber Bücher als Gespräche wählte, wenn ihm die Welt zu viel wurde. Und Clara hatte ihn nicht nur bemerkt. Sie hatte ihn beobachtet. Immer wieder.

Die Gespräche zwischen ihnen waren nie lang gewesen. Nie bedeutungsschwer. Aber sie hatten sich angefühlt wie etwas, das wachsen könnte – ganz langsam, wenn man ihm Zeit ließ. Er hatte ihr einmal ein Buch empfohlen, das sie nie vergessen hatte. Er hatte sie angeschaut, als sie etwas sagte, was sonst keiner verstand. Als hätte er sie gesehen.

Bücher

Und jetzt?

Jetzt hatte er Mila angesehen. Nicht wie jemand, der höflich ist. Sondern wie jemand, der überrascht ist, dass ihn jemand plötzlich interessiert.

Clara schob ihre Hände in die Taschen ihrer Strickjacke. Das Zimmer war still, nur draußen zirpte ein einzelner Vogel. Mila war jetzt dabei, ihre Bücher ins Regal zu stellen – ordentlich, fast vorsichtig. Ihre Finger berührten die Buchrücken, als hätte jedes seine eigene Geschichte. Clara sah sie an. „Du magst Bücher?“, fragte sie, obwohl sie es längst wusste. Mila nickte. „Lesen hilft. Es macht die Welt irgendwie klarer.“

Freunde? 

Clara schluckte. James hätte das auch sagen können. Und wieder war da dieser kleine, gemeine Stich.

Sie wollte ihn nicht fühlen. Wollte Mila mögen. Sie mochte Mila. Das war das Problem. Es wäre so viel leichter, wenn sie sie einfach hätte hassen können – wie in diesen billigen Geschichten, in denen das neue Mädchen sofort zur Rivalin wird. Aber Mila war nicht so. Sie war echt. Und verletzlich. Und schön. Und auf ihre ganz leise Art gefährlich. „Weißt du“, sagte Clara und zwang sich, wieder zu lächeln, „ich glaub, du wirst dich hier schnell zurechtfinden.“

„Meinst du?“

Clara nickte. „Ganz sicher. Die Leute werden dich mögen.“

Mila lächelte. „Hoffentlich.“

Clara lächelte zurück, aber in ihr war ein anderes Gefühl. Kein Hass, keine Wut – noch nicht. Nur etwas Unausgesprochenes, das sich anfühlte wie ein Druck auf der Brust.

Es war nicht Mila, die Angst machte. Es war das, was Mila in anderen auslöste.

Vor allem in James.

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Eure Kommentare

Ich war der Gast vom 28 April 😁🌺 Die anderen Teile gefielen mir auch!

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Coooooooleeeeeeeeeee Geschichte 💖❤️😍🥰!

Ausserdem stimme ich dem Gast vom 28.April zu.Du kannst wircklich so gut schreiben.

LG Skatergirl

Vielen Dank!!

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Ich schwöre, die Story ist meeeeeeeeeeega geworden. Ich hoffe du schreibst noch Teil 3?

Du kannst sehr gut schreiben. 

Ich liebe die Schreibweise💖💖💐! Tolle Geschichte💖💐✨🪸🦪.

Hey, ich habe mich entschieden, Kapitel 2 direkt hinterher zu schicken, damit ihr nicht so lange warten müsst. Kommentiert gerne, wie es euch gefällt und auch Wünsche oder dinge auf die ich achten kann. Es hilft mir sehr, Feedback zu bekommen. 

Liebe Grüße

Merle