Eure Geschichten

Kapitel 3 – Zwischen den Zeilen

Blickkontakt

Der Herbst roch nach feuchtem Laub, nach altem Stein und nach etwas, das nur dieses Internat kannte – eine Mischung aus Tinte, Staub und vergangenen Geschichten. James mochte das. Es war leise hier. Nicht wirklich still, aber auf eine Art, wie es in seinem Kopf manchmal zu laut war.

Er saß unter der Kastanie, sein Buch aufgeklappt auf den Knien, aber seine Augen folgten den Bewegungen der Schatten zwischen den Fenstern. Der Innenhof war ein Ort des Übergangs. Hier blieben die meisten nur kurz, um von A nach B zu gelangen. Aber heute hatte er länger gewartet. Ohne Grund. Nur ein Gefühl.

Als Mila dann durch den Bogen trat, war es, als hätte sich die Luft verändert.

Er kannte Clara gut genug, um zu wissen, dass sie das bemerkt hatte. Clara bemerkte Dinge. Nicht immer laut, aber intensiv. Und James – er wusste nicht, was genau ihn an Mila festhielt. Vielleicht war es diese Mischung aus Zurückhaltung und Präsenz. Die Art, wie sie wirkte, als hätte sie mehr Fragen als Antworten, aber keine Angst vor beidem.

Der Blickkontakt hatte nur einen Moment gedauert. Und doch war er geblieben, wie ein Echo. Es war nicht das, was er gewollt hatte. Und es war nicht fair.

Nicht gegenüber Clara.

In der Bibliothek

Später, als er durch die Gänge des alten Nordflügels ging, spürte er die Müdigkeit hinter den Augen. Zu viel gedacht, zu wenig gesagt. Clara war ein Mensch, mit dem man nicht oberflächlich sprechen konnte. Es fühlte sich falsch an, so zu tun, als wüsste man nicht, dass etwas zwischen ihnen stand.

Er hatte sich oft gefragt, ob sie etwas von ihm wollte. Manchmal hatte es fast so gewirkt. Ihre Art, ein Gespräch länger zu halten als nötig, ein Buch zurückzugeben mit einem Satz, der mehr sagte als der Inhalt selbst. Aber sie hatte nie wirklich gefragt. Und er hatte nie wirklich geantwortet.

Jetzt stand er vor der kleinen Tür zur Seitenkammer der Bibliothek, zögerte. Es war ein Ort, den Clara mochte – ihr Rückzugsort, hatte sie einmal gesagt. Dort war sie echt. Ungeschützt. Er hob die Hand, klopfte. Zwei kurze Schläge. Dann einer.

Als niemand öffnete, rief er leise: „Clara? Bist du hier?“

Die Tür ging auf. Und nicht nur Clara war da. Mila stand daneben.

Sie sah ihn nicht erschrocken an. Nicht überrascht. Nur still. Wachsam. Und schön, auf eine unangestrengte Art.

Claras Blick wechselte kurz zwischen ihnen. Und für einen Moment, so schmal wie ein Spalt Licht zwischen zwei Vorhängen, spürte James, wie sich etwas verschob. In ihr. Zwischen ihnen. In ihm selbst.

Er hatte keinen Plan für diesen Moment. Keine Absicht. Nur eine Frage, die plötzlich drängender war als jede, die in seinem Buch stand:

Was, wenn sich alles gerade erst beginnt zu bewegen – und niemand ist bereit?

Was bisher geschah?

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Eure Kommentare

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Boa das dritte Kapitel ist genau so gut wie die beiden anderen!Schreib unbedingt weiter!

LG Skatergirl

Ich mag deine Geschichte sehr.