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Es war ein warmer Sommertag, wie immer ging ich zurück aus der Schule, vorbei an meinem Zoo. Naja, der Zoo gehörte meinem Vater, er war der Chef. Meine Mutter arbeitete an der Kasse. So hatten sich meine Eltern kennengelernt. Unser Haus stand direkt neben dem Zoo, praktisch für meine Eltern. Wenn man an dem Zoo vorbei ging, war man bald bei meiner Schule angelangt. Praktisch für mich. In Bio waren wir schon oft in den Zoo gegangen, um uns z.B. die Tapire anzuschauen. Ich war sehr gut in Bio und es war auch mein Lieblingsfach. Wenn mich jemand fragte, was mein Lieblingstier wäre, antwortete ich stolz: Elefant, und dass ich sogar einen als Freund hätte. Viele glaubten mir das nicht, aber es war wahr.
Aiko war mein "Elefantenfreund". Er wurde ein Tag vor meiner Geburt geboren. Schon als kleine Kinder, haben wir Zeit miteinander verbracht. Als ich gehen und reden konnte, klappte das natürlich besser. Ich sah Aiko sehr oft. Manchmal aßen wir zusammen Obst oder wir spielten miteinander. Ich saß auch oft im Elefantengehege und machte dort meine Hausaufgaben und Aiko half mir, indem er mir zusah und zuhörte. Ich durfte auch wann immer ich wollte ins Elefantengehege, denn auf mich war Verlass.
Heute wollte ich wieder meine Hausaufgaben bei Aiko erledigen. An der Kasse erwartete mich meine Mutter. „Hallo Laura-Häschen!“, begrüßte sie mich. Gerade waren keine Besucher an der Kasse. „Hier, Papa hat dir ein Pizzabrot gekauft, das kannst du essen. Wir haben gerade viel zu tun, also bediene dich selbst zu Hause an dem Obst“, sagte sie und schon kam ein neuer Besucher und wir mussten unsere Unterhaltung unterbrechen. Ich ging in unser Haus, schnappte mir zwei Äpfel und ein Pizzabrot, und ging zum Elefantengehege. Als ich dort ankam, erwartete mich Aiko schon bereits, begrüßte mich, aber nicht wie immer mit seinem Rüssel. Das war merkwürdig, aber ich beachtete es nicht all zu sehr. Während ich meine Geschichts-Hausaufgaben machte, blickte er immer wieder traurig zu mir. War etwas los mit ihm, oder täuschte ich mich?
…
Beim Abendessen sprach ich meinen Vater darauf an: „ Papa, hast du eigentlich bemerkt, dass Aiko heute irgendwie anders ist? Er wirkt so traurig...“ „Ja, das habe ich auch bemerkt. Ich denke, er hat einfach etwas schlechtes geträumt“, antwortete er mir. „Denkst du Elefanten können träumen?“, fragte ich ihn. „Ja, das denke ich“, sagte mein Vater und lächelte. „Elefanten sind sehr tolle und kluge Tiere.“ Ich hoffte, dass es so war, wie mein Vater gesagt hatte. Dass Aiko wirklich einfach nur einen Alptraum hatte. Aber als ich im Bett war, sagte mir mein Unterbewusstsein, dass es schlimmer käme.
…
Am nächsten Morgen weckte mich meine Mutter: „Steh auf, mein Laura-Igelchen, es ist Zeit für die Schule!“ Verschlafen ging ich in die Küche um zu frühstücken. Mein Vater saß schon am Tisch und trank seinen Cappuccino. Als ich hereinkam und mich auf meinen Stuhl setzte, sagte er: „Guten Morgen, Laura! Oder vielleicht auch schlechten...Ich habe zwei Neuigkeiten! Zuerst die gute oder die schlechte?“ „Hmmm...die Gute...“, antwortete ich. „Also, das Alligatorweibchen Ella bekommt bald ein Baby! Die schlechte Neuigkeit ist, dass es Aiko sehr schlecht geht und er der Tierarzt gerade bei ihm ist.“ Ich war entsetzt. Aiko war immer gut gelaunt, auch wenn er ein bisschen Fieber hatte! Was war nur mit ihm los? Ich wollte mir gar nicht vorstellen, was er alles haben konnte. Ich hoffte, dass alles gut ging.
…
Bis ich in der Schule war, sagte ich nichts mehr. Ich hatte Angst. In der Schule meldete ich mich auch ganz wenig und meine Lehrerin wunderte sich sehr. Nach der Schule ging ich sofort in den Zoo und ins Elefantengehege. Aber Aiko war nicht da, dafür aber mein Vater. „Hallo Laura! Es ist schwer es dir zu sagen...aber...Aiko ist krank. Er hat Tuberkulose. Und die Wahrscheinlichkeit, dass er davon nicht stirbt, ist nur sehr gering. Wir versuchen ihn zu behandeln...“ Mir schossen die Tränen in die Augen. Ich rannte in mein Zimmer und knallte die Tür zu. Alles war zu Ende. Warum musste unbedingt Aiko diese Krankheit haben und nicht irgendein anderer Elefant! Er hatte eine Chance, aber nur eine ganz kleine...Wenn er sterben würde...dann...Ich würde das nicht überstehen!
…
Ich lag den ganzen Tag im Bett und weinte ununterbrochen. Zu Mittag aß ich nichts und zu Abend stellte mir meine Mutter mein Essen vor die Tür, aber ich rührte es nicht an. Ich gab mir die Schuld, dass ich mich nicht gut um Aiko gekümmert hatte, aber die Zeit konnte nicht zurückgedreht werden. Am nächsten Tag ging ich nicht zur Schule, weil mein Kopf dröhnte. Bis zum Mittag lag ich im Bett, las manchmal, schlief oder weinte. Aber es kam die Stunde, Punkt 12 Uhr, 46 Minuten, 33 Sekunden, als mein Vater mich anrief. „Hey“, sagte er, und ich hörte jetzt schon die Enttäuschung in seiner Stimme, „wir waren bei der Besprechung mit dem Arzt...Aiko wird leiden...und...man kann ihn nicht heilen. Wir müssen ihn einschläfern.“ Bumm. Mein Handy war runtergefallen. Mein Gesicht war in meinem Kissen vergraben und ich weinte. Immer wieder, und immer wieder. Aiko war mein bester Freund und wenn es ihn nicht nicht geben würde, würde mein Leben keinen Sinn ergeben. Alles was ich sah, war nun schwarzweiß. Den ganzen Tag über aß ich wenig. Aber mich störte kein Hunger. Mich störte nichts mehr, denn es gab nichts Schlimmeres, als dass Aiko von uns gehen würde.
…
Der Tag der Tage kam. Ich fuhr gemeinsam mit dem gesamten Zoo-Team und mit Aiko zum Tierarzt. Ich weinte wenig und akzeptierte einfach, dass mein Schicksal mich hasste. Ich wollte jemanden dafür hassen, dass er Aiko diese Krankheit gegeben hat, aber es gab niemanden dafür. Ich war einfach sauer auf meine Eltern, meine Freunde, auf mich selbst, auf die ganze Welt. Eigentlich wollte ich gar nicht mitkommen, aber ich tat es für Aiko. Als der Tierarzt kam, schmerzte mir alles. Ich durfte Aiko das letzte mal sehen, bevor er in den Operationssaal gebracht wurde. Ich ging zu ihm und kniete mich hin. „Aiko...“, flüsterte ich, „leb wohl.“ Ich streichelte seinen Kopf. Er schaute mich mit seinen Augen an. Und dann wurde er in den OP-Saal gebracht.
…
Ich lag in meinem Bett. Die Zeit war schnell vergangen, obwohl ich nichts getan hatte. Ich hatte reglos auf meinem Bett gesessen. Nun lag ich da, weil es schon Nacht war. Ich dachte über alles nach, was passiert war. Aiko war tot. Aber hieß tot eigentlich, dass jemand weg sei? Ich stand auf und schaute aus dem Fenster. Der Mond leuchtete und der Fluss, den man aus meinem Fenster sehen konnte, glitzerte. Ich sah die Brücke, die von der Straße unter meinem Fenster über den Fluss führte. Und da sah ich Aiko. Er schritt langsam durch das Wasser, obwohl der Fluss tief war. Da wurde mir vieles klar. Er war nicht weg. Er war immer noch überall. In meinem Herzen. Dadurch, dass er tot war, ging unsere Freundschaft nicht zu Ende. In dieser Nacht saß ich am Fenster und sah Aiko zu, wie er durchs Wasser ging.
… Zeitsprung – 15 Jahre später …
Drrrrrring! Drrrrrring! „Hallo...?“ „Laura, hallo! Es tut mir sooo Leid, dass ich nicht dabei sein konnte! Ich hatte etwas sehr wichtiges zu tun. Bist du gut ins Krankenhaus gekommen? Wie geht es Leon?“ „Gut, und Leon schläft...danke Papa.“ „Stell dir vor, gerade ist ein Giraffenjunges im Zoo geboren! Sie heißt Aitha! Bestimmt werden Leon und sie Freunde!“
Ich hoffe euch hat die Geschichte gefallen und ja, sie ist ziemlich traurig geworden 😅
Liebe Grüße
WolfMädchen 🐺💜
Zum bezaubern schön💙