Eure Geschichten

Layla🎀 und Victoria🌺 - Verknallt im Oktober Pt. 2

Der Plan 

Die beiden rückten noch ein Stück näher zusammen, während der Wind ein paar goldene Ahornblätter über ihre Schuhe wirbelte.

Victoria wärmte ihre Hände an dem Pappbecher und schaute nachdenklich in den wolkenverhangenen Himmel.

„Weißt du, was das Verrückteste ist?“, brach Victoria das Schweigen, und ein leises Lachen entwich ihr. „Mein Bruder hat morgen wieder Training. Und er hat mich vorhin gefragt, ob ich ihm eine frische Wasserflasche vorbeibringe, weil er seine vergessen hat. Das ist meine Chance, Layla. Ich stehe morgen buchstäblich auf dem Spielfeld, nicht nur auf der Tribüne.“

Layla verschluckte sich fast an ihrem Kakao und sah ihre Freundin mit großen Augen an. „Oh mein Gott, Vic! Das ist das perfekte Szenario. Du läufst rein, bringst die Flasche, und der Basketballjunge steht genau da. Du musst einfach Augenkontakt halten und lächeln. Ganz ungezwungen.“

„Leichter gesagt als getan“, murmelte Victoria und vergrub ihr Gesicht im hohen Kragen ihres Pullovers. „Ich wette, ich stolpere über meine eigenen Ugg-Boots und die Flasche rollt quer durch die Halle.“

„Wirst du nicht“, beruhigte Layla sie und stieß sie sanft mit der Schulter an. „Und wenn doch, fängt er sie vielleicht auf. Wie in einem Film.“

Gerade als Victoria antworten wollte, knackte es auf dem Kiesweg hinter ihrer Bank. Das Geräusch von Schritten auf feuchtem Laub ließ beide Mädchen gleichzeitig herumfahren.

Ein Junge in einer oversized, dunkelgrünen Vintage-Strickjacke und einer ausgewaschenen Cordhose kam den Weg entlanggeschlendert. Er hatte Kopfhörer um den Hals hängen und die Hände tief in den Taschen vergraben. Seine braunen Locken waren vom Wind leicht zerzaust.

Layla erstarrte. Ihr Herz machte einen gewaltigen Satz und landete direkt in ihrer Halsgrube. Es war Emil!

Die Einladung 

Victoria warf Layla einen panischen, aber absolut begeisterten Blick zu und kniff ihr heimlich in den Arm. „Atmen, Layla, einfach atmen“, flüsterte sie so leise, dass nur Layla es hören konnte.

Emil bemerkte die beiden, verlangsamte seinen Schritt und ein breites, ehrliches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er steuerte direkt auf ihre Bank zu.

„Hey Layla“, sagte er mit seiner angenehm ruhigen Stimme. „Hey. Was macht ihr denn hier in der Kälte?“

„Hi Emil“, brachte Layla heraus. Sie war stolz, dass ihre Stimme fast normal klang, auch wenn sie spürte, wie die Wärme wieder unaufhaltsam in ihre Wangen stieg – passend zum tiefen Rot des Ahornbaums über ihnen. „Wir... genießen nur den Herbst. Und trinken Kakao.“

„Beste Entscheidung“, meinte Emil, zog eine Hand aus der Tasche und deutete vage auf den Park. „Die Farben heute sind echt der Wahnsinn. Übrigens, Layla – danke noch mal wegen der Chemie-Hausaufgaben gestern. Die Sache mit den Elektronenbindungen hätte ich sonst echt verpatzt.“

„Immer gerne“, erwiderte Layla und diesmal schaffte sie es, ihm direkt in die Augen zu sehen. Sie funkelten im warmen, späten Nachmittagslicht.

„Ich muss weiter, mein Dad wartet mit dem Essen“, sagte Emil, trat einen Schritt zurück, blieb dann aber noch mal kurz stehen. Er sah Layla einen Moment lang an, als würde er kurz überlegen. „Hey, wir gehen morgen nach der Schule mit ein paar Leuten zum Waffelessen in dieses neue Café am Marktplatz. Das mit den Zimt-Waffeln. Hast du... also, habt ihr beide vielleicht Lust, mitzukommen?“

Victoria reagierte blitzschnell, noch bevor Laylas Gehirn die Einladung überhaupt verarbeitet hatte. „Wir lieben Waffeln! Wir sind auf jeden Fall dabei.“

„Cool“, lächelte Emil und wirkte erleichtert. „Dann bis morgen. Tschüss, Layla!“ Er winkte kurz und ging mit großen, entspannten Schritten den Parkweg weiter, während er sich seine Kopfhörer wieder aufsetzte.

Die Mädchen warteten exakt fünf Sekunden, bis er hinter der nächsten Biegung verschwunden war. Dann drehten sie sich zueinander um und stießen einen unterdrückten, kreischenden Jubelschrei aus.

„Er hat dich gefragt! Er hat dich eingeladen!“, rief Victoria und schüttelte Layla vor Freude an den Schultern. „Und er hat sich an deinen Namen erinnert, obwohl ich danebensaß!“

„Wir gehen Waffeln essen“, flüsterte Layla fassungslos, aber mit einem riesigen Grinsen im Gesicht. Die anfängliche Kälte des Nachmittags war komplett vergessen. „Okay, Planänderung für morgen: Erst rettest du deine Wasserflaschen-Mission beim Basketballtraining, und danach feiern wir deinen Erfolg mit heißen Zimt-Waffeln und Emil.“

Sie stießen ihre Becher an. Der Wind frischte auf und blies eine Wolke aus goldenen Blättern um ihre Bank herum, aber zwischen den beiden Freundinnen fühlte sich der Herbst plötzlich so warm und aufregend an wie noch nie.

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