Biikebrennen – ein friesisches Fest
„Tjen di Biiki ön!“ Das ist Friesisch für „Zünd die Biike an!“ Damit wird das große Biikefeuer am 21. Februar eingeleitet. In Nordfriesland (Schleswig-Holstein) wird jährlich das Biikebrennen gefeiert. Doch wie kam es zur Tradition? Und wie feiert man heute?
Böse Geister, Ernte und Wale
Heute erinnert man sich oft nicht mehr an den Ursprung des Biikebrennens. Das Fest ist schon sehr alt. Viele glauben aber, das Feuer sollte im Mittelalter böse Geister vertreiben und die Saat schützen. Weil in der Mittelalter-Gesellschaft sehr viele Menschen von der Landwirtschaft lebten, war eine gute Saat etwas sehr Wichtiges. Das Fest kommt ursprünglich von den Friesen.
Die Friesen
Die Friesen sind eine Gruppe in Norddeutschland. Früher waren viele Friesen Teil der Seefahrt. Deshalb hieß die Nordsee bis in das Mittelalter „Friesisches Meer“. Heute werden Friesen in Deutschland und den Niederlanden als „nationale Minderheit“ anerkannt. Die Sprache Friesisch wird nur noch von wenigen Menschen in Deutschland gesprochen.
Für viele Jahre war das Fest auch mit Abschied verbunden. Am darauffolgenden Tag begann die Walfang-Saison. Das heißt, dass viele Männer zur See fuhren. Das Ziel waren die Wale im Norden. Doch die Reise war lang und gefährlich. Erst im September kamen sie zurück. Die Ehefrauen blieben währenddessen alleine an Land zurück. Damals wurden die Feuer am Strand gezündet. So sollten die Schifffahrer sicherer auf ihren gefährlichen Reisen sein.
Jagd auf Wale – heute verboten
Durch den Walfang sind viele Walarten ausgestorben. Andere sind noch heute vom Aussterben bedroht. Deshalb gibt es ein internationales Abkommen. Der Walfang wird dadurch begrenzt. Das soll die Artenvielfalt unserer Erde schützen. In Deutschland ist es mittlerweile verboten, Wale zu jagen.
So wird gefeiert
In vielen norddeutschen Städten und Dörfern gibt es Biikefeuer, an denen Einwohner und Einwohnerinnen zusammenkommen. Dieses Jahr findet das Biikebrennen am 21. Februar statt. Sie bringen viel zum Verbrennen mit. Alte Weihnachtsbäume, Tannengestecke und Überbleibsel der Gartenarbeit eignen sich gut. Auf dem Biikefeuer verbrennt eine Strohpuppe. Man nennt sie den „Pidder“ oder das „Petermännchen“. Die Puppe steht für alles, was alt und überflüssig ist. Indem man sie verbrennt, startet man frisch in den Frühling.
Am Abend des Biikebrennens sorgen Schauspiel und Gesang für Unterhaltung. Oft gibt es auch lange Reden, bevor das Biikefeuer gezündet wird. Sie werden auf Deutsch und auf Friesisch gehalten. Die Themen sind politisch oder sozial. Traditionell gibt es Grünkohl mit Kassler und Kartoffeln zu essen.
Aber: Biikebrennen wird von Ort zu Ort unterschiedlich gefeiert. Das heißt, die Traditionen und Bräuche unterscheiden sich je nach Region, Stadt oder Insel.
Biikebrennen ist Kulturerbe
Seit 2014 gehört das Biikebrennen zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands. Immaterielles Kulturerbe sind Bräuche und Traditionen, die über Generationen hinweg weitergetragen werden. Traditionen sollen durch das Label sichtbarer gemacht werden und besser erhalten bleiben. Um etwas zum „Kulturerbe“ zu ernennen, muss man eine Bewerbung an die UNESCO schicken. Das ist eine Organisation, die zu den Vereinten Nationen (UN) gehört.