Natur und Mensch

Le­ben mit KI - Wie sieht un­se­re Zu­kunft aus?

Wir haben Jasmin Minges interviewt. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Futurium. Das ist das Haus der Zukünfte in Berlin. Im Futurium dreht sich alles um die Frage: Wie wollen wir leben? In der Ausstellung können Besucherinnen und Besucher viele mögliche Zukünfte entdecken, gemeinsam darüber diskutieren und im Futurium Lab eigene Ideen ausprobieren. 

Was ist Künstliche Intelligenz kurz erklärt?  

Jasmin: Menschen können Probleme und Aufgaben mit ihrer Intelligenz lösen: Sie denken, treffen Entscheidungen, bewerten, lernen, planen. Das überträgt man auf Computerprogramme. Die Bausteine dafür sind komplizierte Algorithmen und große Datenmengen. Algorithmen brauchen eindeutige Anweisungen von Menschen. Diese Befehle legen fest, wie eine Aufgabe gelöst wird. Das Computerprogramm führt dann Schritt für Schritt diese Befehle aus. Je mehr Schritte für die Problemlösung notwendig sind, desto komplizierter ist der Algorithmus. 

Und dann gibt es noch das maschinelle Lernen. Das meint, dass ein Algorithmus selbstständig lernt, eine Aufgabe zu erfüllen, indem er sie ständig wiederholt. Er bekommt eine Aufgabe und jede Menge Daten, aber nicht den Lösungsweg. Roboter bekommen zum Beispiel nur gesagt, dass sie einen Gegenstand von einer Stelle zu einer anderen transportieren sollen, aber nicht wie sie die Gegenstände greifen müssen. Das lernen sie durch Ausprobieren und durch das Feedback, wenn sie eine Aufgabe geschafft haben. 

Was glaubst du: Wo wird KI unser Leben in Zukunft am meisten verändern? 

Jasmin: Das weiß ich nicht. Das hängt auch davon ab, ob wir von zehn, zwanzig oder einhundert Jahren sprechen. Aber neben der Frage, was KI einmal können wird, sollten wir uns schon heute damit auseinandersetzen, wo KI unser Leben verändern soll oder darf und wo nicht. Welche Aufgaben soll sie überhaupt übernehmen? Wo soll sie uns unterstützen und was wollen wir lieber selbst tun? Darüber sollten so viel Menschen wie möglich diskutieren und gemeinsam und demokratisch eine Lösung finden. 

Wird es in Zukunft KI geben, die Gefühle hat oder die dem Menschen sehr ähnlich ist? 

Jasmin: Gefühle von Maschinen oder Programmen wären nur eine Simulation, also nachgeahmt. Das heißt: Sie tun nur so, als ob. Wenn es darum geht, wie ähnlich KIs dem Menschen werden könnten, unterscheiden Forscherinnen und Forscher zwischen schwachen und starken KIs: Schwache KI löst ganz spezielle Aufgaben, und auch nur genau diese Aufgaben. Schwache KI kann zwar bestimmte Dinge lernen, aber nicht selbstständig alles Mögliche lernen, also nicht wie wir Menschen: Matheaufgaben machen, Gitarre spielen und Fahrrad fahren.

Starke KI dagegen hätte die gleiche Intelligenz wie der Mensch oder würde sie sogar übertreffen. Sie könnte selbstständig Probleme erkennen und sich selbst Aufgaben geben. Dafür würde sie sich alles nötige Wissen beschaffen. Sie könnte außerdem logisch denken. Sie könnte Entscheidungen auch dann treffen, wenn es viele Unsicherheiten gibt, planen und sich in natürlicher Sprache mit uns austauschen. Dazu ist heute noch keine KI in der Lage. Und dann haben wir Menschen ja nicht nur ein Gehirn, sondern auch noch einen Körper, der ganz schön viel kann. Man müsste also eine starke KI auch noch in eine Maschine bringen, die all die verschiedenen Dinge kann, die unser Körper kann. 

Wo kann KI den Menschen gut ersetzen? 

Jasmin: KI wird zum Beispiel in der Arbeitswelt immer wichtiger. Für Menschen ist es eine große Herausforderung, sehr komplizierte Abläufe gleichzeitig zu planen, wie zum Beispiel in großen Einkaufslagern. Wenn man es mit sehr vielen Daten zu tun hat, kann einen eine KI auch darauf hinweisen, dass man etwas übersehen hat. Oder sie kann Informationen nach Wichtigkeit sortieren.

KI kann auch die Arbeit von manchen Ärzt*innen unterstützen: etwa, um herauszufinden, welche Krankheit ein*e Patient*in hat. Sie ist dabei aber nur ein Werkzeug unter ganz vielen und hilft auch nur bei bestimmten Krankheiten. Viele Berufe werden in Zukunft durch KI ergänzt, andere Berufe gibt es vielleicht nicht mehr. Aber es wird auch neue Berufe geben, weil es zum Beispiel Menschen braucht, die KI erstellen, bedienen und verbessern. 

Wo sollte KI den Menschen nicht ersetzen? 

Jasmin: Das ist eine Frage, die wir gemeinsam diskutieren und entscheiden sollten. Im Moment ist es so, dass zum Beispiel Unternehmen KIs einsetzen, ohne dass wir es wissen, obwohl es uns aber betrifft. In sozialen Netzwerken zum Beispiel. Und viele Menschen haben fast keine Chance, solche KIs zu bemerken oder ihre Entscheidungen anzuzweifeln. Wenn aber solche Programme in Zukunft zunehmen, dann brauchen wir Regeln, wie wir KIs und Computerprogramme nutzen und kontrollieren. Zum Beispiel, dass wir überhaupt sehen, dass eine KI eingesetzt wird, wie sie funktioniert, was sie kann und wofür sie eingesetzt wird.  

Wird im Futurium eine KI genutzt?

Jasmin: Wir haben im Futurium einen Wünschespeicher. Schon vor der Eröffnung haben wir damit Menschen an verschiedenen Orten nach ihren Zukunftswünschen gefragt. Besucher*innen können in den Wünschespeicher eingeben, was er oder sie sich wünscht. Eine Künstliche Intelligenz sortiert die Wünsche: Wenn ich mir zum Beispiel wünsche, dass ich in Zukunft immer einen unendlichen Vorrat an Schokolade habe, dann sortiert die KI diesen Wunsch vielleicht bei Glück ein oder bei Ernährung. Die KI vernetzt die Wünsche außerdem miteinander. Zum Beispiel, wenn sich eine andere Person wünscht, dass wir künftig keine Tiere mehr essen. 

Was glaubst du: Wie sieht die Zukunft der KIs in 20 Jahren aus? Was können die dann schon? 

Jasmin: Die Zukunft können wir im Futurium nicht voraussehen, und auch Forscher*innen lagen bei einer solchen Frage schonmal falsch. Ich finde zum Beispiel die Frage sehr spannend, wie Künstliche Intelligenz in Roboter kommt. Denn dann muss die Maschine nicht nur denken, sondern auch ihre Umwelt um sich herum wahrnehmen und sich in ihr bewegen. Sie muss stabil gebaut sein und zum Beispiel etwas anfassen. 

Wie kann KI uns im Alltag helfen? 

Jasmin: KI ist schon ein fester Bestandteil unseres Alltags, zum Beispiel wenn wir im Internet nach etwas suchen, Sneakers kaufen oder einen Urlaub buchen. Unsere Smartphones verstehen gesprochene Sprache und man kann sich in Windeseile Texte übersetzen oder ein Bild „malen“ lassen. Dass Fahrzeuge ohne menschliche Fahrer*innen unterwegs sind und bald noch viel mehr unterwegs sein könnten, darüber wird auch öfter berichtet und diskutiert. Die Frage für die Zukunft ist aber für mich auch hier nicht nur: Kann sie uns helfen, sondern wo wünschen wir uns, dass sie uns hilft, und mit welchen Regeln tut sie das.  

Vielen Dank für das Interview, Jasmin!

Anmerkung der Redaktion: Jasmin Minges verwendet in ihrem Interview an mehreren Stellen das sogenannte Gendersternchen (*), zum Beispiel bei dem Wort Ärzt*innen. Mit dem Sternchen sollen auch die Menschen angesprochen werden, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen. 

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Ich will selber so eine KI programmieren können!