Natur und Mensch

„Naturschutz2go“ - Saatgut statt Kaugummi

Jonte ist 17 Jahre alt und kommt aus Bremen. Seit seinem 7. Lebensjahr ist er Imker. Das Aussterben der Wildbienen beschäftigt ihn sehr. Deshalb startete er sein Projekt „Naturschutz2go“. Dafür baut er alte Kaugummiautomaten in

 Saatgutspender um.  

Damit hat Jonte eine Möglichkeit gefunden, seinen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt zu leisten und Lebensräume für Insekten und andere Tiere im Garten oder auf dem Balkon zu schaffen. Wir haben Jonte interviewt und nachgefragt, wie sein Projekt Naturschutz2go läuft.

Wie bist du auf die Idee gekommen, alte Kaugummiautomaten umzubauen?

Ein Saatgutautomat an einer Holzwand. Darüber steht in roter Schrift. AN der Wand hängt ein Schild, auf dem steht "Herz auf! Hirn an!" "Bienen Pralinen".

Jonte: Ich bin Imker, seit ich sieben Jahre alt bin. Irgendwann habe ich herausgefunden, dass es den Wildbienen nicht gut geht und viele bedroht sind. Ich wollte das gerne ändern und habe 2019 auf einem Flohmarkt in Berlin einen alten Kaugummiautomaten gesehen. So kam mir die Idee zum Saatgutautomaten. Den habe ich dann im Verlauf des Jahres aus Holz- und Metallresten gebaut, die ich so zu Hause hatte.

Wer hat dich bei deinem Projekt unterstützt?  

Jonte: Meine Geschwister helfen beim Bepacken der Samenkapseln und -schachteln, mit denen wir die Automaten befüllen. Und mein Papa hilft beim Bauen. Sirfruitloops, ein Künstler aus Kiel, hat mir Logos gemalt. Ich telefoniere viel rum auch wegen Saatgutspenden. Eine Firma hat mir jetzt die Graspapierschachteln gesponsert. Und die Firma Velolab in Bremen, die Lastenräder baut, hat die Automaten pulverisiert. Da ist mittlerweile ein echt cooles Netzwerk entstanden.  

Wie läuft das Projekt aktuell?

Jonte: Das Projekt läuft super, es vergrößert sich und es kommen immer wieder neue Automaten dazu. Ich war jetzt ein Jahr im Ausland, da habe ich aus der Ferne einiges organisiert, aber auch vieles vom Projekt an meine zwei Brüder abgegeben. Sie haben mir ja von Anfang an geholfen. Aktuell plane ich Workshops nach der Sommerferien.

Welche Idee steckt hinter deinem Projekt?  

Jonte: Die Idee ist, so viele Quadratmeter an Blühflächen wie möglich zu schaffen. Mein Projekt ist so aufgebaut, dass die Idee immer weitergetragen wird. Durch meine Bauanleitung, die auch im Internet als Video zu finden ist, sind schon viele Automaten entstanden. Es gibt schon viele Kinder und Jugendliche, die Projekte rund um einen Saatgutautomaten gemacht haben und das ist toll.

Du hast 2022 den Deutschen Kinder- und Jugendpreis mit deinem Projekt gewonnen. Was hast du mit dem Preisgeld gemacht?

Jonte: Ich habe das Preisgeld vom Deutschen Kinder- und Jugendpreis in Workshops investiert, die ich mit und für Kindern und Jugendliche gemacht habe. Ich habe zum Beispiel Workshops mit Kindern vom NAJU veranstaltet, aber auch auf Wangerooge in einem Schullandheim und beim Fußballverein St.Pauli.    

Die Workshops haben sich rund um den Saatgutautomaten gedreht. Wir haben zusammen einen Saatgutautomaten gebaut, aber auch Insektenhotels und Saatbomben (Seed Bombs) hergestellt. Es ging mir dabei immer darum, das Verständnis der Biosdiversiät von Kindern und Jugendliche zu fördern.  

Wie viele Automaten gibt es mittlerweile?  

Eine Collage vieler verschiedener Saatgutautomaten.

Jonte: Das ist schwierig zu sagen, weil ich nicht weiß, wer welche baut und immer wieder welche dazukommen.  Saatgutautomaten von denen ich definitiv weiß, dass sie gebaut wurden, sind schätzungsweise 100.  

Du imkerst, seit du sieben Jahre alt bist. Wie bist du dazu gekommen?  

Jonte: Ich war auf einem Imker-Workshop in Bremen, gemeinsam mit meinem Bruder. Uns gefiel das Imkern so gut, dass wir unserem Vater vorschlugen, auch zu imkern. Mein Vater hat sich dann sehr intensiv in das Thema reingelesen, so dass wir dann alle gemeinsam starten konnten.

Wo stehen die Bienenstöcke?

Jonte: Unsere Bienen leben tatsächlich mitten in Bremen auf unserem Garagendach, also quasi über unserem Garten. Ich habe auch immer noch Bienenstöcke und arbeite mit den Bienen zusammen. Den Honig geben wir weiter an Freunde, Nachbarn und an die Familie.

Welche Zukunftspläne hast du?

Jonte: Mein Zukunftsplan ist, dass ich mit meinem Projekt nicht mehr erreichen kann, dass ich das Artensterben nicht mehr stoppen muss, weil es schon gestoppt ist. Ich möchte mein Projekt also unnötig machen. Das ist mein großes Ziel.  

 

Danke für das Interview! 

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Eure Kommentare

Oha, richtig cool! Ich hoffe, mehr Leute kommen auf so gute Ideen. LG Nini58310💜

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Alle ACHTUNG Jonte. 👍👍👍  eine geniale und prima Sache  ...  mach weiter so 

LG Ralph aus Niedersachsen