Natur und Mensch

Wie ar­bei­tet ei­ne Che­mie­tech­ni­ke­rin?

Erzähle uns doch mal was du arbeitest!

Judith: Ich leite ein analytisches Labor in einer Firma. Analytische Chemie bedeutet, dass man biologische Proben mit verschiedenen Methoden untersucht, um herauszubekommen, wie deren  Zusammensetzung ist. Wir untersuchen alles, was ein Stoffwechsel hat, wie Früchte, Gemüse, Teile von Tieren, wie Blut und Urin. Wir untersuchen auch Sachen, die biotechnologisch hergestellt werden, wie zum Beispiel Insulin. Insulin bekommen Menschen, die an Diabetes erkrankt sind. Wir beraten dann die Firma, die das Insulin herstellt.

Was untersucht dein Labor?

Judith: Wir untersuchen vorwiegend Stoffwechselprodukte von biologischen Proben. Zum Beispiel untersuchen wir gerade Kiwis. Es gibt Testpersonen, die kosten die Kiwis und wir bekommen die andere Hälfte zur Untersuchung. Mein Labor analysiert diese Kiwiproben. Wir können dann vorherbestimmen, welche Proben aufgrund welcher Substanzen am besten schmecken. Bevor Kiwis auf den Markt kommen, werden sie gezüchtet. Man spricht davon, dass die Züchter verschiedene Linien haben. Um herauszufinden, welche Linie am besten schmeckt und weitergezüchtet werden soll, müssen eigentlich sehr aufwendige Verkostungstests gemacht werden. Die Hoffnung ist, dass es analytisch schneller geht.

Kannst du am Beispiel der Kiwi Schritt für Schritt erklären, wie ihr die Proben untersucht?

Judith: Die Kiwi wird halbiert, die andere Hälfte bekommen Tester zu verkosten. Wir schneiden eine Schreibe ab und diese dann in ganz kleine Stücke. Die Probe kommt dann sofort in flüssigen Stickstoff, sie wird so schockgefroren. Es ist wichtig, dass wir die Kiwi in dem Zustand einfrieren, den sie beim Aufschnitt hatte. Denn sofort, wenn man eine Frucht erntet oder aufschneidet, setzen abbauende Prozesse ein. Und die wollen wir nicht analysieren.

Dann wird das zu Pulver zermahlen. Die Probe darf nie wärmer als minus 60 Grad werden. Das bedeutet einen großen Aufwand, weil wir mit flüssigen Stickstoff und Trockeneis weiterarbeiten. Das Pulver wird gewogen und dann extrahiert. Das heißt, dass wir die Stoffwechselprodukte, die wir analysieren wollen, mit einem Lösungsmittel aus dem Pulver herausholen. Dann wird die Probe geschüttelt und zentrifugiert, dafür haben wir spezielle Geräte. Was übrig bleibt, der Überstand, kommt in unsere Maschinen, die die Proben auftrennen und die Massen messen.

In welchen Bereichen hast du noch gearbeitet?

Judith: Ich habe schon Medikamente auf ihre Inhaltsstoffe untersucht mit ähnlichen Methoden. In der Kohlenhydratanalytik habe ich Stärke und Zucker gemessen. Mit dieser Methode wird viel analysiert, um den Gehalt von bestimmten Substanzen zu bestimmen. Es gibt noch andere Beispiele: In Kliniken analysiert man so Inhaltsstoffe von Blut und Urin, dann gibt es die Lebensmittelanalytik – denn auf jeder Flasche Wasser steht drauf, was drin ist. Diese Werte kommen aus einem Labor.

Was sind deine Hauptaufgaben?

Judith: Ich manage die Arbeit von fünf Labormitarbeitenden und warte die analytischen Geräte. Ich bin vor allem bei der Lösung von Problemen gefragt. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht aus Projektmanagement: Ich rede auch mit Kunden und verteile die Aufgaben, die für unterschiedliche Projekte notwendig sind.

Wie sieht dein typischer Arbeitsalltag aus?

Judith: Ich komme erst einmal ins Büro. Als erstes prüfe ich, ob die Messungen des vergangenen Tages gut gelaufen sind. Ich kann vom Büro auch ins Labor auf die Instrumentenrechner sehen und weiß dann, ob was schief lief. Wenn es eine Baustelle gibt, kümmere ich mich darum, so dass die Messung fortgeführt werden kann. Wir haben einen strikten Tagesablauf und ich schau, ob der Plan eingehalten werden kann. Wenn sich zum Beispiel jemand krank gemeldet hat, muss ich etwas verschieben.

Ich bin tatsächlich nicht so oft im Labor, sondern eher im Büro. Ich mache eher die Planung und bin nur im Labor, wenn es Probleme gibt. Wenn es gut läuft, arbeite ich die E-Mails ab und schau, wann die nächsten Proben kommen. Manchmal gibt es Schwierigkeiten mit dem Versand: Da alles auf Trockeneis kommt, muss ich dranbleiben und nachverfolgen, wo die Proben bleiben. Dann koordiniere ich die Probenvorbereitung für die nächsten Tage.  

Was macht dir Spaß am Job?

Judith:  Es ist sehr vielseitig, weil ich mehrere Jobs auf einmal habe. Es ist in den letzten neun Jahren noch nie langweilig geworden. Mein Organisationstalent ist gefragt und mein technisches Geschick, ich habe da wirklich was gelernt, was mir liegt, und das macht mich glücklich.

Welche Eigenschaften benötigt man, um deinen Beruf auszuüben?

Judith: Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit sind sehr wichtig. Man muss Lust haben, sehr genau zu arbeiten, in dem Beruf kann man in nichts schludern. Und man muss Lust darauf haben, Technik zu verstehen. Außerdem sollte man schon in der Schule in Mathematik, Chemie und Physik gut verstehen können. Aber vieles lernt man auch in der Berufsausbildung.

Wie sieht denn die Ausbildung aus?

Judith: Zunächst macht man eine Ausbildung zum Chemieloboranten oder zum chemisch-technischen Assistenten. Beide Ausbildungen setzen kein Abitur voraus. Das sind praktische Ausbildungen an der Berufsschule. Wenn man dann drei bis fünf Jahre Berufserfahrung gesammelt hat, kann man in eine Technikerschule gehen. Chemietechniker wird man dort nur im 2. Bildungsweg, das ist eine Fortbildungsmöglichkeit für Laboranten.

Vielen Dank für das Interview!

Fakten zum Beruf

Beruf: Chemietechnikerin/ Chemietechniker

Voraussetzung: Abitur

Ausbildung: Chemielaboranten oder chemisch-technischen Assistenten (kein Abitur nötig)

Schulische Interessen: Mathe, Chemie, Physik

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Eure Kommentare

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ich find ich mag chemie aber ein bischen langweilig
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es ist nicht so gut  
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es ist nicht so cool  
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Es ist alles gut