Politik

Wann müs­sen Kin­der vor Ge­richt aus­sa­gen?

Kinder als Zeugen

Manchmal werden Kinder als Zeugen/Zeuginnen zum Gericht eingeladen. Das heißt, dass das Kind etwas weiß, was für das Gericht sehr wichtig ist. Zum Beispiel weil es gesehen hat, wie eine Person einer anderen Person Gewalt angetan hat. Das Kind bekommt eine Einladung und soll dann beim Gericht Fragen beantworten.

Als Kind muss man aber nicht allein zum Gericht! Man bekommt Hilfe von einem Begleiter oder einer Begleiterin. Die Begleiter kennen sich sehr gut mit dem Gericht und auch sehr gut mit Kindern aus. Sie beschreiben vorher genau, was beim Gericht passieren wird und erklären alle komplizierten Wörter.

Kinder als Opfer

Kinder werden auch zum Gericht eingeladen, wenn sie selbst Opfer eines Verbrechens sind. Zum Beispiel wenn jemand einem Kind sehr wehgetan hat. Dann soll das Kind dem Richter oder der Richterin erzählen, was passiert ist, damit derjenige bestraft wird und verhindert wird, dass derjenige dem Kind wieder wehtut.

Viele Opfer haben dabei Angst oder schämen sich. Der Begleiter oder die Begleiterin spricht dann mit dem Kind über seine Gefühle. Viele Kinder wollen die Person, die ihnen wehgetan hat, auch nicht im Gerichtssaal wiedersehen. Deswegen dürfen sie woanders mit dem Richter oder der Richterin sprechen. Zum Beispiel im Spielzimmer des Gerichts. Das wird dann mit einer Video-Kamera aufgenommen und im Gerichtssaal abgespielt.

Info-Material für Kinder, die Opfer von Gewalt- oder Sexualstraftaten sind

Die Broschüre „Ich habe Rechte“ richtet sich an jugendliche Zeuginnen und Zeugen. Hier werden der Ablauf des Strafverfahrens erklärt und Beispiele diskutiert. Besonders thematisiert wird die Möglichkeit für Betroffene, selbst Anzeige zu erstatten. Zusätzlich bietet die Broschüre eine Liste von regionalen Beratungsstellen.

Das Kinderbuch „Anna und Jan gehen vor Gericht“ handelt von zwei Kindern, die sexuell missbraucht wurden. Sie erzählen von ihren Erlebnissen beim Gericht.

Der Flyer „Du bist nicht allein!“ von Violetta e.V. fasst zusammen, was eine Prozessbegleitung macht. Von Violetta e.V. gibt es auch ein Spiel: „Der Weg zum Gericht!“ Es ist für Zeugen und Zeuginnen zwischen 7 und 14 Jahren, die Opfer einer Gewalt- oder Sexualstraftat wurden. Das Spiel zeigt ihnen, was als Zeuge/Zeugin im Strafverfahren auf sie zukommt und macht ihnen Mut. 

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Ich musste zum Glück noch nie vor Gericht, aber einmal zur Polizei. Ich wurde auf dem Schulweg von einer Frau angesprochen, die mich gebeten hat, mit ihr über ein Problem zu reden. Sie meinte, sie wäre sehr verzweifelt und ob ich Zeit hätte, ihr zuzuhören. Ich habe zuerst höflich "Nein, tut mir leid" gesagt, weil ich nicht mit Fremden auf der Straße reden will/darf. Sie wollte, dass ich mit ihr in eine andere Gasse gehe. Ich hatte Angst und laut Nein gesagt. Dann meinte sie "Es ist böse, jemanden abzuweisen" und wollte, dass ich mitkomme. Ich bin in eine andere Richtung gegangen, habe gerufen "Ich will nicht mit Ihnen mitgehen!" Sie hat nicht nachgegeben, bis ich weggerannt bin. Auf dem Weg habe ich Ausschau nach Polizei gehalten und das erzählt. Der Polizist wollte, dass ich die Frau beschreibe und später mit meinen Eltern zusammen zum Polizeirevier komme. Dort musste ich nochmal alles genau erzählen und die Polizisten haben gesagt, dass ich es genau richtig gemacht habe, und auf keinen Fall mit der Frau mitgehen hätte sollen. LG Lilac