Lunas Tagebuch #19
(03:30 Uhr)
Oh. Mein. Gott. Was ist das für eine Nacht? Sorry, liebes Tagebuch, dass ich dich wecke, aber ich wurde auch mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen! Von Zoe! Aber von vorn.
Heimweh kann so weh tun
Es fing damit an, dass ich plötzlich aufwachte. Ich hatte ein Schluchzen gehört. Es kam von unten. Ich nahm mein Handy vom Nachttisch und schaute auf den Wecker. Es war 01:37 Uhr. So früh! Ich schaltete die Taschenlampe in meinem Handy an und leuchtete nach unten. Dort lag Zoe, auch mit ihrem Handy in der Hand. Und sie hatte Tränen in den Augen! "Zoe!", flüsterte ich besorgt. "Ist alles okay?" Zoe blickte zu mir nach oben und schüttelte den Kopf, ehe sie wieder zu weinen begann. Schnell schälte ich mich aus dem nach Lavendel duftenden Bett, sprintete die Leiter runter und setzte mich neben Zoe. Sie legte ihr Handy zur Seite. Dann umarmte ich sie ganz fest. Dazu sehe ich mich als Bestie meiner Bestie verpflichtet!
Nach etwa einer Minute hielt ich es nicht mehr aus. Ich reichte Zoe ein Taschentuch von ihrem Nachttisch und fragte, was los ist. Zoe schnäuzte einmal kräftig ins Taschentuch und flüsterte mit weinerlicher Stimme: "Heimweh." Ich sagte nur: "Oh nein." Sie tat mir echt leid! Aber was sollte ich sonst tun? Zoe fing wieder an, zu weinen. Nach etwa 10 Minuten schlief sie, glaube ich, beim Heulen ein. Ich konnte nicht anders und nahm Zoes Handy und warf einen Blick darauf. Der Chat mit ihrer Mutter war noch geöffnet. Den wollte ich aber nicht lesen, das ist ja Zoes Privatsphäre. Also drückte ich das Handy nur aus und legte es zurück an seinen Platz. Dann kletterte ich schnell zurück in mein Bett.
Nächtliche Begegnung
Erst konnte ich gar nicht schlafen, doch irgendwann bin ich dann eingeschlafen. Doch um ca. 02:30 Uhr wurde ich erneut geweckt. Zoe beugte sich über mich. Ich rieb mir die Augen. "Ich will nach Hause!", wimmerte Zoe. Oh nein. Was sollte ich denn jetzt tun? Schnell setze ich mich auf. "Komm her." Ich nahm Zoe in den Arm. Doch als schon wieder 10 Minuten vergangen waren, konnte ich nicht mehr. "Komm, Zoe. Wie gehen jetzt zu Frau Müller." Sie nickte nur.
Wir kletterten die Leiter meines Hochbettes hinunter und schlichen zur Tür. Doch leider war es so dunkel, dass ich erstmal dagegen lief. Mist! Das war voll laut! Ich hörte ein genervtes Brummen von Kiras Bett. "Guck!", schluchzte Zoe. Für die bin ich auch schon eine Belastung!" "Ach, Quatsch!", erwiderte ich. ICH bin doch gegen die Tür gelatscht!" Schnell öffnete ich sie und musste sofort die Augen zukneifen, denn es war total hell im Gang. Nach einigen Sekunden gewöhnten sich meine Augen an das grelle Licht. Wir betraten den Flur, schlossen die Tür hinter uns und schlichen los.
Auf dem Weg weinte Zoe immer noch die ganze Zeit leise. "Versuch, an was anderes zu denken! Nicht an zu Hause!", versuchte ich, sie zu beruhigen. Nach einigen Minuten wurde Zoes Weinen langsam leiser. Wir standen vor Frau Müllers Zimmer. Ich klopfte einmal kräftig dagegen. Doch niemand öffnete. Stattdessen ging am anderen Ende des Ganges eine Tür auf und zwei Jungs kamen uns direkt entgegen: Theo und Paul. "Was macht ih...", setzte Theo an, verstummte aber sofort, als er Zoes mit Tränen überflutetes Gesicht sah. "Alles gut?", fragte er schnell. "Boah, nein, das siehst du doch!", giftete ich, ohne nachzudenken. Sofort tat es mir leid, als ich Theos erschrockenes Gesicht sah. Ich war einfach wütend, weil ich total müde, besorgt um Zoe und traurig mit ihr war.
Sorgen um Theos Hund
Theo sah mich immer noch mit seinen haselnussbraunen, wunderschönen Augen an. Aber er sah enttäuscht aus. Ich schluckte kräftig. "Das...das war nicht so gemeint", piepste ich. Doch Theo nickte nur, schaute mich traurig an und sagte: "Okay. Dann gut Nacht noch." Er drehte sich um und ging. "Tut mir leid, er...", fing Paul an. "Er ist gerade etwas reizbar. Wegen seinem Hund." Ich wollte gerade fragen, was denn mit seinem Hund ist, doch da öffnete Frau Müller die Tür. "Luna, Paul,... Zoe!" Sie legte Zoe einen Arm um die Schulter und bat sie zu sich herein. Paul und ich sollten draußen warten. Frau Müller schloss die Tür und Paul und ich standen allein dort. Das war meine Chance!
"Was...ist denn mit Theos Hund?", fragte ich vorsichtig. "Er...er ist in der Tierklinik. Vielleicht wird er eingeschläfert", meinte Paul zerknirscht. Ich schnappte nach Luft. "Was!?", rief ich. "Ja, er...er hat oft geweint in letzter Zeit. Weiß nicht, ob ich dir das erzählen darf, das ist ihm peinlich... Vor allem vor dir...", murmelte Paul. "Wieso vor allem vor mir?", wunderte ich mich. "Ach, egal." Paul schaute auf seine Schuhe. Und ich starrte ihn an. "Armer Theo!", flüsterte ich.
In dem Moment ging die Tür von Frau Müllers Zimmer auf und Zoe kam heraus. Ich schloss sie gleich in meine Arme, doch sie schob mich weg. "Ach, ist schon okay." Und sie weinte gar nicht mehr! Anscheinend hatte Frau Müller sie gut beruhigen können. Wir sind dann zurück in unser Zimmer gegangen, Zoe ging es nun schon etwas besser, und Paul in seins, und wollten erstmal schlafen. Doch ich konnte nicht einschlafen, und deshalb schreibe ich Tagebuch. Später erzähle ich dir mehr, jetzt will ich nur noch schlafen!
Voll spannend!
Endlich 😀