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Was macht ei­gent­lich ein Pas­tor?

Die Reformation sorgte für die Entstehung der evangelischen Kirche. Was glaubst du, wie würde das Christentum heute aussehen, wenn es die Reformation nie gegeben hätte?

Pastor Rohlfing: Wahrscheinlich hätte sich die Christenheit weniger bunt und vielfältig entwickelt. Martin Luther hat vor 500 Jahren etwas in Gang gebracht, was schon in der Luft lag. Er hat sich auf die Bibel berufen und ist für die Freiheit und das eigene Denken eingetreten. Eigentlich wollte er nur Missstände in der (katholischen) Kirche ändern, z.B. den Ablasshandel, mit dem man sich von Sünden freikaufen konnte. Aber das führte dann zur Spaltung der westlichen Kirche in evangelisch und katholisch. Inzwischen haben sich die verschiedenen christlichen Kirchen wieder angenähert und man spricht von der "Einheit in Vielfalt".  Die Reformation hat also zu einer großen Buntheit geführt und auch die katholische Kirche ziemlich verändert.

Was bedeutet Christ sein für dich?

Pastor Rohlfing: Ich finde es lebenswichtig, darauf zu vertrauen, dass da mehr ist, als ich selber verstehen und überblicken kann. Dass es einen Gott gibt, der es gut mit mir meint, der den Sinn kennt, auch wenn ich manchmal daran zweifeln mag. Und dass ich nicht tiefer fallen kann als in seine Hand.

Und: Auch wenn ich nicht perfekt bin oder Fehler habe, ich bin o.k. Gott will mich so und liebt mich so, wie ich bin. Diese Erkenntnis hat Martin Luther in der Bibel wiederentdeckt.

Wie sieht dein Alltag als Pastor aus?

Pastor Rohlfing: Jeder Tag ist verschieden. Manchmal bin ich viel unterwegs und besuche Leute im Krankenhaus oder treffe mich mit Ehrenamtlichen, die Freizeiten oder Kindergottesdienste vorbereiten, alte und einsame Menschen besuchen, oder Musik machen. Manchmal sitze ich viel am Computer und schreibe Briefe und Texte für das Gemeindeblatt. Manchmal muss ich als Notfallseelsorger zu einem Unfall. Aber das kommt zum Glück nicht so oft vor.

Und dann gibt es viele Termine: Taufbesuche, Treffen mit Brautpaaren oder Trauernden, die einen Menschen verloren haben, den wir beerdigen müssen.  Und ich gehe regelmäßig  in die Schlusskreise im Kindergarten und erzähle biblische Geschichten.

Viel Zeit geht auch in alle möglichen Management-Aufgaben, wie  Gebäude renovieren oder Kirchenvorstandssitzungen leiten. Wenn ich kreativ arbeite und z.B. Gottesdienste vorbereite, mache ich das meistens spät abends, wenn ich Ruhe habe, kein Handwerker oder Obdachloser mehr an der Tür klingelt und das Telefon still ist.

Was magst du an deinem Job besonders, was eher nicht so?

Pastor Rohlfing: Ich mag die Abwechslung und die große Freiheit. Ich kann mir die Zeit selber einteilen und selber entscheiden, wo ich Schwerpunkte setzen will. Neulich haben wir z. B. einen Kinderkirchentag zu Martin Luther gemacht und einen Tag lang wie im Mittelalter gelebt und dann nachts in der Kirche geschlafen. Viele Sitzungen und Verwaltungsarbeiten finde ich manchmal anstrengend.

Wie bereitest du dich auf den Gottesdienst vor? Fließen aktuelle politische Geschehnisse in die Predigt mit ein?

Pastor Rohlfing: Ich finde, ein Christ muss neben der Bibel immer auch die Zeitung lesen. Im Gottesdienst und in der Predigt geht es  ja auch darum, die biblischen Texte und Geschichten in unsere Situation zu übersetzen. Das ist immer wieder spannend, wie die Erfahrungen, die die Menschen früher mit Gott gemacht und in der Bibel überliefert haben, mit mir heute zu tun haben.

Vielen Dank für das Interview!

Fakten zum Beruf

Beruf: Pastorin/ Pastor

Voraussetzung: Abitur

Studium: Theologie (2-5 Jahre)

Schulische Interessen: Religion, Sozialwissenschaften

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Klar, sich mit dem Mainstream dieser Welt zu beschäftigen ist mehr oder weniger wichtig. Absolut viel wichtiger ist es, immer daran zu denken, dass man Gott mehr gehorchen muß als dem Menschen (vergl. Apg. 5.29).  Deshalb- täglich die Bibel lesen und mit dem vergleichen, was in den Zeitungen steht.  
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cool könntet ihr noch etwas mehr schreiben
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Wieso gibt es nur eine Seite mit Fasten? ich brauche 2 Seiten mit fasten