Natur und Mensch

Was macht ein Mu­se­ums­päd­ago­ge?

Wie sieht der Alltag eines Museumspädagogen aus?

Stefan: Wir machen mit Schulklassen Führungen oder Workshops und das muss erstmal organisiert werden. Da gehört zum Beispiel auch dazu, sicherzustellen, dass die Technik im Museum funktioniert. Außerdem lese ich viel über die Geschichte der Kommunikation oder auch darüber, was gerade in der Welt der Kommunikation passiert. Dann mache ich mir darüber Gedanken, wie wir das im  Museum zeigen können.

Wie motivieren sie Kinder und Jugendliche, die keine Lust auf das Museum haben?

Stefan: Wir beschäftigen uns viel damit, was Kinder und Jugendliche an der Welt der Kommunikation interessiert. Zum Beispiel kann man im Museum einen Workshop machen, in dem man kleine Filme zum Thema Kommunikationsgeschichte dreht. Es wird auch gezeigt, wie man ein Erklärvideo macht und das dann in der Schule für die Hausaufgaben nutzt.
Unsere Angebote sind immer interaktiv, sie regen also zum Mitmachen an. Auch die Stationen im Museum sind so aufgebaut. Man soll im Museum etwas erleben können und nicht nur staunend vor einer Vitrine stehen und darauf gucken.

Was ist das Schönste an Ihrem Job?

Stefan: Dass sich hier im Museum immer ganz viel verändert. Jede Ausstellung ist ein neues Thema. Das bedeutet für mich, dass ich zu jedem Thema etwas Neues lerne. Das macht mir am meisten Spaß. Ich denke immer wieder darüber nach, wie ich das, was ich neu gelernt habe, den Kindern und Jugendlichen vermitteln kann.

Woher bekommen sie die Hintergrundinfos zu den ausgestellten Sachen?

Stefan: Die Ausstellungen kommen auf zwei Wegen zu uns. Manchmal machen wir die Ausstellungen selbst. Dann bedeutet das, dass wir hier vor Ort im Haus selber viel recherchieren. Wir haben auch eine große Sammlung von Objekten.
Die zweite Möglichkeit ist, dass wir eine Wechselausstellung aus einem anderen Museum übernehmen. Wir bekommen dann auch die ganzen Hintergrundinfos zu den Ausstellungsstücken von dem anderen Museum.

Wollten Sie schon immer Museumspädagoge werden?

Stefan: Ich hatte mal den Traum, Musiker zu werden. Aber ich habe während meines Studiums schon viel im Museum gearbeitet und mich dabei in die Museumsarbeit verliebt. Man lernt immer selber neue Dinge dazu, man hat immer wieder neue Themen, man arbeitet an einem Ort, der einem immer wieder Neues bietet. Das finde ich toll!

Warum ist es so wichtig, dass es Museen gibt?

Stefan: Aus der Geschichte lernt man ganz viel über die Gegenwart. Wenn man Dinge verstehen will, die gerade in der Gegenwart passieren, dann muss man meistens in die Geschichte blicken. Erst dann versteht man, warum Dinge so sind, wie sie sind. Das ist auch das, was wir den Kindern und Jugendlichen im Museum vermitteln wollen: Wenn ihr euch mit dem beschäftigt, was wir hier zeigen, dann lernt ihr auch ganz viel über euch selbst. Zum Beispiel: Warum kommunizieren wir heute wie wir kommunizieren? Aus der Geschichte lernt man auch, wie sich bestimmte Dinge in der Zukunft entwickeln könnten.

Welche Ausstellung fanden sie denn bisher am tollsten und am lehrreichsten?

Stefan: Wir hatten vor einiger Zeit mal eine Ausstellung zum Thema Computerspiele. Dort konnte man viele, auch sehr verrückte Computerspiele spielen. Man hat auch viel darüber gelernt, wie Computerspiele funktionieren.

Und dann gab es eine tolle Ausstellung zum Thema Schönheit. Das vermutet man erstmal gar nicht im Museum für Kommunikation. Schönheit hat aber sehr viel mit Kommunikation zu tun. Wir sehen heutzutage ständig Idealbilder in den Medien. Die sollen uns vermitteln, was Schönheit ist. Diese Idealbilder gibt es wahrscheinlich in der realen Welt gar nicht. Doch was macht es denn eigentlich mit Kindern und Jugendlichen, wenn sie in den Medien ständig schöne Menschen sehen, die es in echt so gar nicht gibt? Was macht es mit ihnen, wenn sie sich ständig die Frage stellen ‚Warum bin ich nicht so wie die Menschen im Fernsehen?‘

Müssen sie sich alle Informationen zu den Ausstellungen merken?

Stefan: Ich arbeite jetzt seit über 5 Jahren im Museum. Die Dauerausstellung kenne ich deshalb in- und auswendig. Daran habe ich großen Spaß.
Bei den Wechselausstellungen nehme ich mir viel Zeit dafür und besorge mir Bücher zu den Themen. Ich lerne aber immer gleich mit dem Blickwinkel: Was ist hier für Kinder und Jugendliche interessant, wie kann ich ihnen das vermitteln und es spannend machen?

Danke für das Interview!

Fakten zu dem Beruf:

Beruf: Museumspädagogin/ Museumspädagoge

Voraussetzung: Abitur

Studium: z.B. Pädagogik oder Geschichte (3-4 Jahre)

Zweijähriges Volontariat erforderlich

Schulische Interessen:  Geschichte, Sozialwissenschaften, Fremdsprachen

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