Natur und Mensch

Was macht ein So­zi­al­ar­bei­ter in ei­ner Wohn­grup­pe?

Erzähle doch mal, als was du arbeitest!

Matthias: Ich arbeite als Sozialarbeiter mit suchtabhängigen Erwachsenen zusammen, die zusammen in einer Wohngruppe wohnen und ein neues Leben beginnen wollen. Meine Aufgabe ist es, ihnen dabei zu helfen – also eine neue Wohnung und eine Arbeit zu finden und helfe ihnen bei den Verwaltungskram. Wenn man eine Wohnung sucht, muss man sich bei vielen Ämtern anmelden, das ist eine Menge Papierkram. Dabei unterstütze ich sie.

Die Menschen kommen aus Einrichtungen zu uns, wo sie eine Therapie gegen ihre Suchtabhängigkeit gemacht haben. Sie würden nach der Therapie obdachlos sein und sie wollen oder können noch nicht allein leben, deshalb  bekommen sie einen Wohnplatz in unserer Wohngruppe. Insgesamt haben wir neun Wohnplätze.

Wie lange wohnen die Menschen in der Wohngruppe?

Matthias: Man kann bei uns 18 Monate wohnen, die meisten bleiben aber ein Jahr. Wir sind eine Wohngemeinschaft, in der jeder Bewohner ein Zimmer hat. Trotzdem hat man viel mit den anderen Bewohnern zu tun, weil man sich das Bad und die Küche mit den anderen teilen muss. Meistens ziehen die erwachsenen Menschen aus, weil sie endlich wieder ihr eigenes Leben und ihre Privatsphäre haben möchten.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Matthias: Mein Büro ist in der Wohngemeinschaft. Ich schau als erstes, ob alles in Ordnung ist bei den Klienten. Dann gehe ich in mein Büro und bereite den Tag vor, checke E-Mails von den Ämtern, schreibe Berichte. Mein wichtigstes Arbeitsmittel ist mein Kalender, in dem meine Termine stehen. Dann bereite mich auf Gespräche und Hausbesuche vor. Ich besuche auch ehemalige Bewohner, die jetzt in ihrer eigenen Wohnung wohnen und betreue sie, solange es nötig ist. In den Gesprächen geht es darum, wie sie ihre Freizeit verbringen können. Sie müssen ihr Leben neu organisieren ohne die Droge oder den Alkohol.

Was macht dir Spaß an dem Job?

Matthias: Ich finde toll, dass es immer wieder neue und andere Aufgaben sind. Jeder Klient bringt eine andere Lebensgeschichte, das ist ganz spannend. Mir macht es Spaß zu beobachten, wenn Menschen sich positiv entwickeln. Also, wenn sie wieder eigenständig werden, vielleicht einen Job bekommen und wieder Spaß am Leben haben – ganz ohne Alkohol oder Droge.

Du hast mit schweren Schicksalen zu tun. Wie gehst du damit persönlich um?

Matthias: Früher ist es mir nicht so leicht gefallen, die Arbeit hat mich auch manchmal belastet und ich habe zuhause viel darüber nachgedacht. Das ist mittlerweile nicht mehr so. Ich denke, den notwendigen Abstand zur Arbeit zu gewinnen, hat etwas mit dem Alter und persönlicher Lebenserfahrung zu tun, aber auch mit einem guten Kollegen-Team.

Welche persönlichen Eigenschaften sollte man für den Beruf mitbringen? 

Sozialarbeiter benötigen ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen. Man muss bereit sein, sich auf andere Menschen einzulassen und ihnen auch sehr weit entgegen kommen. Denn genau das können die Klienten häufig nicht ausreichend. Man braucht eine gewisse Neugier auf Menschen und auf deren Geschichten. Ganz wichtig sind noch viel Geduld und gute Kommunikationsfähigkeiten. Durch ein Schülerpraktikum oder freiwilliges soziales Jahr bekommt man gut mit, ob man diese Eigenschaften mitbringt.

Wie wird man Sozialarbeiter?

Matthias: In der Regel benötigt man ein Abitur, also mindestens die Fachhochschulreife, um Soziale Arbeit oder Sozialpädagogik zu studieren. Um an einer Hochschule angenommen zu werden, benötigt man ein Vorpraktikum in einem typischen sozialen Arbeitsfeld. Das Praktikum ist eine Art Selbsttest – so kann man sich sicher sein kann, dass der Beruf was für einen ist. Das Studium dauert meistens drei Jahre.

In welchen Bereichen arbeiten Sozialarbeiter noch?

Matthias: Das ist ein toller und vielfältiger Arbeitsbereich. Man kann mit Kindern arbeiten, zum Beispiel als Schulsozialarbeiter, im Hort, in der Kita oder im Jugendclub – oftmals auch in einer leitenden Funktion. Man kann in einer Klinik im Sozialdienst oder in Gefängnissen arbeiten. Als Sozialarbeiter kann man in Projekten arbeiten, in denen junge Menschen auf ihren Beruf vorbereitet werden. Es gibt dann noch den großen Bereich der Beratungsstellen, wie Familienberatung oder Schuldnerberatung. Auch im Jugendamt sind viele Sozialarbeiter in verschiedenen Bereichen tätig.     

In welchen Berufsfelder warst du schon tätig?

Matthias: Ich habe schon mit Geflüchteten gearbeitet und ihnen zum Beispiel geholfen, einen Job zu finden. Außerdem habe ich schon in mehreren Jugendclubs und mit arbeitslosen Erwachsenen gearbeitet. 

Danke für das Interview!

Fakten zum Beruf

Beruf: Sozialarbeiterin/ Sozialarbeiter

Voraussetzung: Abitur

Vorpraktikum (Voraussetzung fürs Studium)

Studium: Soziale Arbeit und Sozialpädagogik (3 Jahre)

Schulische Interessen: Sozialwissenschaften

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