Natur und Mensch

Wie arbeitet eine Beratungsstelle für trans* Kinder?

Was genau macht der Verein Trans-Kinder-Netz e.V.?

Wir von Trakine e.V. (Trans-Kinder-Netz e.V.) sind ein Verein von Eltern und Angehörigen von trans* Kindern und Jugendlichen. Wir unterstützen Familien mit trans* Kindern, dass wir sie beraten, informieren und uns mit ihnen austauschen. Außerdem versuchen wir dabei zu helfen, dass sich niemand unsicher fühlt und es mehr Verständnis füreinander gibt. Wir setzen uns für die Rechte von trans* Kindern ein, und dass sie sich wohlfühlen können. Wir bieten keine Therapie oder Rechtsberatung an. Sondern wir vernetzen Familien und geben unser Wissen weiter.

Wie unterstützt ihr Eltern und ihre Kinder?

Wir haben eine Beratung für Eltern. In jeder Region gibt es mehrere Berater*innen, an die sich betroffene Familien wenden können. Zudem gibt es Regionalgruppen. Das ist eine Art Stammtisch, wo sich Familien mit Kindern und Jugendlichen zum Austausch treffen.

Habt ihr einen Rat für trans* Kinder, die Angst haben, mit ihren Eltern oder Freunden und Freundinnen über das Thema zu sprechen?

Für Kinder sind Eltern eine wichtige Stütze. Was können trans* Kinder tun, wenn ihre Eltern sie nicht akzeptieren? Wo können sie sich Unterstützung holen?

Leider gibt es keinen allgemeinen Tipp, der bei allen funktioniert. In manchen Familien werden Kinder nach ihrem Outing vollständig akzeptiert. Während andere Kinder genau das Gegenteil erleben. Kinder und Jugendliche können bei uns im Verein Unterstützung finden. Wir bieten eine Jugendberatung an, die von betroffenen Kindern und Jugendlichen für Betroffene angeboten wird – eine große Hilfe. Zudem gibt es in den meisten Städten queere Beratungsstellen, an die sich Kinder wenden können.

Wichtig ist, dass sich mit echten Menschen auszutauschen oft hilfreicher ist, als der Versuch, eigene Ängste und Sorgen über Social Media zu bewältigen. Wie Eltern beim Outing reagieren, lässt sich kaum vorhersagen. Es ist sinnvoll, wenn sich Kinder einen ruhigen Moment suchen. Außerdem kann es helfen, sich auf ein Gespräch vorzubereiten. Zu wissen, dass auch etwas dagegen gesagt werden könnte. Und was zu tun ist, um sich nicht sprachlos zu fühlen. Ebenso wichtig ist es, auf das eigene Gefühl zu vertrauen – das Kind selbst weiß am besten, was es fühlt. 

Was ist ein Outing?  

Ein „Coming-out“ hat man, wenn man anderen Menschen von seiner Sexualität oder Geschlechtsidentität erzählt. Für viele Menschen ist das eine große Überwindung. Weil man nicht genau weiß, wie die Familie oder Freunde und Freundinnen darauf reagieren. Es gibt nämlich Menschen, die trans sein nicht verstehen und dagegen sind.  

Wen man liebt oder wer man ist, sollte anderen egal sein – so lange man sich selbst wohl damit fühlt.  

Was würdet ihr Kindern raten, die sich unsicher mit ihrer Geschlechtsidentität sind?

Abwarten!

Die eigene Identität ist ein sehr starkes Gefühl. Besonders dann, wenn das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht und das gefühlte Geschlecht übereinstimmen. Wenn sie nicht zusammenpassen, macht sich das bemerkbar – manchmal lauter, manchmal leiser. Das Gefühl ist jedoch immer vorhanden. Daher ist es wichtig, sich keinen Druck zu machen, jetzt sofort eine Entscheidung treffen zu müssen. Stattdessen kann es hilfreich sein, sich an sicheren Orten immer wieder auszuprobieren, wie es sich anfühlt.  

Was kann es eurer Erfahrung nach für trans* Kinder bedeuten, sich zu „outen“? Und vor wem sollte man das alles tun?

Das kann immer unterschiedlich sein und hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel vom Zeitpunkt oder dem Umfeld:  

  • Wenn ein Kind sich schon früh geoutet hat und seinen Namen geändert hat, muss außer einer Vertrauensperson niemand davon wissen. Das kann dem Kind den Wechsel in eine neue Schule erleichtern. Wichtig ist, dass alle trans* Personen bei jedem Schulwechsel selbst entscheiden können, ob sie ihre Geschichte erzählen möchten oder nicht. Besonders wenn sie vorher Mobbing erfahren haben, ist es wichtig, dass sie endlich so gesehen und akzeptiert werden, wie sie sich fühlen.
  • Es kann großen Druck machen, wenn andere nicht von der Transition des Kindes wissen. Dieses Kind kann Angst haben, dass andere davon erfahren.  
  • Wenn es ein offenes Umfeld gibt, kann es dem Kind aber auch helfen, wenn alle von Anfang an wissen, dass es trans ist.

Was ist eine „Transition“? Und bin ich nur trans*, wenn ich eine Transition gemacht habe?

Nein.

Trans*sein bedeutet, dass das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht nicht mit der empfundenen Geschlechtsidentität übereinstimmt. Dieses Gefühl ist sehr persönlich und kann nur von der jeweiligen Person selbst wahrgenommen werden. Es lässt sich nicht von außen „erkennen“. Eine Transition ist eine eigene Entscheidung darüber, was man braucht, um sich wohlzufühlen. Es gibt mehrere Formen der Transition. Kein Schritt davon ist ein Beweis dafür, ob man trans* ist. Man ist es genauso vor wie nach einer Transition.  

Vielen Dank für das Interview! 

Lies nach!

Deine Meinung

  • Ist super
    111
  • Ist lustig
    123
  • Ist okay
    109
  • Lässt mich staunen
    110
  • Macht mich traurig
    110
  • Macht mich wütend
    106